Auf Nachfrage von Thomas Irmer (SPD/Grüne, Bestensee)stellte sich heraus, dass der Sozialpsychiatrische Dienst 2014 genau 35 Klienten mit Crystal-Meth-bedingten psychischen Auffälligkeiten betreute. Das ist gegenüber der Gesamtzahl von 1711 Hilfesuchenden im Vorjahr eine Minderheit, "aber 35 Fälle sind 35 zu viel bei einer Droge, die wir noch gar nicht so kennen", kommentierte Kerstin Rubenbauer (Die Linke, Bestensee). Claudia Madeja sprach von einer Zunahme dieser Zahl. Beobachtet wird, dass sie im Süden des Landkreises - vermutlich bedingt durch die größere Nähe zu Produktionsorten in Polen oder Tschechien - deutlich häufiger konsumiert wird als weiter im Norden. Die Betroffenen seien allerdings schwer zu beraten. Das bestätigte Dr. Astrid Schumann als Leiterin des Gesundheitsamtes. "Es ist eine Modedroge, die uns ein paar Jahre beschäftigen wird, und dann kommt die nächste. Wichtig ist es, bei Kindern und Jugendlichen eine gute Prävention zu machen", so die Ärztin.

Crystal Meth ist eine synthetisch hergestellte Droge, die gegen Müdigkeit und Schlafbedürfnis wirkt, Euphorie verursacht und die Leistungsfähigkeit steigert. Sie macht rasch abhängig und führt schließlich zu psychischen Auffälligkeiten wie beständig wiederholten Handlungen, Konzentrationsmangel oder Schlafstörungen. Nicht selten treten Halluzinationen oder Wahnvorstellungen auf.

Die Betreuung Crystal-Meth-Süchtiger ist allerdings kein Schwerpunkt in der Arbeit des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Dahme-Spreewald-Kreis. Er verstehe sich grundsätzlich als "Pförtner mit Scharnierfunktion", ordnete LDS-Sozialdezernent Carsten Saß (CDU) ein. In der Regel geht es darum, den Erstkontakt mit einem Betroffenen persönlich oder telefonisch aufzunehmen und von der Zielstellung her in der Krise so zu intervenieren, dass die Einweisung in die geschlossene Psychiatrie vermieden werden kann. Stattdessen möchte der Dienst die Betroffenen so unterstützen, dass sie im eigenen Umfeld bleiben können und Hilfestellung von Fachleuten in Anspruch nehmen.

Etwa 14 Prozent der Frauen und Männer, die sich beim sozialpsychiatrischen Dienst melden, möchten anonym beraten werden. 2014 führte dieser 4252 Beratungen durch, der größere Teil davon im Amt, der kleiner Zuhause. Mehr als 11 000 Telefonate wurden erfasst.

Problematisch gestaltet sich derzeit die Besetzung. Denn die bisherige Ärztin, die als Fachärztin für Psychiatrie auch die Diagnosen stellte, lässt sich in Nord-LDS in eigener Praxis nieder. Bei der derzeitigen Übergangslösung steht Assistenzarzt Dr. Peter Tinnemann, in Ausbildung zum Facharzt für öffentliches Gesundheitswesen, nur an zwei Tagen in der Woche zur Verfügung, was zu Engpässen führt. Dr. Astrid Schumann hofft, "dass wir die Stelle wieder mit einem Facharzt besetzen können".