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| 18:51 Uhr

Mit Herz und Ausdauer
Der Hartnäckige

 Falkner Schwarz am Koboldsee. Unbeirrt ist er über fast drei Jahrzehnte drangeblieben. Es ging darum, das Gewässer nach Eigentumsunklarheiten wieder in Pacht und damit auch in feste Bewirtschaftung zu nehmen. Ob und wie das geht, prüfte der Bund - und prüfte, und prüfte... Ende August wurde jetzt der Vertrag unterschrieben.
Falkner Schwarz am Koboldsee. Unbeirrt ist er über fast drei Jahrzehnte drangeblieben. Es ging darum, das Gewässer nach Eigentumsunklarheiten wieder in Pacht und damit auch in feste Bewirtschaftung zu nehmen. Ob und wie das geht, prüfte der Bund - und prüfte, und prüfte... Ende August wurde jetzt der Vertrag unterschrieben. FOTO: Schirling
Lübben. Wenn man eine Herzensangelegenheit verfolgt, macht man sich manchmal auch unbeliebt. Falkner Schwarz weiß das. Doch der Lübbener Angler weiß auch, dass sich der Kampf lohnen kann – zum Beispiel der um den Koboldsee. Von Ingvil Schirling

Verwunschen in einer Senke zwischen Straupitz und Sacrow liegt etwas, was dem Kreisanglerverband und seinem Vorsitzenden Falkner Schwarz einen jahrzehntelangen Kampf wert war: der Koboldsee. Nach der Wende ins Preußenvermögen übergegangen, verschwand er ab 2008 endgültig im Dickicht der Behörden und schien selbst für Eingeweihte in der Gemengelage zwischen Bund und Land unauffindbar. Eine Rundschau-Recherche spürte ihn 2016 in der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben auf, die zu diesem Zeitpunkt schon seit Längerem prüfte, ob er – wie gewünscht – ans Land Brandenburg übertragen werden könnte, die ihn wiederum – wie versprochen – an die Kommune weiterreichen wollte. Von dort aus erst könnte ihn der Kreisanglerverband in Pacht nehmen und damit all die Hege- und Pflegemaßnahmen wieder aufnehmen, auf die Angler und Koboldsee ein gutes Vierteljahrhundert verzichten mussten. Und darauf wartete er seit den ersten Kauf- beziehungsweise Pachtanträgen von 1992.

Jahre später ist es nun soweit. Der See wurde 2018 an die Gemeinde Spreewaldheide übergeben, die Pacht ausgeschrieben und diesen Sommer an den Kreis­anglerverband vergeben. Die Tinte unter dem entsprechenden Vertrag darf angesichts der langen Wartezeit noch fast als feucht gelten. Aber: Er ist seit Ende August unterschrieben.

 Herzensmenschen
Herzensmenschen FOTO: LR / Schubert, Sebastian

Dass dies so kam – und die Straupitzer, Sacrower, Laasower und andere im Sportfischerverein Straupitz-Oberspreewald dieses versteckte Kleinod wieder bewirtschaften dürfen – ist zum einen der Anglergemeinschaft zu verdanken. Und zum anderen der Hartnäckigkeit ihres Verbandsvorsitzenden.

Falkner Schwarz ist in Lübben kein Unbekannter. Aufgrund seines vielfältigen ehrenamtlichen Engagements vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit im Angelbereich mit der Verdienstmedaille des Landtags ausgezeichnet, hat er für die Anglergemeinschaft viel erreicht. Der Kampf um den Koboldsee, das Dranbleiben über fast drei Jahrzehnte, immer wieder nachhaken, recherchieren, Anträge per Einschreiben verschicken, anrufen, erfahren, dass der zuständige Sachbearbeiter fort ist und der Antrag unauffindbar, nochmals alles einreichen – das kostet Kraft. Doch Falkner Schwarz hatte mit der anvisierten Bewirtschaftung vor allem ein Ziel vor Augen: den See fürs Angeln und damit ein Stück weit auch für die Öffentlichkeit zu erhalten.

