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Der Neue in Golßen ist ein alter Hase

Für Hartmut Laubisch war die Wahl zum ehrenamtlichen Stadtoberhaupt eine Rückkehr auf den Bürgermeisterstuhl.
Für Hartmut Laubisch war die Wahl zum ehrenamtlichen Stadtoberhaupt eine Rückkehr auf den Bürgermeisterstuhl. FOTO: be
Golßen. Golßens neuer Bürgermeister Hartmut Laubisch (SPD) ist mit harten Nüssen in sein Ehrenamt gestartet. Ganz oben: der Streit um die Aufnahme von 100 Flüchtlingen im Ortsteil Zützen. Beim Umgang mit Problemen wirbt der 61-Jährige um Sachlichkeit. Carmen Berg

"Die Ereignisse in Zützen treiben mich um", gesteht Hartmut Laubisch. Er könne die Sorgen der Einwohner verstehen. Doch er hoffe auch darauf, dass bei allem, was kommt, "das Ansehen der Stadt Golßen, zu der Zützen gehört, keinen Schaden nimmt", sagt der Bürgermeister.

Golßen ist für den gelernten Telekommunikationstechniker Heimat. Die Familie sei hier seit Generationen verwurzelt. "Wir wohnen ländlich, doch es ist über die Autobahn nicht weit nach Berlin oder Cottbus. Für mich ist Golßen der ideale Ort zum Leben", sagt er. Das habe ihn bewogen, sich nach der Wende kommunalpolitisch zu engagieren.

Hartmut Laubisch war Mitbegründer des Ortsvereins der Sozialdemokraten, saß seit 1990 im Stadtparlament und war von 1993 bis 2008 schon einmal Bürgermeister, bevor Lars Kolan (SPD) ihn ablöste. Aus beruflichen Gründen war Hartmut Laubisch damals nicht zur Wiederwahl angetreten. Doch jetzt sei er Ruheständler, habe Zeit und nahm deshalb, als mit Kolans Wechsel ins Lübbener Rathaus der Golßener Bürgermeisterstuhl vakant wurde, die Herausforderung noch einmal an.

Vieles sei gut gelaufen in der Kernstadt und den Ortsteilen, weil wichtige Weichen rechtzeitig gestellt worden seien. Hartmut Laubisch denkt an das Gewerbegebiet, an Bebauungspläne in der Stadt, die große Arbeitgeber am Ort gehalten haben. Jobs sowie eine intakte Infrastruktur sieht er als A und O, damit junge Familien bleiben.

In der Kernstadt sind bis auf zwei alle Straßen saniert. In den Orts- und Stadteilen gibt es noch Nachholebedarf. Er nennt als Beispiele die Straße in Prierow oder auch die Buswendeschleife in Gersdorf. Was an Lücken in der Infrastruktur gefunden wurde, habe das Stadtparlament mit Beschlüssen zu Förderanträgen untersetzt, so der Bürgermeister.

Für Halt im Stundentakt

Mit dem Ausbau der Bahnstrecke Berlin-Dresden auf Tempo 200 muss Golßen für gesetzlich geforderte neue Bahnquerungen in die Tasche greifen. Im Gegenzug werde die Stadt dafür kämpfen, dass nach Fertigstellung der Strecke die Züge im Stundentakt statt nur zweistündlich halten, kündigt Hartmut Laubisch an. In der Kleinstadt werden gerade weitere Gebäude schöner, so der denkmalgeschützte Marstall, der zum Schlossbezirk gehört. Es gibt erste Ideen, daraus eine Begegnungsstätte für die Vereine zu machen. Das Schloss selbst aber verfällt. Zu Recht seien die Bürger verärgert. Aber noch immer laufen gerichtliche Auseinandersetzungen mit den Alteigentümern. "Da wurden im Einigungsvertrag wohl auch Fehler gemacht", sagt Hartmut Laubisch.

Hoffen auf Radweg

Dass sich endlich etwas tut, wünscht er sich auch für den Radweg an der B 96 von Golßen nach Zützen, für den der Landesbetrieb für Straßenwesen Bauherr ist. Laut Bürgermeister hängt es am Eigentümernachweis für eine einzige Fläche, ob ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren nötig wird oder 2016 der Bau starten kann. Die Zützener durchforsteten Archive, um bei der Klärung zu helfen, erzählt er.

Die Leute in dem Ortsteil stünden für ihre Belange ein, sagt Hartmut Laubisch. So auch jetzt, wo es um die aus Dorfsicht zu große Zahl von Flüchtlingen geht. Doch den Einwohnern, mit denen er darüber sprach, gehe es um den Ort, um Antworten auf ihre berechtigten Fragen. Sie hätten mit rechten Kräften nichts am Hut, "wollen nicht in ein Licht gedrängt werden, in das sie nicht gehören", so der Bürgermeister. Seine ganz persönlichen Erfahrungen mit einer fremden Kultur habe er über Jahre als passionierter Taucher in Ägypten gemacht. "Wir waren auf kleinen Booten mit den Einheimischen zusammen. Die Ägypter waren für die Ausrüstung verantwortlich. Ich habe gelernt, Vertrauen zu haben und Vertrauen zurückbekommen", sagt Laubisch.

Zum Thema:
Im Golßener Freibad werden nach dem Bau eines modernen Beckens jetzt die technischen Anlagen saniert. Es sei der feste Wille, dass zum Saisonstart gebadet werden kann, sagt Hartmut Laubisch. Am 4. und 5. Juli wird der Golßener Sportverein 1885 stolze 130 Jahre. Das Jubiläum soll mit einem Fest für Klein und Groß im Bad mit vielen Angeboten zu Wasser und zu Lande begangen werden, blickt Hartmut Laubisch voraus.