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"Das ist ja besser als im Fernsehen"

Orchester, Chor und Ballett des Sorbischen Nationalensembles begeisterten mit der diamantenen Vogelhochzeit am Sonntag in Neu Zauche.
Orchester, Chor und Ballett des Sorbischen Nationalensembles begeisterten mit der diamantenen Vogelhochzeit am Sonntag in Neu Zauche. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Neu Zauche. Das Sorbische Nationalensemble war im Gasthaus "Zum Oberspreewald" in Neu Zauche (Lieberose-Oberspreewald) zu Gast. Es feierte die diamantene Vogelhochzeit. Andreas Staindl/asd1

"Bravo, Bravo." Das Publikum war begeistert. Es hatte gerade 100 Minuten feinste Unterhaltung erlebt. Singen, Tanzen, Spielen. Auf der Bühne ging die Post ab. Die Mitglieder des Sorbischen Nationalensembles präsentierten das Beste aus 60 Jahren Vogelhochzeit. Die diamantene Vogelhochzeit war quasi ein Kessel Buntes, gewürzt mit einem intensiven Blick in sorbische Traditionen und Bräuche. Tanz und Gesang gehören unbedingt dazu, auch guter Wein. Doch wehe man trinkt einen über den Durst. Als der Krug bis auf den letzten Tropfen geleert war, hat es einen der jungen Männer die Beine weggehauen. Plumps, da lag er auch schon am Boden. Sehr zur Freude der Besucher, die den kleinen Spaß dankbar annahmen.

Jede der gespielten Szenen hatte ihren Reiz. Das Hochzeitsmahl war eine davon. Was wurde da nicht alles aufgetischt. Auf der Speisekarte standen etwa Fisch, Brot, Burger, Torte, Pizza und Obst. Wer soll das nur alles essen?

Der bekannte sorbische Schauspieler Jurij Schiemann gab sich alle Mühe. Klar, festlich Speisen gehört zu einer Hochzeit unbedingt dazu. Schiemann schlüpfte in verschiedene Rollen. Er war auch der Hochzeitsbitter und der forschende Professor während des unterhaltsamen Nachmittags. Dass es sogar einen Fernseher nur für Sorben gibt, war eine der Überraschungen. Wie praktisch, so ein Sorben-Fernsehgerät. Einfach umschalten, und schon erscheinen die Darsteller hinter der Mattscheibe in sorbischer Tracht. Funktioniert super, wie die Gäste im Saal sehen konnten - wenn man nicht versehentlich auf den FKK-Kanal - den Sender für Freikörperkultur schaltet.

Eine diamantene Vogelhochzeit ist schon unterhaltsam. Selbst die Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte. Ob ihr Telegramm echt war? Man weiß es nicht so genau, und es ist auch nicht so wichtig. Das Sorbische Nationalensemble brannte ein Feuerwerk vom Feinsten ab. Amüsant, professionell, künstlerisch anspruchsvoll, kurzweilig. Mitreißende Tänze, humorvolle Sketche, beliebte Lieder. Die Zuschauer waren begeistert. Einige verkündeten lautstark, was sie vom Programm hielten: "Das ist ja besser als im Fernsehen."

Der heftige Applaus für die Akteure auf der Bühne war deutlicher Beweis, wie sehr den Gästen die diamantene Vogelhochzeit gefallen hat. Die Besucher konnten sich zwei Zugaben erklatschen und damit das große Finale um einige Minuten verlängern. Viele von ihnen verfolgten die Aufführung mit Kopfhörern auf den Ohren. So hörten sie dank Übersetzer die Texte in deutscher Sprache. Das Programm wurde ausschließlich auf sorbisch präsentiert. Ein Problem war das nicht.

Die Lebensfreude der Sorben, ihre Traditionen und Bräuche waren trotz Sprachbarriere bestens zu erkennen. Akteure und Zuschauer sorgten mit einem gemeinsamen Gesang zum Abschluss für einen emotionalen Höhepunkt.

Zum Thema:
Das Sorbische Nationalensemble führt die Vogelhochzeit seit 1957 auf. Der Brauch der Vogelhochzeit reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Er war ursprünglich nur auf Kinder ausgerichtet. Sie sollten zu Freunden und Beschützern der Vögel erzogen werden. Später entwickelte sich die Vogelhochzeit zu einem zentralen Volksfest der Sorben.Weitere Aufführungs-Termine im Internet: www.sne-bautzen.de