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Das Rundum-Paket zur Pflege

Viola Pavlik und Annette Lehmann beraten im Lübbener Pflegestützpunkt. Mit zum Team gehört Manuela Noack.
Viola Pavlik und Annette Lehmann beraten im Lübbener Pflegestützpunkt. Mit zum Team gehört Manuela Noack. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Der Lübbener Pflegestützpunkt ist in neue Räume an der Gerichtsstraße gezogen. Sein Angebot trifft einen Nerv. Der Zustrom steigt. Ingvil Schirling

Es kann jeden treffen. Von heute auf morgen. Angehörige werden krank und müssen gepflegt werden. Wie soll das funktionieren mit Beruf, allen Familienmitgliedern, eigenen Bedürfnissen? Wie werden die Kosten gestemmt? Mit solchen und ähnlichen Fragen sind Annette Lehmann, Viola Pavlik und Manuela Noack jeden Tag konfrontiert. Seit ihrem Umzug aus dem Lübbener Rathaus in neue, helle Räume an der Lübbener Gerichtsstraße 8 hat sich der Zustrom von Rat- und Hilfesuchenden noch erhöht. Die jetzt zwei Beratungsbüros sorgen für mehr Effizienz und kürzere Wartezeiten.

Die drei Fachfrauen schreiben Anträge, beraten unabhängig zu Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen, helfen bei Widerspruchs-Formulierungen und vieles mehr. Ihr großer Erfahrungsschatz ermöglicht schnelle Antworten: Eine ältere Dame will wissen, ob sie mit ihrem Schwerbehindertenausweis kostenfrei Bus fahren kann. Ein Blick genügt: Die Behinderung ist zwar mit 90 Prozent ausgewiesen. Hintergrund ist eine Krebserkrankung. Doch die Dame ist sichtlich gut zu Fuß. Eine kostenfreie Nutzung von Bussen gibt es in diesem Fall nicht, schätzen Viola Pavlik und Annette Lehmann mit bedauerndem Kopfschütteln ein.

Immer wieder neu müssen sich die Mitarbeiterinnen im Pflegestützpunkt in veränderte Gegebenheiten hineindenken, um sie den Ratsuchenden korrekt und verständlich vermitteln zu können. Aktuell ist das eine Herausforderung. Seit dem 1. Januar dieses Jahres "orientiert sich die Pflegebedürftigkeit nicht mehr an einem in Minuten gemessenen Hilfebedarf, sondern ausschließlich daran, wie stark die Selbstständigkeit beziehungsweise die Fähigkeiten des Menschen bei der Bewältigung seines Alltags beeinträchtigt sind", informiert Viola Pavlik. Ein Gutachter komme nach Hause, sofern die Pflege dort durchgeführt werden soll, oder ins Heim, wenn eine vollstationäre Pflege beantragt wird.

In diesem Zuge wurden die bisher bekannten Pflegestufen eins bis drei durch fünf Pflegegrade ersetzt. Wie selbstständig die betroffene Person ist, wird an sechs Kriterien gemessen. Dazu gehören die Mobilität (Beweglichkeit), wie gut jemand verstehen und kommunizieren kann sowie - mit Blick auf Demenzerkrankungen - wie sich der Betroffene verhält und ob er dabei psychisch auffällig ist. Außerdem schauen die Gutachter darauf, ob sich jemand noch selbst versorgen kann, wie gut er bei Therapien mitmachen kann und wie er seinen Alltag, seine sozialen Kontakte gestaltet. Die Ergebnisse werden gewichtet.

Leider entfalle die Hauswirtschaft, die bei der Bewertung bisher berücksichtigt wurde, sagt Viola Pavlik. Gut sei aber, dass Hilfsmittel, die der Begutachter für notwendig hält - also zum Beispiel Wannenlifte oder Rollatoren - direkt als Antrag gewertet werden. Dieses Extra-Formular entfalle künftig. "Für alle, die bislang eine Pflegestufe zuerkannt bekommen haben, erfolgte die Umwandlung in einen entsprechenden Pflegegrad automatisch", so der Pflegestützpunkt.

Ganz wichtig ist Viola Pavlik und Annette Lehmann ihre Netzwerk-Aufgabe. Sie halten gemeinsam mit Manuela Noack mit einer Fülle von Einrichtungen, Ärzten, Pflegestationen oder Krankenhäusern Kontakt. Damit kennen sie aktuelle Entwicklungen und können Angebote direkt an die Ratsuchenden weitergeben. So wird ein Rundum-Paket für jeden Einzelfall geschnürt.

Zum Thema:
Die Beraterinnen sind dienstags von 9 bis 12 und 13 bis 18 Uhr im Pflegestützpunkt anzutreffen, mittwochs von 9 bis 14 Uhr und donnerstags von 9 bis 12 und 13 bis 15 Uhr. Telefonisch sind sie unter 03546 1751110 oder 1751111 zu erreichen.