Kennen gelernt haben sich die jungen Künstler an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin, wo beide in der Abteilung Puppenspiel studierten. Claudia Engel ist in Freiburg geboren und in Göttingen aufgewachsen, Matthias Ludwig verlebte die Kinder- und Schulzeit in Dresden. Bevor ihre Wege sich kreuzten, haben beide bereits gemalt und Theater gespielt. Das Reizvolle am Puppenspiel sei die Vielfalt der Möglichkeiten, schwärmt Claudia Engel. Mal sind die Figuren und Objekte, die unter ihren geschickten Händen entstehen, winzig klein und zart – so wie die Sterntaler-Puppe aus dem aktuellsten Stück. Mal fast lebensgroß wie die Kuh, die im Atelier Besucher staunen lässt.

Nach dem Studium in Berlin ging es zunächst für zwei Jahre an das Figurentheater nach Chemnitz. "Es war eine wichtige Erfahrung, wir konnten uns ausprobieren", sagt Matthias Ludwig. Doch es sei mit der Zeit der Wunsch gewachsen, "unser eigenes Ding zu machen". Vor allem er sei es gewesen, der gern aufs Land wollte, schmunzelt Claudia Engel und erklärt: "Für eine Arbeit wie unsere braucht man Platz. Hier in Gebersdorf haben wir die Möglichkeit, neue Ideen und Projekte umzusetzen."

Landauf, landab hatten sie sich bereits nach einer geeigneten Bleibe umgeschaut, als der Zufall half. In einer Zeitung fand sich ihre Suchanzeige genau über dem passenden Angebot. Hans und Rita Schwarz hatten es aufgegeben. Die ehemaligen Westberliner kauften vor zwei Jahren das marode Gebersdorfer Schloss. Es zu einer Begegnungsstätte für die Kunst zu machen, das war dabei eine der Visionen (die RUNDSCHAU berichtete).

Gleich angetan von den Menschen Als sie den seit Jahren leer stehenden Konsum zum ersten Mal sah, habe sie Phantasie gebraucht, ihn sich als ihre neue Wirkungsstätte vorzustellen, gesteht Claudia Engel offen ein. In den ersten Monaten sei eine Menge Zeit fürs Werkeln draufgegangen. "Die Leute im Dorf haben uns freundlich aufgenommen, sie sind nett und hilfsbereit. Für uns ist das sehr wichtig, um uns wohlzufühlen", erzählt Matthias Ludwig. Auch sei es für sie spannend, wenn die Dorfleute über das Schloss erzählen. "Viele haben noch persönliche Erinnerungen an das Lehrlingswohnheim, das zur DDR-Zeit dort beherbergt war."

Für den neuen Wohnort spreche zudem, dass Städte wie Berlin oder Dresden günstig zu erreichen seien. In der "Schaubude" in der Greifswalder Straße, einer renommierten Puppenbühne in Berlin, sind Claudia Engel und Matthias Ludwig mit ihrem Theater "flunker produktionen" schon des öfteren zu erleben gewesen. So hatte dort das Kuh-Stück seine Premiere und im vergangenen November auch ihr "Sterntaler".

Zu dem bekannten Märchen haben die beiden Theaterleute eine eigene Geschichte geschrieben. Darin ist die Welt ein Baum, in dem ein Reh – dargestellt von Claudia Engel – ein zartes Mädchen findet, das hungert, friert und nicht mehr weiß, wo es hingehört. Seine letzten Sachen verschenkt es, um dann doch noch das Glück zu finden. Nicht nur Großstadtkinder, auch das junge Publikum beim Weihnachtsmarkt 2004 in Dahme und bei einer vorweihnachtlichen Aufführung in Gebersdorf zog das Märchen in neuer Gestalt in seinen Bann.

Wo das Geld bei den Menschen knapp sitzt, wird es für die Kunst nicht leichter, wissen die beiden Freiberufler. "Aber gerade in schwieriger Zeit ist es uns wichtig, die Blicke wieder für anderes als die tagtäglichen Sorgen zu öffnen. Denn mit offenem Blick erweitern sich die eigenen Perspektiven", ist Claudia Engel überzeugt. Diese Erfahrung haben sie selbst gemacht. "Wir arbeiten immer wieder auch mit anderen zusammen, machen bei unterschiedlichsten Projekten mit. Das gibt uns neue Anstöße", unterstreicht Matthias Ludwig.

Kunst auch für die eigene Region "Fernweh" wird ihr nächstes Stück heißen, das sich diesmal an Erwachsene richtet und im Mai uraufgeführt werden soll. "Wir hatten schon seit längerem Lust darauf, mal Objekttheater zu machen. Denn man kann nicht nur Puppen, sondern allen Dingen eine Seele geben", meint Matthias Ludwig.

2005 wollen sich die beiden Neu-Gebersdorfer unter anderem bei Festivals des Puppenspiels vorstellen. Ihre Bühne sehen sie überall dort, wo die Menschen Freude an ihrer Kunst haben. "Gern auch in unserer neuen Wohnheimat, wo wir mit unserem Straßentheater auf dem Höllberghof oder dem Sterntaler schon Freunde gewonnen haben", sagt Claudia Engel.
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Wissenswert: Flunker produktionen

Infos zu den Programmen von Claudia Engel und Matthias Ludwig gibt es unter www.flunkerproduktionen.de und auch direkt bei den Künstlern unter Telefon 035451/94 92 65.
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