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| 19:12 Uhr

Mehr Mobilität
Bürgerbus für den Unterspreewald in der Diskussion

 Seit etwa zehn Jahren gibt es einen Bürgerbus im Amt Lieberose-Oberspreewald. Die Akzeptanz ist so groß, dass sogar ein zweiter Bus angeschafft wurde.
Seit etwa zehn Jahren gibt es einen Bürgerbus im Amt Lieberose-Oberspreewald. Die Akzeptanz ist so groß, dass sogar ein zweiter Bus angeschafft wurde. FOTO: Andreas Staindl
Schönwalde. Die Gemeinde Schönwald (Unterspreewald) soll über einen Bürgerbus nachdenken. Das Mitglied der Gemeindevertretung Mario Zierus (SPD) hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Von Andreas Staindl

Eine Initiative, die Schönwalds Bürgermeister Roland Gefreiter (parteilos) während der Gemeindevertretersitzung kürzlich würdigte, doch Bedarf für einen Bürgerbus sieht er nicht – zumindest nicht für Schönwald: „Ein Bürgerbus für das gesamte Amt Unterspreewald könnte jedoch durchaus eine Idee sein.“

Im Amt Lieberose-Oberspreewald gibt es schon seit etwa zehn Jahren ein solches Projekt. „Die Leute nehmen es sehr gut an“, sagt Hans-Joachim Liersch auf RUNDSCHAU-Nachfrage. „Vor allem ältere Bürger nutzen diese Möglichkeit. Wir haben jetzt sogar einen zweiten Bus angeschafft.“ Er ist der Vorsitzende des Vereins „BürgerBus Lieberose-Oberspreewald“ e.V., dem Träger des Projekts. Ziel und Aufgabe des Vereins sind es, die Mobilität der ländlichen Bevölkerung und den öffentlichen Personennahverkehr zu fördern. „Wir fahren dort, wo die Regionale Verkehrsgesellschaft (RVS) Dahme-Spreewald nicht präsent ist“, erklärt Hans-Joachim Liersch. „Die Leute werden allerdings nur innerhalb unseres Amtsgebiets befördert, etwa zum Einkaufen, für Behördengänge oder Arztbesuche nach Goyatz oder Lieberose.“

Die Idee von Mario Zierus dagegen ist es, Einwohner der Gemeinde Schönwald mit einem Bürgerbus nach Lübben oder Golßen (Unterspreewald) zu fahren, damit diese mobil bleiben und weiter am sozialen Leben teilhaben können: „Wir wollen ältere und jüngere Menschen ansprechen. Der Bus soll auch eine Alternative für die Einwohner sein, wenn die Sparkasse in Schönwalde ab Herbst dieses Jahres tatsächlich geschlossen wird. Denkbar ist auch, dass er etwa für Fahrten zum Schwimmbad in Golßen oder zu kulturellen Veranstaltungen genutzt wird.“

Liane Rieß-Meißner (Wählergruppe Dorfgemeinschaft) ist skeptisch. „Wir ziehen mit dem Bürgerbus Kaufkraft aus Schönwalde ab“, befürchtet sie. „Wenn die Leute aus unserer Gemeinde nach Lübben oder Golßen gefahren werden, kaufen sie auch in den dortigen Supermärkten ein. Dann wird es ganz schwer für die Verkaufseinrichtungen wie Konsum, Fleischerei und Bäckerei in unserem Dorf.“ Das sieht Karin Weber (Die Linke) ähnlich: „Ein Bürgerbus würde Geld aus unserer Gemeinde abziehen. Die Leute kaufen dann nicht mehr vor Ort, sondern in den großen Supermärkten. Das wäre schade, denn wir haben die entsprechende Versorgungsstruktur auch selbst.“

Roland Gefreiter sieht überhaupt keinen Bedarf für einen Bürgerbus in seiner Gemeinde: „Zwischen Schönwalde und Lübben fährt fünfmal täglich ein Bus der RVS sowie zwischen unserem Ortsteil Waldow und Golßen zehnmal am Tag. Zudem hat Schönwalde einen Bahnhof, von dem aus man mit dem Zug auch mobil ist.“ Michaele Schudek von der Verwaltung des Amtes Unterspreewald hält es „für sinnvoller, wenn wir Leute aus entlegenen Orten unseres Amtes in unser Kleinzentrum nach Schönwalde und nicht nach Lübben oder Golßen fahren würden“.

So ähnlich läuft es auch im Amt Lieberose-Oberspreewald. „Wir fahren dreimal pro Woche und zweimal am Tag“, erzählt Hans-Joachim Liersch. „Bürger aus den entsprechenden Dörfern finden diese Lösung gut. Es gibt feste Fahrpläne. Die sind mit dem RVS abgestimmt. Anders macht es keinen Sinn.“ Und es gibt ehrenamtliche Fahrer, die den Bus fahren. Den nötigen Personenbeförderungsschein finanziere der Verein. Der Landkreis Dahme-Spreewald wiederum sichere die Finanzierung der Fahrzeugkosten sowie der Fahrer, wie der Vereinschef sagt. Er ist gern bereit, den Unterspreewäldern seine Erfahrungen weiterzugeben. Roland Gefreiter freut sich über dieses Angebot, kündigt an: „Ich werde die Idee eines Bürgerbusses in den Amtsausschuss tragen, die ehrenamtlichen Bürgermeister unseres Amtes pa­rallel dazu bitten, das Interesse in ihren Orten abzufragen. Auch wenn wir in Schönwald keinen Bedarf haben, kann ein Bürgerbus für andere Dörfer im Unterspreewald durchaus sinnvoll sein.“