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| 14:21 Uhr

Bildung
LDS will Erzieher ausbilden

Kinder lassen sich schminken. Aktionen wie das beliebte „Fest der Familie“ der Kindervereinigung „Gute Laune“ in Lübben, aber auch eine gute Alltagsbetreuung in Kitas sind nur möglich, wenn es genügend Erzieher gibt. Um das sicherzustellen, wird im Landkreis Dahme-Spreewald über eine eigene Ausbildung nachgedacht.
Kinder lassen sich schminken. Aktionen wie das beliebte „Fest der Familie“ der Kindervereinigung „Gute Laune“ in Lübben, aber auch eine gute Alltagsbetreuung in Kitas sind nur möglich, wenn es genügend Erzieher gibt. Um das sicherzustellen, wird im Landkreis Dahme-Spreewald über eine eigene Ausbildung nachgedacht. FOTO: Andreas Staindl
Lübben/Luckau/Lübbenau. Kreistag und Verwaltung strecken Fühler aus. Zunächst soll der Bedarf geprüft werden. Von Ingvil Schirling

Allerorten wird über Erziehermangel geklagt – nun will der Landkreis Dahme-Spreewald etwas dagegen unternehmen. In einem ersten Schritt will die Verwaltung den tatsächlichen Bedarf prüfen. Auf dieser Basis soll dann entschieden werden, ob eine eigene Ausbildungs- beziehungsweise Studienrichtung für den Erzieherberuf in Dahme-Spreewald gegründet werden kann.

Der Vorschlag kommt von Martin Wille aus der SPD-Fraktion des Kreistages. Er hatte dazu eine entsprechende Anfrage gestellt, die beim jüngsten Kreistag Thema wurde.

Eine solche Gründung sei „grundsätzlich vorstellbar“, heißt es in der Stellungnahme der Kreisverwaltung zu der Anfrage. Allerdings bedürfe es zunächst einer „validen Datenerhebung, um den in der öffentlichen Debatte konstatierten Fachkräftemangel für den Landkreis Dahme-Spreewald zu beziffern und so die bedarfsgerechte Gründung einer entsprechenden Ausbildungseinrichtung zu gewährleisten“. Wenn der entsprechende Bedarf festgestellt sei, heißt es weiter, sei der Landkreis laut Brandenburgischem Schulgesetz sogar verpflichtet, „ein kosten- und konfessionsfreies Bildungsangebot zu etablieren“.

Martin Wille hatte sich danach erkundigt, ob eine solche „Bildungseinrichtung“ als neuer Fachbereich an der TH Wildau geschaffen werden könnte. Möglich wäre das, doch dann müssten mehrere soziale Studiengänge angeboten werden, um die erforderlichen Dozenten und Lehrbeauftragten sicherstellen zu können, antwortet die Verwaltung darauf. Eine andere Möglichkeit wäre, einen Bildungsgang für Sozialwesen als Teil des Oberstufenzentrums zu etablieren.

Ein Gespräch mit dem Leiter des Oberstufenzentrums sei bereits geführt worden, sagte die zuständige Dezernentin Susanne Rieckhof (SPD). Dieser wolle „nach den Sommerferien an die Schulen gehen, um die Werbetrommel zu schlagen – vorbehaltlich eines Kreistagsbeschlusses, der dann noch zu fassen wäre“, sagte sie.

Favorisiert wird demnach, eine solche Ausbildung ans Oberstufenzentrum anzubinden. „Aus schulplanerischer Sicht sollte, wenn die erforderlichen Kapazitäten zur Verfügung stehen, eine Erzieherausbildung am Oberstufenzentrum angegliedert werden“, heißt es aus Verwaltungssicht. Auch mit dem Brandenburgischen Bildungsministerium sei gesprochen worden, so Rieckhof weiter. Wenn Zahlen und eine „valide Prognose bezüglich der Schülerzahlen vorliegen würden“, sagte sie, stehe man dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber.

Wille hoffte daraufhin, „dass bei den anstehenden Umfragen ein ordentliches Tempo vorgelegt wird. Das liest sich recht gemütlich“, kommentierte er die Antwort der Verwaltung.

Es könne doch mittels einer telefonischen Umfrage bei den Kitaträgern innerhalb von 48 Stunden festgestellt werden, wie groß der Bedarf ist. „Ich bitte um Tempo, damit die nächsten Schritte zügig eingeleitet werden können.“

Ähnlich sehen es Tina Fischer und Sylvia Lehmann (beide SPD) in einer Pressemitteilung. Dass Erzieher fehlen, sei „nun wahrlich kein neues Problem“, werde aber immer drängender.

Kreistagsmitglied und Landtagsabgeordnete Tina Fischer hatte eigenen Angaben zufolge bereits mit Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher (SPD) gesprochen und bestätigt: „Wenn wir vor Ort den Bedarf an Erziehern nachweisen können, ist es für uns als Landkreis möglich, eine eigene Erzieherausbildung am kreiseigenen Oberstufenzentrum zu organisieren. Und da der Bedarf ja zweifelsfrei da ist, sollten wir nun keine Zeit verlieren.“

Karin Weber (Die Linke) gab allerdings während der kurzen Diskussion im Kreistag zu bedenken, „dass die AWO Südbrandenburg ein derartiges Bildungsangebot in Lübbenau vorhält. 60 Prozent der Teilnehmer kommen aus Dahme-Spreewald.“ Sie mahnte: „Wir sollten zumindest mit dem Verband in Kontakt treten. Nicht, dass wir mit ihm in Konkurrenz kommen und mit einer neuen Einrichtung eine bestehende kaputt machen“, warnte sie.