ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 04:09 Uhr

Chancen für die regionale Wirtschaft

Mittelständische Unternehmen aus Südbrandenburg haben weiterhin gute Chancen Aufträge für den Bau des neuen Hauptstadtflughafens BBI in Schönefeld zu bekommen. Das erklärte Jens Krause von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus am Mittwochabend in Lübben auf Einladung des Cottbuser Rotary Clubs im Schlossrestaurant. "Die Lose werden immer kleiner", bestätigte er. Zudem seien die Generalunternehmen durch eine Mittelstandsklausel verpflichtet, sich Partner in der Region zu suchen. Gute Beispiele gebe es längst. Von Peggy Kompalla

So planen die Luckauer Hyder Voigt Ingenieure derzeit die Sekundärstraßen für den Flughafen, die die Funktionsgebäude auf dem Airportgelände verbinden. Zuvor hatten die Planer bereits die gesamte unterirdische Regenwasserableitung und -speicherung für das Areal umgesetzt. Auch für die Wasserreinigung haben die Ingenieure das Projekt entwickelt. Noch bevor die Kräne aufgestellt werden konnten, beräumte der Lübbener Betrieb Garten- und Landschaftsbau - Baumdienst Reinhardt Feind e.K. mit seinen Mitarbeitern das Baufeld. "Wir haben rund 35 Hektar Wald gerodet und noch zusätzlich 10 000 Bäume an Einzelstandorten gefällt", erklärte Frank Lessig von der Lübbener Firma. Von Oktober 2006 bis März 2007 sei das Unternehmen damals vor Ort gewesen. "Das hat uns in der über den Jahreswechsel sonst eher schwächeren Zeit viel Arbeit verschafft", sagte Lessig. Seiner Erfahrung nach werde bei dem BBI-Bau sehr viel Wert auf die Einbindung der regionalen Wirtschaft gelegt. "Wir sind damals über Kontakte der Ausschreiber an den Auftrag gekommen", so Lessig. Zu dem Zeitpunkt habe sich das BBI-Bieterverzeichnis noch im Aufbau befunden.

800 regionale Firmen gelistetHeute sind in der Liste nach Angaben von IHK-Mann Jens Krause mehr als 800 regionale Firmen mit Beschreibungen ihrer Leistungen eingetragen. Anhand des Verzeichnisses würden sich Generalunternehmer bei den Ausschreibungen an die Firmen wenden. Das funktioniere ähnlich wie eine Kontaktbörse. "Das ist ein hervorragendes Instrument, um an Aufträge zu kommen", erklärte Krause. Auch wenn bereits die Hälfte der Vorhaben auf der Großbaustelle realisiert seien, gebe es bis zur Eröffnung des Flughafens im November 2011 noch jede Menge Arbeit - "und Chancen für regionale Unternehmen", wie er betonte.

So seien bislang 71 Prozent der Aufträge mit einem Gesamtvolumen von rund 800 Millionen Euro an regionale Unternehmen vergeben worden. Ein Drittel sei an Brandenburger Firmen gegangen und zwei Drittel an Berliner. "Bislang haben insgesamt 200 regionale Firmen am Flughafen gearbeitet", sagte Krause und fügte an: "Es lohnt sich auch jetzt noch aktiv zu werden." Die aktuellste EU-weite Ausschreibung sei der Bau eines Feuerwehrgebäudes. Zu finden seien die Angebote im Internet unter www.berlin-airport.de unter den Links Hauptstadt-Airport BBI und Vergaben. "Wenn man sich dort informiert, dann weiß man, was gerade läuft", so Krause. Regionale Firmen seien auch deshalb im Vorteil, weil sie die folgenden Dienstleistungen viel besser bedienen könnten. Zudem habe sich in den vergangenen Jahren herausgestellt, dass je weniger Bieter es gebe, der Preis um so höher gehe. "Deshalb ist eine klare Tendenz zu kleineren Losen zu verzeichnen", betonte Krause.

Im kommenden Jahr stehen laut IHK folgende Arbeiten auf dem Flughafenareal an: Abschluss des Rohbaus und Beginn des Ausbaus mit Fassade und Dach für den Terminal, Baubeginn für den Hauptterminalring sowie umfangreiche Arbeiten an der Ver- und Entsorgung.

Langfristige EntwicklungenAber auch langfristig biete der Hauptstadtflughafen Entwicklungschancen für die Region. So prognostiziert die IHK, dass bis zum Jahr 2012 insgesamt rund 73 000 Arbeitsplätze am Standort Schönefeld entstehen werden. Großinvestoren wie das Logistikunternehmen Dachser, die Deutsche Post, die Hotelkette Holiday Inn oder der Energiekonzern Eon wollen sich demnach im Airport-Umfeld ansiedeln. Weitere sollen folgen.

Das bringt nach Ansicht von LDS-Landrat Stephan Loge (SPD) auch Schwung in den Süden des Landkreises. "Es werden sich 25 000 Menschen, die Arbeit in Schönefeld haben, im Landkreis ansiedeln", erklärte er am Rande der ersten Tourismuskonferenz am Montag. "Denen ist es egal, ob sie 50 Kilometer zur Arbeit fahren müssen, solange das Wohnumfeld stimmt", betonte er. Dabei könne die Region punkten.

Auch in Bezug auf den Tourismus erwartet Loge mit der Eröffnung des Hauptstadtflughafens einen Schub. Denn nach Angaben des BBI werden mit der Inbetriebnahme des Flughafens jährlich 22 bis 25 Millionen Passagiere erwartet. Um von diesem Besucheraufkommen auch ein ordentliches Stück anstatt nur die Krümel abzubekommen, müsse sich die Spreewaldregion jedoch strategisch neu aufstellen und unter einen Dachmarke europaweit vermarkten, wie Stephan Loge betonte (die RUNDSCHAU berichtete). Ein großer Schritt in diese Richtung ist dabei die Vereinbarung vom Montagabend der Südbrandenburger Landkreise und der Stadt Cottbus unter dem Namen "Energieregion Lausitz-Spreewald" eine GmbH zu gründen.

Im Sommer soll die Gesellschaft voll arbeitsfähig sein und das "Produkt Lausitz" vermarkten.