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| 19:36 Uhr

Bretterbauer akzeptiert Abschied

Detlef Günther (l.) und Lothar Bretterbauer unterschreiben.
Detlef Günther (l.) und Lothar Bretterbauer unterschreiben. FOTO: Preiß
Lübben. Lübbens Bürgermeister Lothar Bretterbauer (CDU) beugt sich dem Beschluss der Lübbener Stadtverordneten. Er werde keinen Widerspruch dagegen einlegen, in den vorzeitigen Ruhestand versetzt zu werden, erklärte er am gestrigen Donnerstag. Unterdessen wendet er sich mit einem bewegenden und sehr persönlichen Brief an die Lübbener. Ingvil Schirling und Rüdiger Hofmann

Zunächst informierte er seine Dienstherren, dann die Öffentlichkeit. Lübbens Bürgermeister Lothar Bretterbauer ging korrekt und systematisch vor, als er seine Entscheidung verkündete. "Sofern Sie demnächst meine Versetzung in den Ruhestand beschließen, werde ich diesen Beschluss akzeptieren", heißt es in dem Brief, den er für die Stadtverordnetenversammlung vorbereitet hatte. "Ich werde keinen Widerspruch einlegen."

Vor wenigen Tagen hatten die Stadtverordneten die Weichen in diese Richtung gestellt. Auf der Grundlage eines amtsärztlichen Gutachtens stellten sie fest, dass sie Lothar Bretterbauer für dienstunfähig halten. Sie bekundeten auch, dass sie die Absicht haben, den 61-Jährigen in den vorzeitigen Ruhestand zu versetzen. Daraufhin hatte Lothar Bretterbauer - so sind die Regeln - vier Wochen Zeit, um dazu Stellung zu nehmen.

Die wartet er nun nicht ab. Statt dessen wendet er sich an die Öffentlichkeit. Die Amtsärztin habe festgestellt, nimmt er auf das eingeforderte Gutachten Bezug, "dass die Wiederherstellung der vollen oder einer begrenzten Dienstfähigkeit nicht innerhalb der nächsten sechs Monate zu erwarten ist", schreibt er. Er sei seit mehreren Jahren wiederholt und inzwischen chronisch schwer erkrankt. Dass seine Frau im Verlauf des vergangenen Jahres schwer krank wurde, habe den Genesungsprozess "negativ beeinflusst". Vor wenigen Wochen ist sie gestorben.

Sowohl den Stadtverordneten als auch den Einwohnern gegenüber erklärt sich der Lübbener noch etwas weiter und gewährt Einblick in seine Gefühle. An die Lübbener wendet er sich in einem offenen Brief. Darin bekennt er sich dazu, dass er schon vor seiner Wiederwahl 2010 gesundheitliche Probleme hatte. Er stellte sich dennoch zur Wahl und erzielte ein Ergebnis von 56 Prozent gegen seine Konkurrenten Reinhard Krüger (Die Linke) und Peter Schneider (SPD). "Das Ergebnis dieser Wahl machte mich glücklich", heißt es in dem offenen Brief, in dem er den Lübbenern auch für ihr Vertrauen dankt. Doch er sei mit seinen Kräften bald an seine Grenzen gestoßen, heißt es weiter. Angesichts der schweren Krankheit seiner Frau habe er zudem das große Bedürfnis gehabt, "ihr auf ihrem letzten Weg mit aller Kraft zur Seite zu stehen". Als Bürgermeister habe er die Familie bis dahin hinten angestellt.

Bretterbauer verschweigt nicht, dass er es in dieser Phase versäumte, mit den Stadtverordneten als obersten Dienstherren der Stadt eine Lösung zu suchen. Und dass sein Fehlen mit zusätzlichem Aufwand für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung verbunden war - in erster Linie für seinen Stellvertreter Frank Neumann. In der Stadtverordnetenversammlung wurden seine Worte am Donnerstagabend voller Verständnis aufgenommen. "Ich danke ihm persönlich für seine Erklärung", sagt Christoph Kindler (SPD), der als Altersvorsitzender die vorübergehende Leitung der konstituierenden Sitzung übernommen hatte. "Seine Entscheidung, sich gegenüber uns und in der Öffentlichkeit zu äußern, verlangt größten Respekt", so Kindler.