Vielleicht hat der Fakt etwas damit zu tun, dass der Straupitzer sein Heimatverein ist. Er war zwar schon als Kind auch in Lübben organisiert, aber die Herkunft prägt. Ein paar Jahre war Herr Schwarz allerdings auch Schwarzangler, wie er mit verschmitzten Fältchen in den Augenwinkeln einräumt: „Aber das ist verjährt.“

„Trockenangeln“ nannten die anderen Kinder verächtlich das, was stattfand, wenn die Stifte ihre Ruten an die Räder klemmten und zum Üben gingen. Vieles brachten sie sich als „Pimpfe“ unter­einander bei, erinnert sich Falkner Schwarz an seine eigenen Anfänge zu Kinder- und in Jugendtagen. Doch Wolfgang Schulze, der frühere Vorsitzende der Ortsgruppe Lübben, leitete den Nachwuchs mit Zielwerfen und vielem mehr schließlich an. Und so abschätzig der Unterton damals auch gewesen sein mag: „Die Geschicklichkeit, die man sich in diesen Tagen angeeignet hat, die hat man heute noch“, resümiert er. Mittlerweile bringt er – gemeinsam mit anderen – den Kindern und Jugendlichen diese Fertigkeit bei, vor allem aber vermitteln er und andere den waidgerechten Umgang mit dem Fisch und die Wertschätzung für diesen als Nahrungsmittel. Heute wie damals gilt übrigens noch eine andere Faustregel: Bis 16 Jahre ist das Angeln interessant – und dann wieder ab 25. Wenn man nämlich feststellt, dass Nachtangeln ganz schön romantisch ist und dass man dazu auch jemanden einladen kann.

Falkner Schwarz heiratete 1983, eine Straupitzerin, und zog nach Lübben. Die Oberspreewälder fanden, dass es nicht schlecht wäre, wenn einer von ihnen auch im Lübbener Kreisvorstand der Angler sitzen würde, und so wurde er 1990 Stellvertreter, 2007 Vorsitzender des Kreisanglerverbands. Seit 2009 wirkt er auch im Landesanglerverband maßgeblich mit.

„Ich muss nicht wirklich was fangen, mich interessiert die Natur“, so bringt Falkner Schwarz sein Verhältnis zum Angeln auf den Punkt. Sicher kommt er dabei zur Ruhe, auch im Ausgleich zum anstrengenden Berufsalltag in der Spreewaldklinik. Doch er denkt über Dinge nach, hinterfragt sie mit einer gewissen Tabulosigkeit, die den Hartnäckigen zu eigen ist. In viele Themen hat er sich über die Jahre tiefgründig eingearbeitet – und dabei schmerzlich erfahren, dass nicht jeder Diskussionsbeitrag beliebt macht. Dass man sich mit manchen stattdessen mächtig ins Abseits manövriert – und das dann aushalten muss. Da wünscht sich der Lübbener nicht selten eine offenere Diskussionskultur – ist aber auch ein bisschen stolz, wenn er aufgrund seines Wissens über die Spree-Verockerung als Referent nach Fulda eingeladen wird und dort in einer Reihe mit Doktoren und Professoren spricht.

Seine Hartnäckigkeit wird dem Koboldsee noch weit über den Tag hinaus nutzen, an dem die Tinte unter dem Pachtvertrag zu trocknen begann. Denn gut ein Jahrzehnt ohne wirkliche Bewirtschaftung haben ihre Spuren hinterlassen. Eine Entschlammung würde ihm gut tun, ist Falkner Schwarz überzeugt. Der Landwirt der angrenzenden Wiesen hat bereits signalisiert, dass der Schlamm dort versprüht werden könnte, um wiederum zur Bodenverbesserung beizutragen. Ob das, behördlich gesehen, so einfach umzusetzen ist, wird herauszufinden sein. Ein bisschen Übung im Antragstellen kann ganz bestimmt nicht schaden.

In einer Serie stellt die RUNDSCHAU Herzensmenschen vor. Es geht um Männer und Frauen, die mit Leidenschaft und großem Engagement ihre Sache verfolgen – oder in ihrem Leben eine Herzensentscheidung treffen mussten, die nicht ohne Risiko war und vieles verändert hat.

 

Wenn Sie Vorschläge haben, wer im Rahmen dieser Serie vorgestellt werden sollte, wenden Sie sich gern an die LR, am besten per E-Mail an red.spreewald@lr-online.de.