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Bürgermeister tritt mit "Leichenteil" vor den Kreistag

Abgestorbene Bäume kennzeichnen den ehemals üppig grünen Hochwald im Herzen des Spreewaldes auf 250 Hektar Fläche.
Abgestorbene Bäume kennzeichnen den ehemals üppig grünen Hochwald im Herzen des Spreewaldes auf 250 Hektar Fläche. FOTO: jg
Lübben. "Vor Bundes- und Landtagswahlen wussten viele Kandidaten, wo der Spreewald liegt. Jetzt nicht mehr, und das ist beschämend. Ingvil Schirling

" Mit diesen provokanten Worten hat Jens Martin, Bürgermeister von Alt Zauche/Wußwerk, einen einprägsamen Auftritt im Kreistag Dahme-Spreewald hingelegt. In typischer Jäger-, Fischer- und Anglerkleidung, einen toten Baumstamm in der Hand, der ihn weit überragte, stand er am Mikrofon und sorgte optisch wie akustisch für Aufsehen.

"Ich stehe hier mit einem Leichenteil, und davon gibt es Zehntausende", sagte er. Martin spielte damit auf die Folgen der Hochwasser vor mehreren Jahren an. Monatelang hatte der Hochwald mit seinem uralten Baumbestand unter Wasser gestanden. Nun sind die Bäume auf Flächen von insgesamt rund 240 Hektar abgestorben, schätzen Experten. Nachdem sich in den ersten Jahren im Hochsommer kahle Wipfel zeigten, ragen mittlerweile Gerippe in den Himmel, die schon beim geringsten Windhauch Stück für Stück bröckeln. Das Betreten der Flächen ist nicht mehr möglich; es besteht Lebensgefahr.

Martin sprach vor dem Kreistag drei wichtige Punkte an: den ungehinderten Wasserfluss in den Fließen, die Wiederaufforstung der Wälder und besseren Hochwasserschutz.

Für die Durchlässigkeit der Fließe, eine hohe "Rauigkeit", sei die Entfernung von Sedimentschlamm absolut notwendig. Vergangenes Jahr hatte Martin dazu Treffen mit Vertretern der Landesregierung angeschoben. Nun ist offenbar ein Pilotprojekt geplant. Möglichst noch in diesem Jahr soll Sedimentschlamm ausgebaggert und, falls unbelastet, auf Feldern versprüht werden. Proben sind bereits genommen.