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| 01:45 Uhr

Der letzte Vorhang:Lübbens Kino schließt am Sonntag

Spreewald-Lichtspiele in Lübben
Spreewald-Lichtspiele in Lübben FOTO: Adi Wawro
Lübben. Am Sonntag wird das letzte Filmtheater im Spreewald seinen Betrieb einstellen. Ob in Lübben jemals wieder Filme zu sehen sein werden, ist noch ungewiss. Von Michael Schulz

Zum zweiten Mal nach der Wende schließt das Kino, erneut bekommt es einen anderen Inhaber. Nach der Ufa (bis 2003) und der Cinestar-Gruppe darf sich nun der einheimische Gastwirt Manfred Hahn Besitzer der Immobilie an der Poststraße nennen. Ob er damit auch zum nächsten Betreiber des Kinos wird – es also dort bald wieder Filme zu sehen geben wird – bleibt unterdessen offen. Hahn wollte sich bisher zu seinem Kauf nicht äußern.

Zielgruppe wandert ab

Die Cinestar-Gruppe hatte im August des vergangenen Jahres das Aus verkündet. Zuerst sollte Ende Dezember der letze Vorhang fallen, dann entschloss sich Cinestar, doch noch bis zum 29. März Filme in den drei Sälen zu zeigen. Als Gründe für die Schließung nannte der Betreiber damals die generellen Probleme der Branche – Besucherschwund durch Heimkino-Anlagen und verändertes Freizeitverhalten. Hinzu kämen in Lübben „die kontinuierliche Abwanderung kinoaffiner junger Menschen und die allgemeine schwierige wirtschaftliche Lage“.


Der Aufschrei unter den Angestellten und Stadtverordneten war groß. Ein neuer Betreiber sollte gefunden werden. Mitte November verkündete Bürgermeister Lothar Bretterbauer (CDU) auf einer Stadtverordnetenversammlung: „Die Würfel für unser Lübbener Kino sind gefallen.“ Der Verkauf der Immobilie war perfekt, doch der Weiterbetrieb als Kino nicht gewährleistet: „Wenn der neue Inhaber es sich im Lauf der Zeit überlegt und in fünf Jahren sagt, ,ich mache etwas anderes daraus', werden wir es nicht verhindern können“, sagte Bretterbauer damals weiter.

Fragen bleiben offen

Doch wer war der neue Besitzer? Kino-Leiterin Liane Schultz brachte K-Motion, einen Hamburger Filmtheater-Betreiber, als „hoffnungsvollsten Kandidaten“ ins Gespräch. Doch dessen Geschäftsführer wiegelte ab. Stadt und Insolvenzverwalter wollten keine Namen nennen. Erst in der vergangenen Woche äußerte sich ein Mitarbeiter des Insolvenzverwalters: „Manfred Hahn ist der neue Inhaber.“ Dem Lübbener gehört auch die Kneipe „Kinoklause“ im Gebäude des Filmtheaters.

Ob das Lichtspielhaus weiterhin als solches betrieben oder umgebaut und anderweitig genutzt werden soll, dazu will Hahn noch nichts sagen. Bretterbauer sprach von Plänen des Besitzers, die „eine Art Kino-Café“ vorsehen. Theaterleiterin Schultz hörte von „nur noch einem großen Saal“, und dass „die restliche Fläche dann als Steakhaus genutzt werden soll“.

Eins ist indes sicher: Am Sonntag nach den Abend-Vorstellungen ist erst einmal Schluss. Oder, um es mit Bertolt Brecht zu sagen: „Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“