Von Ingvil Schirling

Der Boden ist noch immer fruchtbar in dem Garten, der einst einem Defa-Star gehörte. Camilla Horn kaufte sich das Gehöft am Weinberg anno 1933, nutzte es als stille Zuflucht vom Trubel des Films, verkaufte Gemüse und Obst auf dem Markt. Mit dem Verkauf 1939 nahm die wechselvolle Geschichte des Hauses neue Wendungen bis hin zum Jugendwerkhof und Obdachlosenheim der jüngeren Zeit. So still und verlassen es am Rande des Lübbener Weinbergs zu liegen scheint, so hartnäckig wird in der Lübbener Stadtpolitik immer wieder seine Zukunft diskutiert. Mit Beginn der neuen Wahlperiode nahm Pro Lübben einen neuen Anlauf. Diese Woche liegt den Fachausschüssen der Antrag vor, zunächst einmal ganz allgemein zu prüfen, welche Möglichkeiten der Nachnutzung es gibt. Damit soll Bürgermeister Lars Kolan (SPD) beauftragt werden.

Hintergrund ist, dass das Objekt zwar leersteht und weitgehend gesichert ist. Für die Sicherung und Unterhaltung ist der Fachbereich Gebäudemanagement in der Stadtverwaltung zuständig, bestätigte diese. Doch was nicht genutzt wird, verfällt – und deshalb will Pro Lübben weitere Überlegungen zur Zukunft des Gehöfts anstoßen.

Wichtiger Hintergrund ist auch, dass erste Verkaufsabsichten von der Stadt an die Lübbener Wohnungsbaugesellschaft LWG vor mehreren Jahren daran scheiterten, dass die damals favorisierte Umgehungsstraßentrasse direkt am Gehöft vorbeigeführt hätten. Nun wird eine andere Streckenführung bevorzugt, die etwas weiter entfernt verläuft. Ausgehend von dieser Veränderung drängt Pro Lübben darauf, sich Gedanken über die künftige Nutzung des Ensembles zu machen.

Im Finanzausschuss einigte man sich aber darauf, sich zunächst  nochmals mit der Geschichte und Chronologie des Gehöfts auseinanderzusetzen, ehe man in den weiteren Entscheidungsprozess geht. Reinhard Krüger (Die Linke) favorisierte „keine Entscheidung, so lange es keine endgültige Sicherheit über den Trassenverlauf der geplanten Umgehung gibt“. Ähnlich sahen es andere Abgeordnete. Empfohlen wurde auch, im Zusammenhang mit der Zukunft des Gehöfts Kontakt mit den Stadt- und Überlandwerken (SÜW) aufzunehmen, für die der Ort eine Rolle in der Wasserversorgung spielt.

Martin Kunze zog als Teil der Pro-Lübben-Fraktion am Ende der Diskussion die Vorlage zurück und kündigte an, sie wieder auf den Tisch zu bringen, wenn „die Chronologie da ist“ – sprich Zeit war, sich mit der bewegten Geschichte des Gehöfts nochmals auseinanderzusetzen.

Begehrt ist das Ensemble ohnehin. Hartmut Wedekind (Die Linke) erinnerte daran, dass es schon viele Interessenten gab. Von Oligarchen und betuchten Menschen war die Rede – vielleicht ist irgendwann ja auch wieder eine Schauspielerin dabei.