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| 17:33 Uhr

Gas- und Ölförderung
Bürger am Schwielochsee bohren so langsam nach

Ein Mitarbeiter der deutsch-kanadischen Central European Petroleum GmbH (CEP) zeigt einen Bohrkopf vor dem Bohrturm im brandenburgischen Guhlen zwischen Schwielochsee und Lübben (Dahme-Spreewald).
Ein Mitarbeiter der deutsch-kanadischen Central European Petroleum GmbH (CEP) zeigt einen Bohrkopf vor dem Bohrturm im brandenburgischen Guhlen zwischen Schwielochsee und Lübben (Dahme-Spreewald). FOTO: dpa / Patrick Pleul
Schwielochsee/Goyatz. Kritische Fragen zu Öl- und Gasförderung / Stellungnahme der Amtsverwaltung / Investor lädt zu Info-Veranstaltung nach Goyatz. Von Jörg Kuhl

Die Gemeinde Schwielochsee hat eine kritische Stellungnahme der Amtsverwaltung zur Erdgasförderung am Schwielochsee verabschiedet. Der Investor versucht, die Bedenken mit Informationen zu relativieren, eine Bürgerinitiative ist am Start.

Gegen das Vorhaben des deutsch-kanadischen Öl- und Gasförderers CEP, in der südlichen Schwielochseeregion Kohlenwasserstoffe zu fördern, formiert sich Widerstand. An einer Gemeindevertreterversammlung haben jüngst 130 Bürger ihrer Sorge Ausdruck verliehen. Im Rahmen der Versammlung wurde eine Stellungnahme des Amts Lieberose/Oberspreewald einstimmig verabschiedet, die sich mit dem Projekt kritisch auseinandersetzt. Amtsdirektor Boschan bemängelt in der Stellungnahme, dass das Unternehmen keinen Gesamtüberblick über das Projekt vorgestellt habe. So gebe es zu wenig Informationen über die geplante Infrastruktur, wie zum Beispiel Rohrleitungen, industrielle Einrichtungen, Verladungsanlagen. Die Amtsverwaltung sieht zudem Konflikte mit den Interessen des Tourismus. Immerhin sei Goyatz staatlich anerkannter Erholungsort.

Außerdem werde die Feuerwehr den organisatorischen, personellen und technischen Anforderungen, die sich aus der Öl- und Gasforderung ergeben, nicht gerecht. Nicht zuletzt sei unklar, welche Langzeit-Auswirkungen in der Region zu erwarten seien.

War in den ersten Jahren des Projekts – seit 2009 ist die Firma am Schwielochsee engagiert – in der Gemeinde kaum Kritik zu hören, so mehren sich jetzt negative Stimmen. „Die Stimmung ist dabei, zu kippen“, meint der ehrenamtliche Bürgermeister Rainer Hilgenfeld. „Anfangs ging es um ein Bohrloch, aus dem Öl gefördert wird, jetzt sind bis zu 40 Bohrungen für Öl und Gas im Gespräch“, begründet der Bürgermeister das einsetzende Unbehagen vieler Bürger. In der Region stehe eine entsprechende Bürgerinitiative in den Startlöchern. Diese hatte im Vorfeld der Gemeindevertreterversammlung Informationszettel mit dem Titel „Erholungsgebiet Schwielochsee erhalten!“ verteilt. Viele Bürger seien in Sorge um ihre Gesundheit und hätten Befürchtungen, dass es zu Umweltschäden kommen könne. Hilgenfeld ist der Auffassung des Amtes, dass die Freiwillige Feuerwehr auf einen möglichen Katastrophenfall im Zusammenhang mit Öl- und Gasförderung nicht vorbereitet sei.

Firmenvertreter, darunter der Bohringenieur André Beck und Unternehmenssprecherin Angela Lammers, stellten sich am Montag den Bürgern, versuchten, deren Fragen zu beantworten. Der nächste Projektschritt, nämlich die Abteufung zweier weiterer Bohrungen, geschehe auf dem bereits vorhandenen Bohrplatz. Die Bohrungen seien notwendig, um weitere Erkenntnisse zur Förderung der Rohstoffe zu erhalten. „Bei unseren bisherigen Aktivitäten in Guhlen haben wir bildlich gesprochen nur den Rüssel eines Mammuts entdeckt. Jetzt müssen wir herausfinden, ob sich im Boden ein ganzes Mammut befindet“, so die Sprecherin. Alle bisherigen Schritte seien unter Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgt. Dies bleibe so. Die Sicherheit von Mensch und Natur habe für das Unternehmen höchste Priorität. CEP bemühe sich, die Region so weit wie möglich an der Wertschöpfung zu beteiligen. Dies betreffe Handwerkerleistungen und Übernachtungen. Falls auf dem Gebiet der Gemeinde eine Aufbereitungsanlage errichtet wird, sei „relativ schnell“ mit Gewerbesteuereinnahmen „in Größenordnungen“ zu rechnen. Das Unternehmen plane, Feuerwehrkräfte aus der Region in speziellen Schulungen, die im In- und Ausland durchgeführt werden, und auf die speziellen Herausforderungen zugeschnitten sind, weiter zu bilden. CEP werde auch bei der Beschaffung spezieller Materialien behilflich sein.

Ein Infoabend der CEP findet am 1. August um 18.30 Uhr im Gasthaus Mocho in Goyatz statt.