Von Ingvil Schirling

Deko-Queen und Tortenkönigin, Mutter der Kompanie, Hüterin und Bewahrerin von Spitzenwäsche, Brauerin von Bowle und Kümmel, Lebensretterin, Chauffeurin, Organisatorin, Plinsebäckerin, Kinderherzenglücklichmacherin, starke Frau und loyale Mitarbeiterin – die RUNDSCHAU-Aktion „Blumen zum Frauentag“ hat am Freitag wieder die ganze Bandbreite gesellschaftlich-weiblichen Engagements aufgezeigt. Die lokale Tageszeitung ruft seit mehr als zehn Jahren ihre Leser auf, Vorschläge dazu einzureichen. Diese ließen sich wie gewohnt richtig was einfallen. Das Ergebnis ist diesmal besonders, denn dank einer findigen Ärztin aus Straupitz durften anno 2019 gleich zwölf wunderbare Frauen mit acht Blumensträußen geehrt werden.

Gebunden hatte sie im zweiten Jahre in Folge Eric Kuckei mit seinem Team Annett Ogasa und Heidrun Ullrich. Der Inhaber des Lübbener Blumengeschäfts Bluming Inn sah selbst ein wenig aus wie ein Inbegriff des Frauentags, als er vier der acht Sträuße auf einmal zum Auto der LR-Redakteurin schleppte, die sie im Auftrag der Lesenden an die Frau brachte. Und obwohl die Sträuße alle in den gleichen geschmackvollen zartrosa Tönen glänzten, wurden sie doch zum Zeichen der Dankbarkeit für vielfältiges Einbringen, im Großen und im Kleinen.

Da wäre zum Beispiel Anita Laurisch aus Radensdorf, die dort Ferienwohnungen vermietet und gerade auf einen Mann wartete, der nach dem Brand an der Lübbener Bergstraße vorübergehend bei ihr untergebracht werden sollte. Die „Seniorenbeauftragte“ des Lübbener Ortsteils engagiert sich davon abgesehen für den Seniorentreff, Fahrdienste und Ausflüge.

Die Straupitzerin Hannelore Matschke fand vor längerer Zeit den Mann von Ingrid Walter im benachbarten Garten – er hatte mehrere Schlaganfälle. Seither sind die Familien sehr zusammengerückt; Hannelore Matschke „ist immer für uns da“ und „nicht mehr wegzudenken“, sagt Ingrid Walter.

Die Straupitzerin hat vor vielen Jahren den Kornspeicher ins Leben geholt, ist Initiatorin der umfangreichen Ausstellung, „Deko-Queen“ und „Mutter der Kompanie“, wie Ärztin Simone Seeliger sie mit Margot Böttcher, Hildegard Groß und Gundula Schmidt liebevoll nennt. Die vier Frauen sorgen dafür, dass es im Kornspeicher nie langweilig wird, die Spitzenwäsche leuchtet, für Leib und Seele, Geist und Herz gesorgt ist.

Gitti (Mariechen) Mehner dürfte durchaus auch den Titel der „Tortenkönigin von Neu Zauche“ tragen, wenn es nach Birgit Krischkowski geht. Nach deren Mutter nämlich schaut Gitti zuverlässig, füttert die Hühner, backt Plinse und genannte Konditor-Träume und „zaubert die tollsten Pommes“ bei Festen der Freiwilligen Feuerwehr, weswegen sie es „mehr als verdient hat, dass man mal herzlich ,Danke, liebe Gitti’ sagt“, schrieb Birgit Krischkowski.

Die 16-jährige Vivien Westphal überraschte mit dem Vorschlag, „die tollste, liebenswerteste, aufrichtigste, toleranteste und stärkste Frau“ zu ehren, „die ich kenne“ – ihre Mutter Isabell Westphal. Diese wiederum ist der LR wohlbekannt, weil sie selbst seit Jahren Frauen für die Blumen-Aktion vorschlägt. Die Mutter von drei Kindern, die derzeit neben der Arbeit noch eine Ausbildung macht, hatte nun selbst Tränen in den Augen, als sie den Strauß entgegennahm.

Vorgeschlagen hatte sie wiederum Katrin Hönow, die als Erzieherin an der evangelischen Grundschule „täglich Kinderherzen glücklich macht“.

Ganz ernst und doch sehr berührt war Danny Sklomeit. Der Chef der SKL-Elektro- und Küchenland GmbH hatte seine Mitarbeiterin Christa Scheppan vorgeschlagen. Seit 22 Jahren arbeite sie loyal, zuverlässig und kompetent mit. „Als gute Seele unseres Hauses behält sie in stressigen Situationen die Ruhe und beeindruckt durch ihr freundliches und bescheidenes Wesen“, schrieb er. Der Abschied in den Ruhestand dürfte schwer fallen, ist aber natürlich wohlverdient.

Unverzichtbar ist eigentlich auch Gretel Schütze für die Senioren von Rietzneuendorf, die rundum engagiert zum Dorfleben beiträgt. „In ihrer herzlichen Art ist sie immer gern gesehen, wenn sie im Auftrag der Gemeinde den Senioren mit einem kleinen Präsent zum Geburtstag gratuliert“, schrieb Ortsvorsteherin Angelika Naumann. Eine von zwölf Herzdamen also, die immer, zum Frauentags-Anlass aber ganz besonders wissen dürfen: Ihr Engagement mag selbstverständlich scheinen und macht die Welt doch so viel besser.