Mit seiner klaren Aussage macht Bretterbauer nun den Weg frei für Neuwahlen. Sobald der Beschluss fällt, ihn auf dieser Basis für dienstunfähig zu erklären und tatsächlich in den Ruhestand zu versetzen, beginnen die Fristen für die Wahlen. Ob diese gleichzeitig zur Landtagswahl am 14. September stattfinden könnten, steht derzeit noch nicht fest.

Brief an die Lübbener Bürger

Liebe Lübbener Bürgerinnen und Bürger,

auf Grund meiner Krankheit und weil in diesem Zusammenhang eine Genesung nicht kurzfristig zu erwarten ist, haben die Lübbener Stadtverordneten am 12.06.2014 beschlossen und mich darüber unterrichtet, dass sie beabsichtigen, mich in den Ruhestand zu versetzen. Ich habe diese Entscheidung akzeptiert und werde dagegen nicht in Widerspruch gehen, sondern vielmehr den Weg frei machen für Bürgermeisterneuwahlen.

Ich habe 24 Jahre, davon 23 aktiv, die Stadt Lübben (Spreewald), meine Heimatstadt, mitgestaltet und habe mich stets darüber gefreut dass die Mehrzahl der Lübbener und ihre Besucher die Entwicklung positiv sahen und sie mit begleiteten und unterstützen. Deshalb will ich Ihnen am Ende dieser Zeit folgendes mitteilen:

Sie haben mir, teils mit deutlichen Mehrheiten, über drei Wahlperioden Ihr Vertrauen ausgesprochen. Gleiches erfolgte bei der letzten Wahl im Jahre 2010, obwohl ich schon damals u.a. wegen gesundheitlicher Probleme zunächst gezögert hatte, mich erneut der Wahl zu stellen. Das Ergebnis dieser Wahl machte mich glücklich und zeugte erneut von dem großen Vertrauen, dass Sie in mich setzten. So ging ich dann auch mit frischem Mut und neuen Ideen an die Lösung der bevorstehenden Aufgaben. Doch ich merkte bald, dass ich mit meinen Kräften an meine Grenzen stieß, was ich mir selbst nur ungern eingestehen wollte.
Zu allem Unglück wurde dann auch meine Frau schwer krank. Damals entstand bei mir das große Bedürfnis, ihr auf ihrem letzten Weg mit aller Kraft zur Seite zu stehen, zumal ich bis dahin in meiner Arbeit als Bürgermeister die familiären Belange überwiegend hinten anstellte. Ich vernachlässigte nun nicht nur, mich meiner eigenen Genesung zu widmen, sondern verlor auch die städtischen Belange aus den Augen. Ja, ich versäumte es, gegebenenfalls gemeinsam mit den Stadtverordneten eine übereinstimmende Lösung für mich und die Stadt zu suchen.

Heute frage ich mich, wie hätten Sie in einer solchen Situation gehandelt? Bei der Suche nach einer Antwort werde ich mir bewusst, dass Sie sehr unterschiedlicher Meinung dazu sind. Deshalb möchte ich, da wo ich Sie enttäuscht habe, mich bei Ihnen entschuldigen. Eine solche Entschuldigung verbinde ich mit dem Wunsch um das Verständnis für eine solche außerordentliche Situation in der ich war und bin, die ich selbst niemandem wünsche.
Ich bin dankbar dafür, dass ich gemeinsam mit Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, mit den Lübbener Stadtverordneten und der Stadtverwaltung die Entwicklung Lübbens über mehr als zwei Jahrzehnte gestalten durfte. Ich danke allen, die mit großem Aufwand mein Fehlen ersetzen mussten und hier ganz besonders meinem 1. Stellvertreter, Frank Neumann.

Ich wünsche Ihnen allen in Ihren Familien, sowie an Ihren Arbeitsplätzen, in Ihrer gesellschaftlichen Tätigkeit von Herzen alles Gute, Freude und Kraft, Probleme zu meistern, besonders aber dabei stets Gesundheit.

Ihr Lothar Bretterbauer

Zum Thema:
Auf der konstituierenden Sitzung ist Peter Rogalla(Die Linke) von den anwesenden 20 stimmberechtigten Mitgliedern einstimmig zum Vorsitzenden der Stadtverordneten gewählt worden. Erster Vertreter von Rogalla wird Christoph Kindler (SPD). Zum zweiten Vertreter wurde Andreas Rieger (Bündnis 90/Die Grünen) gewählt.