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| 17:55 Uhr

Risiko lange gebannt
„Das Hochwasserrisiko hat den Spreewald lange Zeit in Atem gehalten“

 Der Bau des Süddeiches zum Hochwasserschutz im Spreewald erfolgte 1933 ohne große Technik.
Der Bau des Süddeiches zum Hochwasserschutz im Spreewald erfolgte 1933 ohne große Technik. FOTO: privat
Lübben. Franz Richter präsentiert dem Lübbener Heimatverein die Historie des Hochwasserschutzes im Spreewald. Von Theres Philip

 Wie ein liebendes Paar sind der Spreewald und sein Wasser untrennbar miteinander verbunden. Nicht nur die Landschaft der nördlichen Lausitz, sondern auch die kulturellen Traditionen im Spreewald sind durch das fließende Element der Spree geprägt.

Dass allerdings nicht nur Glanzzeiten dieser Verbindung existieren, weiß auch Franz Richter vom Lübbener Heimatverein zu berichten. „Das Hochwasserrisiko hat den Spreewald lange Zeit in Atem gehalten“, heißt es vom ehemaligen Sachgebietsleiter der unteren Wasserbehörde. So wurden allein vom Ende des 19. bis in das 20. Jahrhundert hinein insgesamt 124 Hochwasser beobachtet, woraufhin der Spreewald zu einem Notstandsgebiet erklärt wurde.

Um das Gebiet von seinem Spreehochwasser zu befreien, den Grundwasserspiegel zu senken und die Wasserstände zu regulieren, wurde vor mehr als 80 Jahren damit begonnen, 1400 Hektar des Spreewaldes einzudeichen. In diesem Zusammenhang wurde 1933 der erste Spatenstich zum Bau des Süddeiches gesetzt, der auch heute noch von Steinkirchen (Lübben) bis Lübbenau reicht.

Im Zuge des Reichsarbeiterdienstes (RAD) wurden zu Beginn der Deicherrichtung insgesamt rund 400 Erwerbslose für die Arbeiten herangezogen. Die damalige Entlohnung betrug 21 Reichsmark, von denen jedoch nur drei Reichsmark an die Arbeiter ausgezahlt wurden. Der restliche Anteil war für Lebensmittel, Unterbringung etc. vorgesehen. Eine Widersetzung gegen diesen Dienst ging für die Erwerbslosen mit der Streichung ihrer Sozialleistungen einher.

Nur drei Jahre nach Baubeginn konnte mit der Fertigstellung des Schöpfwerkbau in Steinkirchen der südliche Hauptdeich entlang der Spree (12 Kilometer) sowie die Nebendeiche (9 Kilometer) vollendet werden.

„Der Sand für den Süddeich stammt tatsächlich aus der Spree“, erklärt Richter. Der Fluss habe ein so niedriges Gefälle, dass er regelmäßig abgetragen werden müsse. Der daraus hervorgehende Sand hatte dementsprechend gleich eine Verwendung. ­

Mit der Fertigstellung der Eindeichung gingen auch neue Bewirtschaftungsmöglichkeiten einher, die aufgrund der Hochwasserhäufigkeit zuvor nicht gegeben waren. Zu diesem Zweck fand ein Grünland-
umbruch statt. Außerdem wurden neue Grabensysteme, Stauanlagen und Wirtschaftswege angelegt. Daraufhin konnte die gewonnene Fläche für den Flachsanbau genutzt werden, für den der Spreewald noch heute bekannt ist.

In den letzten Jahrzehnten mussten der Deich und die Schöpfwerke jedoch immer wieder ausgebessert oder erneuert werden. So wurde die Deichkrone 1995 bis 1996 im Bereich des Schöpfwerks Steinkirchen (Lübben) bis zur Ragower Kahnfahrt (Lübbenau) um circa 15 Zentimeter erhöht. Außerdem wurde dieser Teil des Süddeichs auf der Landseite auf zwei Meter erweitert sowie die Böschung verstärkt. 2005 wurde die Deichkrone asphaltiert und ist nun Bestandteil des bei Radlern beliebten Gurkenradweges durch den Spreewald.