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| 17:15 Uhr

Lübben
Kinderbetreuung in Lübbenist für Estland beispielgebend

Eine Delegation aus 24 Kitaleiterinnen und Verantwortlichen in der Kinderbetreuung aus Tartu in Estland hat diese Woche Lübben besucht und sich ein Bild über die Kinderbetreuung in der Spreewaldstadt gemacht.
Eine Delegation aus 24 Kitaleiterinnen und Verantwortlichen in der Kinderbetreuung aus Tartu in Estland hat diese Woche Lübben besucht und sich ein Bild über die Kinderbetreuung in der Spreewaldstadt gemacht. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Lübben. Gegenseitige Sympathie beim Kennenlernen bietet Aussicht auf Vertiefung des Kontakts Von Ingvil Schirling

Wie lösen andere Probleme und Herausforderungen in der Kinderbetreuung? Das wollten entsprechend Verantwortliche der estnischen Stadt Tartu diese Woche in Lübben wissen. Im Fokus standen die Schwerpunkte Integration und Spracherwerb. 34 Direktorinnen der Kindergärten und zwei Männer aus der Bildungsabteilung der knapp 100 000 Einwohner-Stadt machten auf einer Bildungsreise am Donnerstag Halt in Lübben.

Während der Bildungsreise wollten sich die Teilnehmer vor allem mit zwei Themen auseinandersetzen: Frühes Fremdsprachenlernen und Integrationskinder in den Einrichtungen in Deutschland. Außerdem war es ihr Wunsch, einen Kindergarten zu besuchen, um in den Alltag der Betreuung hineinschnuppern zu können.

Vertreterinnnen des Fachbereich Bildung der Lübbener Stadtverwaltung, Erzieherinnen und Jana Liebermann als Vereinsvorsitzender der Kindervereinigung und Leiterin der Kita Gute Laune empfingen sie zunächst im großen Sitzungssaal des Lübbener Rathauses.

Jana Liebermann führte mit einer Präsentation in die Art und Weise ein, wie Kinderbetreuung in Deutschland, Brandenburg und Lübben organisiert ist – und bezog dabei auch die Punkte mit ein, die kritisch gesehen werden. Der Betreuungsschlüssel beispielsweise werde zwar verbessert, sei mit einer Vollzeitkraft für fünf Null- bis Dreijährige und einer für elf Drei- bis Sechsjährige aber immer noch deutlich zu gering. „Es liegt in der Hand der Kindergärten, ihr Personal so zu bestücken, dass die Kinder über den ganzen Tag verteilt betreut sind“, sagte sie. Vor diesem Hintergrund sei in Brandenburg Teilzeit üblich, meist mit 30 Stunden pro Woche. „Damit habe ich mehr Köpfe und Hände und kann Krankheit, Urlaub und Weiterbildung besser auffangen.“

Übersetzt wurde die Präsentation von Deutschlehrerin und Delegationsleiterin Imbi Mesila, die umgekehrt auch die Fragen der Esten ins Deutsche übertrug. Die ließen erahnen, dass die Finanzierung auch in Estland ein großes Thema ist. Die Betreuungsschlüssel unterscheiden sich kaum, ergab ein spontaner Vergleich im Rathaussaal. Demnach kümmert sich auch in Tartu eine Erzieherin beziehungsweise ein Erzieher um fünf Krippenkinder und um zehn bis 12 bei den älteren.

Die Dimensionen sind derweil etwas anders. Tartu ist die Universitätsstadt und zweitgrößte Stadt in Estland. Rund 5000 Kinder leben dort, es gibt 30 Kitas.

Während neben der Finanzierung auch die Personalausstattung bewegte, stand für den Austausch über die Alltagsarbeit das Thema Integration im Vordergrund. Gemeinsam mit Doreen Knopf von der Kita Spreewald und Annett Höltke von der Awo-Kita Sonnenkinder bot Jana Liebermann einen breiten Einblick in die Vielfalt der Lübbener Trägerlandschaft und Angebote. Integration findet überall mit unterschiedlichen Ansätzen und Angeboten statt, hat jedoch einen Schwerpunkt in der Kita des Awo-Regionalverbands Brandenburg-Süd.

110 Plätze gibt es dort insgesamt, davon 19 reine Integrationsplätze für Kinder mit heilpädagogischem Förderbedarf – und die sind heiß begehrt. Die Kita „Sonnenkinder“ hat vier Integrations- und eine Regelgruppe. Bei den unter Dreijährigen arbeiten drei Erzieherinnen und eine Heilpädagogin zusammen, bei den älteren zwei mit einer Heilpädagogin.

Wie das im Alltag funktioniert, schaute sich die estnische Delegation im Anschluss an den Vortrag an. Zuvor wurde beispielhaft deutlich, wie andere der acht Kindereinrichtungen in Lübben auf unterschiedliche Weise Integration ermöglichen und Kinder mit besonderen Bedarfen fördern.

Die „Kita Spreewald“ mit ihren 313 Kindern etwa arbeitet eng mit der AWO-Frühförderstelle zusammen, sagte Doreen Knopf, und verfügt ebenso über Fachkräfte mit heilpädagogischem Abschluss. Kooperationen mit Therapeuten, Logopäden, weiteren Fachleuten und Vereinen sind ebenfalls an der Tagesordnung.

Die Herausforderungen rund um den Spracherwerb bis zur Schulreife machte Jana Liebermann deutlich. Was generell in der Kita nicht geschafft werde, sei zu Schulbeginn nur schwer nachzuholen. In Estland ist dieser erst mit sieben Jahren.

Das erste Kennenlernen verlief unterm Strich sehr zufriedenstellend für beide Seiten. Möglicherweise werden die Kontakte intensiviert, kam als spontane Idee nach gelungenem Vortrag auf.