Das aus den Niederlanden stammende Prinzip des "Shared Space", das auch darauf beruht, dass es eben keine Verkehrsschilder gibt, wäre dann aufgeweicht.

14 Schilder wären nötig

Thoralf Krengel vom Ordnungsamt sprach beim jüngsten Wirtschaftsausschuss in Calau sogar von einem "Schilderwald". Insgesamt 14 Stück müssten auf dem 170 Meter langen Abschnitt vom Markt bis zur Kreuzung Baderring/Ringstraße aufgestellt werden. Der Abschnitt wird nun offiziell eine verkehrsberuhigte Zone, in dem Autos maximal sieben Km/h fahren dürfen.

Die Straßenverkehrsbehörde begründet ihre Anordnung mit der fehlenden Rechtssicherheit. "Das deutsche Verkehrsrecht ist dafür nicht gemacht", sagt der für Verkehrssicherheit zuständige Mitarbeiter beim Landkreis, Thomas Gogolin. Gogolin erklärt, dass der Verkehr in Deutschland entweder mithilfe von Schildern oder generell geregelt werde. Letzteres würde bedeuten, dass ein Fußgänger, der in der Cottbuser Straße nicht das Rechtsgehgebot einhält, eine Teilschuld bei einem Unfall mit einem Auto tragen würde.

Theoretisch mit 50 km/h

Und wenn das Tempo nicht wie derzeit auf 30 km/h begrenzt wäre, dürfte man dort theoretisch sogar mit 50 km/h unterwegs sein.

Aber selbst das aktuelle Limit ist für den Calauer Revierpolizisten Olaf Pichottki "der helle Wahnsinn". Für ihn und seine Kollegen gebe es mit der neuen Regelung wieder Rechtssicherheit. Bürgermeister Werner Suchner (parteilos) betont zwar: "Der Shared-Space-Gedanke ist nicht gescheitert."

Der verkehrsberuhigte Bereich würde auch mit den Schildern bestehen bleiben. Die Calauer Verwaltung sieht diesen Schritt dennoch kritisch. Hauptamtsleiterin Margitta Görs erinnert sich daran, dass alle Fachbehörden bei den Planungen dabei gewesen wären. Ob Polizei oder Verkehrsbehörde - dass es nicht funktioniert, habe damals keiner gesagt. Die Stadt hatte im vergangenen Jahr rund 500 000 Euro Fördermittel für das Shared-Space-Projekt in der Cottbuser Straße erhalten.