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| 19:45 Uhr

Polizei mit Kriminellen überfordert
Brutale Überfälle auf Rastplätzen nehmen zu

Gewalt und Kriminalität auf Autobahn-Rastplätzen gibt es „leider tagtäglich“ laut Polizeiangaben. Oft auch gegen Lkw-Fahrer.
Gewalt und Kriminalität auf Autobahn-Rastplätzen gibt es „leider tagtäglich“ laut Polizeiangaben. Oft auch gegen Lkw-Fahrer. FOTO: fotolia / Bits and Splits
Lübben/Bratislava. Ein slowakischer Pkw-Fahrer wird auf einem Autobahn-Rastplatz unweit von Lübben ins Krankenhaus geprügelt. Laut Polizei kein Einzelfall: „Das Phänomen ist zu groß." Von Steven Wiesner

Es ist nicht so einfach, Andrej Pavlik dieser Tage zu erreichen. Meistens hat er irgendeinen Arzttermin und ist deswegen nicht zu sprechen. Vor zwei Wochen war Pavlik noch ein kerngesunder Mann und nicht auf medizinische Expertise angewiesen. Doch dann ist der 36-jährige Slowake auf einem Autobahn-Rastplatz überfallen und krankenhausreif geprügelt worden. Ein Fall mit ungeheurer Gewaltbereitschaft – und laut Polizei leider auch kein Einzelfall.

Es ist ein Montagmorgen. Der Uhrzeiger deutet auf die vier, als Andrej Pavlik auf den Rastplatz Krausnicker Berge, ein paar Autominuten von Lübben entfernt, einbiegt. „Ich war mit einem Freund auf dem Weg nach Berlin. Wir wollten ein Auto kaufen“, sagt Pavlik, der als Dolmetscher arbeitet und sauberes Deutsch spricht. „Wir wollten eine Pinkelpause machen, ein ganz normaler Fünf-Minuten-Stopp.“ Doch normal geht der Stopp nicht zu Ende. Als die beiden wieder im Auto sitzen, bemerken sie, wie eine fremde Person plötzlich am Hänger und dann am Kofferraum herumhantiert. „Die berühmte Trickbetrügermasche. Eine Person lockt den Fahrer aus dem Auto und eine zweite Person klaut den Wagen“, wie Polizeisprecher Torsten Wendt von der Direktion Süd erzählt.

Auch Pavlik und sein Begleiter machen den Motor aus und steigen aus dem Wagen, um die beiden Fremden zur Rede zu stellen. Doch zur Konversation kommt es nicht. „Die beiden wurden sofort aggressiv, haben uns bespuckt, geschlagen und gegen den Kopf getreten.“ Die beiden Angreifer haben Pavlik zwar schnell außer Gefecht gesetzt, können das Auto aber nicht klauen, weil er es zuvor abgeschlossen hat. Sie ergreifen die Flucht und wollen sichergehen, dass Pavlik sie nicht verfolgen kann. „Als ich schon am Boden lag, ist mir nochmal einer auf das Sprunggelenk gesprungen“, sagt Pavlik. Mit einem dunklen Kombi verlassen sie den Tatort. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei soll es sich um zwei Rumänen handeln.

Laut Torsten Wendt ereignen sich Überfälle und Diebstähle „leider tagtäglich“ auf deutschen Rastplätzen. Schon länger tritt diese meist bandenmäßig strukturierte Kriminalität auf. Von den „Autobahn-Piraten“ war bereits Mitte der 90er-Jahre die Rede. Vor allem Lkw-Fahrer sind mit ihren Ladungen ein beliebtes Ziel. Und die Polizei kann nicht jeden Rastplatz in Brandenburg bewachen. „Das Phänomen ist zu groß. Und was wir dagegenhalten können, ist zu klein“, sagt Wendt. „Die Brutalität ist besorgniserregend. Die Gesundheit spielt keine Rolle mehr.“

Das hat auch Andrej Pavlik erfahren müssen. Obwohl er fast zwei Meter groß und 150 Kilo schwer ist und auch sein Freund als Kriminalpolizist etwas auf die Waage bringt, landeten die beiden im Krankenhaus. Mittlerweile haben sie das Lübbener Klinikum zwar wieder verlassen und sind in der Slowakei. Doch Pavliks Kumpel wird einen Monat keinen Dienst ausüben können – und er selbst ist für ein halbes Jahr krankgeschrieben mit einem komplizierten Knöchelbruch. „Nächste Woche müssen sie den Fuß nochmal aufmachen“, sagt er. Sieht so aus, als würden Andrej Pavlik noch ein paar Arzttermine bevorstehen.

An der A13-Raststätte Krausnicker Berge ist Andrej Pavlik vor zwei Wochen mit einem Freund überfallen worden.
An der A13-Raststätte Krausnicker Berge ist Andrej Pavlik vor zwei Wochen mit einem Freund überfallen worden. FOTO: LR / Steven Wiesner