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| 17:38 Uhr

Sommertour
Der alte Baum ist immer noch da

Wo früher Schulkinder tobten, lädt ein Bewegungspark ein. Olaf Stobernack erklärte die Geräte sowie Trainingseffekte und motivierte zum Mitmachen.
Wo früher Schulkinder tobten, lädt ein Bewegungspark ein. Olaf Stobernack erklärte die Geräte sowie Trainingseffekte und motivierte zum Mitmachen. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben . RUNDSCHAU-Sommertourgäste waren beim ASB und sahen, was aus der ehemaligen Schule alles geworden ist. Von Ingvil Schirling

„Unglaublich – jetzt wohne ich da, wo ich früher zur Schule gegangen bin. Und der Baum, auf den wir immer kletterten, steht genau vor meinem Fenster.“ Solcher Art sind die Ausrufe mancher Bewohner, wenn sie bei „Wohnen und Leben an der Berste“ einziehen. Das vor längerer Zeit eröffnete und längst voll belegte Haus auf dem Gelände des Arbeiter-Samariter-Kreisverbands (ASB) Lübben ist eine der auffälligsten Veränderungen rund um den ehemaligen Schulhof der 1. Grundschule. Aber längst nicht die einzige. Zehn Jahre, nachdem der ASB das Areal kaufte, ist es zu 98 Prozent fertig umgestaltet – Anlass genug für die Lausitzer Rundschau, im Rahmen der jährlichen Sommertour dorthin zur Besichtigung all dessen, was sich verändert hat, einzuladen. ASB-Geschäftsführer Sven Meier führte rund 40 Gäste kurzweilig, informativ und humorvoll über das Gelände.

Er war es auch, der diese Sätze der Neu-Bewohner wiedergab. Die Erinnerungen an die alte Schule zog sich wie ein roter Faden durch die Vormittags-Tour, die vom Innenhof des markanten Backstein-Gebäudes durch das Mehrgenerationenhaus führte, über die zwei Stockwerke des Wohngemeinschaftshauses, hinüber zum Neubau „Wohnen und Leben an der Berste“, durch den Bewegungspark mit Fitnessgeräten für draußen bis hin zum neuesten Gebäude auf dem Gelände mit überdachten Sitzmöglichkeiten und Lagerraum.

Im schattigen Innenhof besuchten fast 40 Teilnehmer die letzte LR-Sommertour dieses Jahres und schauten sich an, was aus der 1. Grundschule in den Händen des ASB geworden ist.
Im schattigen Innenhof besuchten fast 40 Teilnehmer die letzte LR-Sommertour dieses Jahres und schauten sich an, was aus der 1. Grundschule in den Händen des ASB geworden ist. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Rundschau Sommertour 4c
Rundschau Sommertour 4c FOTO: LR / Schubert, Sebastian

Allein auf dem Hof rund um das Mehrgenerationenhaus leben mehr als 50 Menschen, skizzierte ASB-Geschäftsführer Sven Meier. Durch die zahlreichen Angebote wie Kochkurse, Tanzstunden, Reha-Sport, Werkstätten, Treffpunkte, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen ist dort immer etwas in Bewegung. Zudem hat die Verwaltung dort ihren Hauptsitz.

Der ASB-Kreisverband Lübben umfasst jedoch viel mehr als diesen Standort. Kinder- und Jugendhilfe an verschiedenen Standorten, Häusliche Krankenpflege, die Seniorenwohnanlage Hinter der Mauer, der Fahrdienst und vieles mehr machen den Verband „zu einer Art Bauchladen“, brachte es Sven Meier auf den Punkt.

Blick auf den Komplex mit dem Innenhof im Zentrum. Höhepunkt der ersten Bauphase war die Wiederherstellung des Turmes. Das ASB-Mehrgenerationenhaus ist damit eines von vier Gebäuden im Lübbener Zentrum mit Turm.
Blick auf den Komplex mit dem Innenhof im Zentrum. Höhepunkt der ersten Bauphase war die Wiederherstellung des Turmes. Das ASB-Mehrgenerationenhaus ist damit eines von vier Gebäuden im Lübbener Zentrum mit Turm. FOTO: LR / Ingvil Schirling

Das Herz des Bauchladens aber schlägt an der Lübbener Gartengasse. Mit einem umfangreichen Konzept hatte sich der ASB Lübben damals um die Übernahme des Geländes beworben, nachdem die Schule an die Lübbener Jahnstraße gezogen war, und am 29. Mai 2008 den Zuschlag bekommen. „Den damals so genannten Neubau mit der Zentralküche haben wir markanterweise als erstes abgerissen“, erinnerte Sven Meier. Einen dicken gelben Ordner mit alten Fotos in der Hand, erinnerte er an die Bauzeit und die Tage, in denen Radlader in den Räumen standen, in denen heute Tanzkurse, Konzerte oder Krabbelgruppen stattfinden.

Der Lübbener Horst Schulze hakte ein. Er war Gast der LR-Sommertour und kannte das Haus wie viele andere noch aus der eigenen Schulzeit. Ab 1941 besuchte er die Bildungseinrichtung und erinnerte in einem spontan eingeschobenen Vortrag an Lehrer mit Rohrstock und den Wiederaufbau einer eingestürzten Decke, den die Kinder selbst vornahmen, kurz: an Lübben zu Kriegszeiten. Horst Schulze hat seine Erinnerungen unter dem Titel „Sternmarsch gen Lübben“ veröffentlicht und arbeitet nun an einem zweiten und dritten Band zur Geschichte der Spreewaldstadt.

Sven Meier wiederum wird den Tag wohl nie vergessen, an dem er zu Dienstbeginn von Polizeipräsenz begrüßt wurde. Bei Baggerarbeiten für den heutigen Bewegungspark war Anfang 2017 eine Panzerfaust gefunden worden, die zum Glück komplikationslos geborgen wurde.

Helga Meier, bis vor einigen Monaten ASB-Geschäftsführerin und Baumeisterin während der Umgestaltung des Geländes, ergänzte Details aus den Anforderungen des Denkmalschutzes. Die alte Treppe beispielsweise ist ebenso original wie die Bäume und die Erinnerung an frühere, geheime Raucherecken. Kathrin Stuth berichtete aus dem Alltag der Betreuung der Menschen mit Behinderungen, die die ehemaligen Klassenzimmer bewohnen. Peter Mularczyk skizzierte warmherzig das Ziel der im Neubau angesiedelten Tagespflege „Gemeinsam statt einsam“. Und Olaf Stobernack turnte vor, wie die Fitness-Geräte auf dem früheren Schulhof nach heutigen Erkenntnissen den größten Trainingseffekt bringen.

Ein Haus mit Geschichte, ein Haus mit Veränderung. Kommendes Jahr will Sven Meier all dem noch ein I-Tüpfelchen aufsetzen: eine eigene Kahnabfahrtsstelle.