ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:42 Uhr

Der EU-Kommissar und die Kormorane

Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger und der EU-Kommissar Karmenu Vella (v.re.) hören aufmerksam zu, was ihnen die Binnenfischer zu sagen haben. Hier schildert Gisela Bräuning (3.v.li.) ihre Probleme.
Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger und der EU-Kommissar Karmenu Vella (v.re.) hören aufmerksam zu, was ihnen die Binnenfischer zu sagen haben. Hier schildert Gisela Bräuning (3.v.li.) ihre Probleme. FOTO: asd1
Schlepzig. Binnenfischer brauchen Hilfe. Auch die in der Teichgut Peitz GmbH, zu der die Teichwirtschaft in Schlepzig (Unterspreewald) gehört. Vor allem Kormorane, Graureiher und Silberreiher machen ihnen zu schaffen. Andreas Staindl / asd1

Die Vögel fressen den Fischern die Fische weg. Von hundert Satzfischen bleiben nur zwei bis drei Speisefische übrig wie Gerd Michaelis sagt. Dem Geschäftsführer der Teichgut Peitz GmbH zufolge entsteht so ein jährlicher Schaden von 250 000 Euro in seinem Unternehmen. Binnenfischer der Region haben Karmenu Vella mit dem Problem konfrontiert. Der für Umwelt, maritime Angelegenheiten und Fischerei zuständige EU-Kommissar hat zu Wochenbeginn das Land Brandenburg besucht, war auch an den Teichen bei Schlepzig. Er wurde von Brandenburgs Agrar-und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) begleitet. Ziel war es, sich über die aktuelle Situation der Binnenfischer und deren Probleme zu informieren. Der Verlust ihrer Fische durch Raubvögel bringt die Fischer an ihre Existenzgrenze.

Karl Winkelgrund betreibt seit acht Jahren die Teichwirtschaft in Stradow (Oberspreewald-Lausitz). "Ich bin mit großen Hoffnungen angetreten", erzählt er dem EU-Kommissar. "Inzwischen hat mich die Realität eingeholt. Ich könnte viel mehr Fisch verkaufen, doch ich habe ihn nicht, weil er vorher von den Vögeln gefressen wurde." Für den Fischer und studierten Diplom Biologen hat das Folgen. "Ich habe Existenzangst und hoffe auf eine politische Lösung, damit die Teiche weiter erhalten werden können und die lange Tradition der Fischerei weitergeführt werden kann." Binnenfischerei darf nicht nur Biotop-Pflege bedeuten, sie muss auch wirtschaftlich darstellbar sein wie Ramona Oppermann von der Teichgut Peitz GmbH sagt: "Wenn das nicht gelingt, stirbt der Beruf des Fischers aus." Der EU-Kommissar ist überrascht, dass so viele Karpfen durch Kormorane und Co. gefressen werden. Er versprach, bei der Suche nach Lösungen zu helfen: "Es darf jedoch keine Alleingänge geben. Alle Beteiligten müssen das Ergebnis mittragen." Karl Winkelgrund würde den Schutzstatus des Kormorans gern heruntergesetzt und die entsprechende Richtlinie flexibler angewendet haben.

Die Teichgut Peitz GmbH hat in ihre Gewässer bei Schlepzig Teich-in-Teich-Anlagen integriert. Dort können die Karpfen geschützt vor den gefräßigen Raubvögeln aufwachsen. Eine Million Euro wurden in das Projekt investiert, das von der Europäischen Union gefördert wurde, wie Gerd Michaelis sagt. Statt zwei Prozent wachsen jetzt 25 Prozent der Satzfische zu Speisefischen heran. "Mein Ziel wären 50 Prozent", sagt der Geschäftsführer der Teichgut Peitz GmbH. Das Teich-in-Teich-System erfordert allerdings eine intensivere Fütterung, erläutert Michael Zesch, Betriebsleiter der Teichwirtschaft in Schlepzig. Für kleinere Unternehmen seien diese Anlagen ohnehin keine Lösung, wie Ramona Oppermann erklärt. Gisela Bräuning von der Teichwirtschaft in Fürstlich Drehna (Stadt Luckau) machte dem EU-Kommissar ihr Problem deutlich. "Unsere Fischbestände gehen jährlich zurück. Die finanzielle Grundlage zum Weiterführen des Betriebes fehlt inzwischen. Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt und müssen schon Dienstleistungen als Nebenerwerb anbieten, um wirtschaftlich überleben zu können." Gisela Bräuning fordert deshalb "eine Lösung, um die Zahl der Kormorane zu minimieren". Diese Vögel machten einen immensen Schaden. "Sie unter Schutz zu stellen, ist falsch."

Im Teichgut Peitz werden zu Spitzenzeiten jeweils 500 Kormorane und Silberreiher sowie 400 Graureiher gezählt, berichtet Gerd Michaelis. Nur zwei Drittel der Schäden durch die Fischräuber werden ihm zufolge ersetzt. "Und die Vergrämung der Vögel ist für uns ein immenser Aufwand." An den Teichen bei Schlepzig würden dafür etwa spezielle Kanonen eingesetzt. Die Gewässer der Teichgut Peitz GmbH liegen allesamt in Schutzgebieten. In den vier Teichwirtschaften des Unternehmens werden jährlich 650 Tonnen Fisch produziert. 17 Arbeitskräfte stehen in Lohn und Brot. "Wir möchten, dass der Berufsstand des Fischers weiterlebt", sagt Ramona Oppermann. EU-Kommissar Vella ist das Problem während seines Besuchs bei den Binnenfischern bewusst geworden. Das sagte er jedenfalls am Ende.