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| 02:42 Uhr

Dahme-Spreewald: Preise für Bauland steigen dramatisch

Lübben/Luckau. Die Kurve für die Baulandpreise im Dahme-Spreewald-Kreis zeigt weiterhin nur in eine Richtung: steil nach oben. Berliner Preise bewegen sich entlang der Autobahn und Bahnanschlüsse südwärts. Doch wer von Infrastruktur abgehängt ist, bekommt davon nichts mit. Ingvil Schirling

Das hätte Jürgen Kuse nicht erwartet, zumindest nicht in dieser Form. Der Leiter des Kataster- und Vermessungsamtes in Dahme-Spreewald brachte den Kreistagsabgeordneten im Bau- und Umweltausschuss am Montag die fast noch taufrischen Ergebnisse mit. Am 27. Januar hatte der Gutachterausschuss über der Auswertung von 2850 Kaufverträgen aus dem Jahr 2015 gesessen. Darunter waren 700 unbebaute Grundstücke für das "klassische" Einfamilienhaus. Die Daten ergeben am Ende die aktuellen Bodenrichtwerte, die in einigen Wochen auch im Internet abrufbar sein werden.

421 Bodenrichtwerte gibt es im Landkreis Dahme-Spreewald, davon sind im Jahr 2015 exakt 114 gestiegen, und zwar um durchschnittlich 20 Prozent. "Das haben wir in 25 Jahren nicht gehabt", kommentierte Kuse die Entwicklung. Seit 2011 entwickelt sich die Kurve zwar nach oben. 2015 aber wurde dieser Prozess rasant. Nur vier Bodenrichtwerte sanken. "Das ist fast gar nichts", so Kuse.

Lübben und Luckau gehören dabei weniger zu den großen Gewinnern des kräftigen Anziehens am Markt. Im Sanierungsgebiet Lübben, direkt am Marktplatz, liegt der Bodenrichtwert bei 95 Euro pro Quadratmeter. Grundstücke für reines Wohnen, beispielsweise im Norden, an der Kleinbahn- oder Berliner Straße, sind für 60 Euro je Quadratmeter zu haben. Dieses Niveau, schätzt Kuse ein, ist etwa gleich geblieben bei einer "ruhigen Entwicklung" im vergangenen Jahr.

Luckau hingegen kann bei den Wohnstandorten einen Anstieg verzeichnen, der sich von 30 auf 35 Euro pro Quadratmeter bewegt hat. Im Zentrum liegt der Preis gleichbleibend bei 40 Quadratmetern.

Auf einem ganz anderen Niveau bewegt sich hingegen der Norden des Landkreises. "Spitzenlagen liegen deutlich über 200 Euro pro Quadratmeter", so Jürgen Kuse. Verkäufer in Großziethen oder Schönefeld können durchaus 220 bis 240 Euro pro Quadratmeter aufrufen. Seegrundstücke in Zeuthen bewegen sich bei 290 Euro. Kuse spricht von Preissteigerungen, die 2015 bei bis zu 60 Prozent lagen. Das macht allerdings in dieser Ausgangslage deutlich mehr aus als bei Randlage-Dörfern im Süden, wenn deren Niveau von fünf auf acht Euro pro Quadratmeter klettert.

Auch die Preise in der Land- und Forstwirtschaft sind nach wie vor auf einem Höhenflug. Plus 18 Prozent Steigerung können Ackerflächen im Durchschnitt verzeichnen, elf Prozent das Grünland, drei Prozent die Forst.

Dennoch: Unterm Strich bleibt Dahme-Spreewald in Brandenburg immer noch im unteren Bereich, liegt bundesweit bei den Schlusslichtern, ordnete der Amtsleiter weiter ein. "Wenn jemand aus Frankfurt/Main im Norden ein Grundstück auf Basis von 220 Euro je Quadratmeter angeboten bekommt, ruft er bei uns an und fragt, wo der Haken ist", erzählt er ein Beispiel aus der Arbeit.

Zwei Faktoren macht Kuse, das wurde im Bauausschuss sehr deutlich, für die Entwicklung verantwortlich. Da ist erstens der demografische Wandel, der Menschen in Städte und Stadtnähe zieht. "Da, wo Leute hinziehen, steigt die Nachfrage, steigen die Preise", führt er die Entwicklung auf das Grundgesetz des Marktes zurück. Zweitens: die Infrastruktur. Wo sie stimmt, ziehen die Menschen hin, und so profitieren zunehmend Regionen, die nicht mehr in direkter Berlinnähe liegen, von der Entwicklung. Groß Köris und Teupitz gehören beispielsweise dazu. Neben der Autobahn seien vor allem Bahnanschluss und die Frequenz der Züge entscheidend.

Die gute Infrastruktur scheint in der Flughafenregion Schönefeld teilweise sogar die Lärmbelastung zu überlagern. Auch dort waren - von wenigen Ausnahmen abgesehen - Zuwächse zu verzeichnen.