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Der Marmorengel von Laasow

Einst hatte der moosbedeckte Sockel auf dem Laasower Erbfriedhof den stolzen mannshohen Marmorengel getragen. Eines Tages aber hatte der kopflos auf dem Boden gelegen. Schmiedemeister Manfred Tartz vermutet, dass es Rowdys waren, die ihn vom Sockel gestürzt haben. Er nahm sich des Engels an. Beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum ist der Laasower Engel rekonstruiert worden. Alsbald soll er seinen Platz wieder auf dem Sockel, aber in der Laasower Kirche finden. Von Hannelore Kuschy

Laub und etwas Schnee bedecken den gräflichen Erbfriedhof am Rand von Laasow. Als leidenschaftlicher Friedhofsgänger ist Schmiedemeister Manfred Tartz auch dort immer wieder anzutreffen. Er genießt, wie er sagt, die Ruhe und liest die Inschriften auf den Grabsteinen. Am Sockel, auf dem einstmals der Marmorengel gestanden hatte, erinnert sich der Laasower an seine Rettungsaktion vor Jahren: Rowdys müssen den Engel damals umgestoßen haben. Durch die Wucht des Aufpralls war auch der Kopf abgebrochen , erzählt er. Unter Zacken in der Schäferheide habe ich alles versteckt, bis es mir zu mulmig geworden ist , so Manfred Tartz. Womöglich hätten ihn Fremde gestohlen. Für ein Jahr hatte der Schmiedemeister den Engel in seinem Heizraum versteckt.
Die Stadt Vetschau hatte sich entschlossen, den Engel rekonstruieren zu lassen, um ihn in der Laasower Kirche wieder aufzustellen. Dazu sollte ursprünglich noch vor Weihnachten vorigen Jahres der Sockel vom Friedhof in die Kirche gebracht und fachmännisch gereinigt werden. Das wird nun erst in diesem Jahr möglich sein, vermutet Monika Lo bedan von der Vetschauer Stadtverwaltung. Wie sie erzählt, ist der Engel inzwischen fertig rekonstruiert. Studenten der Fachhochschule Potsdam haben ihn im Rahmen eines Projektes restauriert. Eine entsprechende Vereinbarung darüber war zuvor zwischen dem Land Brandenburg, der Fachhochschule Potsdam und der Stadt Vetschau abgeschlossen worden. Die hat für das Jahr 2006 Mittel für den Rücktransport von Wünsdorf, dem Sitz des Dezernats Praktische Denkmalpflege, nach Laasow in den Haushalt eingestellt.
Engel und Postament sollen deshalb vereint in der Kirche aufgestellt werden, weil sie in Gestaltung und Aussage ein untrennbares Ensemble bilden würden, so die Vetschauer Bauamtsleiterin Anke Lehmann. Andreas Tartz, Sohn des Laasower Schmiedemeisters, kann das gesamte Wappen am Sockel ganz genau deuten: Das linke Wappen ist das der Familie von Pourtalès. Sie war eine Hugenottenfamilie, die sich im Schweizer Neuchâtel angesiedelt hatte und bis 1620 in Frankreich beheimatet war.
Preußen hatte zwischen den Jahren 1707 und 1848 über eine Schweizer Exklave, nämlich Neuchâtel, verfügt. So wird nachvollziehbar, dass ein Zweig dieser Familie , so An dreas Tartz weiter, später in die Niederlausitz, damals Preußen, wechselte. Graf Jacques Alfred sei der erste Graf von Pourtalès mit Wohnsitz in Laasow gewesen. Er hatte nach Angaben des Laasowers im Jahr 1856 das neue Herrenhaus im Schweizer Villenstil westlich vom Gutshof gebaut und war zudem Schöpfer der südlich und nördlich vom Schloss gelegenen Schäferheide, der Parkanlagen.
Abgebildet sind auf dem linken Wappen (Foto) oben links und unten rechts ein Pelikan und seine Jungen. Oben rechts und untern links sind zwei Sparren zu erkennen. In der Mitte erscheint ein offenes Portal. Das rechte Wappen ist das der Familie von Thielau. Denn Jacques Alfred war in erste Ehe mit Anna von Paschwitz vermählt, die im Jahr 1851 in Ogrosen verstorben war. Die zweite Ehefrau des Grafen war Johanna Maria Sophie von Thielau aus Neudöbern. Dieser Ehe entstammten sieben Kinder, die alle in Laasow geboren worden waren. Der Graf selbst war im Jahr 1889 in Laasow verstorben. Beide Eheleute liegen auf dem Erbfriedhof in der Schäferheide begraben.
Wie Andreas Tartz weiter erklärt, ist auf dem rechten Wappen ein großer Hügel abgebildet mit einem abgehauenen, großen wurzelnden Baumstamm, aus dessen Seiten große beblätterte Zweige empor sprießen. Die Krone über dem Wappen symbolisiert das Königreich Preußen.
Insgesamt befinden sich auf dem gräflichen Erbfriedhof in der Laasower Schäferheide acht Gräber und ein Gedenkstein. Letzterer ist dem sechsten Kind des Grafen Jacques Alfred und seiner Frau, Friedrich Carl Nikolaus, gewidmet, der nach Angaben des heimatforschenden Laasowers im Jahr 1914 bei Dixmuiden gefallen war. Er war Major im 5. Garderegiment zu Fuß und ruht auf der Kriegsgräberstätte im belgischen Vladslo.
Die Laasower Schäferheide ist in früheren Jahren sehr ordentlich gepflegt worden , erinnert sich Manfred Tartz. Heute aber sehe es nicht mehr so gut aus. Diese Auffassung vertritt auch die Vetschauer Verwaltung. Ein solch wertvolles Denkmal wie der Engel sollte dort nicht der Öffentlichkeit präsentiert werden , so Bauamtsleiterin Anke Lehmann, als sie den OSL-Kreis im Oktober vergangenen Jahres um Unterstützung gebeten hatte. Damit der restaurierte Engel erhalten bleibt, muss er in einem geschützten Raum wie der Laasower Kirche untergebracht werden. Davon ist auch Ortsbürgermeister Hans Eckinger überzeugt.
Wenn eines Tages Touristen die Kirche des Vetschauer Ortsteils besuchen, erfahren sie vielleicht auch von der spannenden jahrhunderte alten Geschichte des hübschen Marmorengels und seiner Rettung durch Schmiedemeister Manfred Tartz.