Von Ingvil Schirling

Die Diskussion um die ungeliebte Einengung auf der sanierten Lehnigsberger Brücke ist alles andere als zu Ende – und sie hat diese Woche eine „interessante“ Wendung genommen. Stadtverordneter Burkhard Herzke (Pro Lübben) brachte sie sowohl im Finanz- als auch im Bauausschuss nochmals auf die Tagesordnung. Dabei ging es um die Frage, ob und warum genau die Lehnigksberger Brücke eigentlich denkmalgeschützt ist. Und Detlef Brose (Die Stadtfraktion) ärgerte sich darüber, dass die Eisenbahnschiene, die in der Einengung der Hinweis auf die frühere Funktion der Brücke als Träger für die Spreewaldbahn war, von dieser überhaupt nicht stammen könne.

Damit nimmt die Unzufriedenheit mit der Lage eine possenhafte Wendung. Zur Erinnerung: Die Brücke stand kurz vor der Sperrung, als sie im Sommer 2017 zum ersten Mal für heiße Diskussionen sorgte. Sie war im Prinzip nur noch Flickwerk. Eine grundhafte Sanierung erschien dringend notwendig angesichts des desolaten Zustands des Zwischentragwerkes, der Belagsbohlen und des Geländers. Sanieren oder Sperren, das war damals die Frage.

Die Stadtverordneten entschlossen sich für die Sanierung. Das zog sich hin. Erst ein Jahr später, im Juni 2018, wurde der Übergang über die Spree, nun nicht mehr aus Holz, sondern aus Betonplatten, wieder eröffnet.

Und er sorgte für verwundertes Augenreiben. Denn vielen Stadtverordneten war nicht klar, dass der Denkmalschutz ein gewichtiges Wörtchen mitgesprochen hatte. Er forderte den Blick auf die Konstruktion der ehemaligen Bahnbrücke, die ihm zufolge ein technisches Denkmal sei. Zu sehen sind an einer abgesperrten Stelle im ersten Drittel der Brücke das Gleisbett und eine Schiene. Die Einengung hat zur Folge, dass sich zwei Radfahrer nicht mehr begegnen können. Und auch für Fußgänger wird es eng.

Das hatte für heftige Kritik gesorgt. Diese flammt nun wieder auf, und zwar aus drei Gründen: „Die Darstellung des Gleisbetts ist nicht in Ordnung“, prangert Detlef Brose an. „Niemals fuhr die Spreewaldbahn auf so einer riesengroßen Schiene. Was der Denkmalschutz uns da unter die Weste jubelt, ist für mich unbefriedigend.“ Nicht nur er hätte sich gewünscht, dass der Hinweis auf das Denkmal analog zur Brücke an der Lübbener Jahn-Straße einfach vor oder hinter das Bauwerk gestellt würde. Und zweitens stellt sich die Frage, ob es überhaupt ein Denkmal ist.

Benjamin Kaiser (CDU/Grüne) hat dieses Denkmal bei eigenen Recherchen auf keiner Liste gefunden. Er vermutet nun, dass es sich um einen Einzelbeschluss handelt, der möglicherweise aus DDR-Zeiten stammt und eventuell sogar alle Brücken um Lübben einschließen könnte. „Wenn das so wäre, wäre das ein starkes Stück“, kommentiert er und hat daher eine Anfrage dazu an den Landkreis gestellt. Beantwortet ist sie noch nicht.

Andreas Rieger (CDU/Grüne) bewegt weiterhin, was genau an dem technischen Denkmal denn so besonders wäre. Denn nur, wenn das bekannt ist, können auch entsprechende Entscheidungen getroffen werden, argumentiert er – mit Blick auf Punkt drei.

Nämlich den zweiten Abschnitt der Brückensanierung. Auch dort soll die Holzkonstruktion durch Betonplatten ersetzt werden. Der Landkreis hat dafür erst kürzlich Fördermittel übergeben. Ob auch bei dieser Sanierung der Denkmalschutz ein Wörtchen mitredet, ist noch nicht bekannt.