Offensichtlich ist der Himmel als Sprachbild gut geeignet, in eine Richtung zu denken, die wir Menschen brauchen, eine Sehnsucht anklingen zu lassen, die uns nie zur Ruhe kommen lässt.
Den Himmel auf Erden wünschen sich nicht nur die Völker des Mittleren und Nahen Ostens. Ein Stückchen Himmel auf Erden erhoffen wir beim Planen von Freizeit und Urlaub. Alles Erdenschwere, Belastende, alles nach unten Ziehende will man einmal hinter sich bringen. Menschen können sich wohl helfen, gegenseitig und miteinander. Aber sie können sich nicht erlösen.
„Wir haben das Schweben verlernt,/weh uns, wir kleben am Weg./ Vom Leuchten der Sterne entfernt,/ die Flügel gesenkt und träg,/ so trotten die Füße ergeben./ Ach, Liebster, bevor es zu spät,/ versuchen wir's, uns zu erheben./ Mir ist zuweilen so, als ob/ das Herz in mir zerbrach./ Ich habe manchmal Heimweh./ Ich weiß nur nicht, wonach.“
Die Ursehnsucht abzuheben, aufzusteigen, fasste Mascha Kaleko (1907 bis 1975) in ihre Worte. Es gibt ein vollkommenes Verstanden-, Angenommen- und Geliebtwerden. Ich glaube das mit dem Christentum. Es erfand in der Osterzeit des 3./4. Jahrhunderts das Fest Christi Himmelfahrt. Der Bibelschriftsteller Lukas erzählt, dass Jesus über den Tod gesiegt hat. 40 Tage lang nach seiner Auferweckung durch Gott war er noch mit seinen Freunden zusammen, und zwar so, dass er durch Wände ging, aber dennoch wie ein Mensch mit ihnen aß, trank und die Zukunft besprach. Und dann, auf einem Berg, erzählt Lukas, wurde er in eine lichte Wolke gehüllt und in den Himmel aufgehoben. „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem . . . und bis an das Ende der Erde“ , sind Jesu Worte an die Nachfolge-Generationen. Wir haben hier Aufgaben. Und dennoch muss uns der Himmel geschenkt werden. Wer das annimmt, wird bewahrt werden vor Resignation und Zynismus, ja hat sogar ein Stückchen Himmel in sich, Jesus hat Angst und Ohnmacht, Bosheit und Rache, Tod und Trauer besiegt und ist aufgefahren in den Himmel. Erhaben herrscht er als König über alle dunklen Gewalten. Das Charakteristische der neuen Zeit, 40 Tage nach Ostern, fasst Luther zusammen: „Du sollst nicht denken, Christus sei dahingefahren und sitze nun da oben und lasse uns hier regieren, sondern darum ist er hinaufgefahren, weil er dort am meisten schaffen und regieren kann. Darum denke nicht, er sei nun weit von uns. Im Gegenteil. Als er auf Erden war, war er uns fern, jetzt ist er uns nah!“
Bewahren Sie sich diese Wahrheit. Verlieren Sie nie den Himmel unter Ihren Füßen!