Eins ist unbestritten: "Als Standortfaktor ist das Internet für Privatleute wie für Gewerbetreibende essenziell." Das sagte Jakob Hafner am Mittwochabend im LDS-Wirtschaftsausschuss. In Schönefeld ließen sich die Kreistagsabgeordneten die so gut wie fertige Machbarkeitsstudie vorstellen, auf deren Grundlage der Landkreis Fördermittel aus einem Topf des Bundes beantragen will. Kommt das schnelle Internet nicht, brachte es Hafner als Projektleiter des TÜV Rheinland auf den Punkt, "ist die Verlagerung von Standorten zu befürchten". Der TÜV Rheinland hatte die Erstellung der Machbarkeitsstudie federführend übernommen.

Der Spreewald ist allerdings nicht Bestandteil dieses detailreichen Ausgangspapiers. Denn der Spreewald war als Los 5 aus den Bestrebungen des Landes, über "Glasfaser 2020" schnelles Internet zu gewährleisten, zunächst herausgefallen (die LR berichtete). Das war in der Region als beinahe skandalös empfunden worden und mit Ängsten verbunden, dass die Fließlandschaft bei diesem äußerst wichtigen Infrastrukturprojekt außen vor bleibt. Weil nicht überall leere Kabelrohre samt Verzweiger bestehen, durch die die Glasfaser einfach durchgeschoben werden könnte, sondern vielerorts gegraben werden muss, hätte der damalige Investor den Ausbau eigenen Angaben zufolge nicht in der vorgegebenen Zeit geschafft, hieß es damals, und hätte möglicherweise Nachteile dafür in Kauf nehmen müssen.

Verzögerung in Fließlandschaft

Nun aber soll das Los 5 mit Verzögerung angegangen werden. Das bestätigte Dr. Dieter Lindig den Breitbandbeauftragten der Kommunen am Mittwoch bei einem Treffen. Auf LR-Nachfrage legte er den Zeitplan für den Spreewald dar. Gegenwärtig wird demzufolge das Markterkundungsverfahren aktualisiert. Es muss festgestellt werden, ob und wo genau private Investoren innerhalb der nächsten 36 Monate einen Eigenausbau mit schnellem Internet beabsichtigen. "Das wäre für uns tabu", sagt Lindig. Meldeschluss ist der 24. Februar. Nach der Auswertung werde der Leistungsumfang präzisiert. Nach einem Vergabeverfahren von geschätzten acht bis zwölf Wochen rechnet der Projektleiter Breitband bei der ILB mit einem Baubeginn am Ende des zweiten Quartals.

"Wir bauen aus bis zu den Kabelverzweigern", erklärt er weiter. Von der Länge der Teilnehmeranschlussleitung, die von den grauen Kästen bis zum Haus führt, hängt ab, wie viel schnelles Internet beim Kunden ankommt. Das könne, je nach Dämpfung, von 50 Mbit/s auf 30, 20 oder sogar sechs heruntergehen. Um das zu mindern, "rüsten wir die Kabelverzweiger vorsorglich mit Vectoring aus", so Lindig. Der Fachbegriff steht für ein Instrument, das den Verlust trotz Übergangs auf Kupferkabel mindern kann.

Ob mit der Nachhol-Aktion für den Spreewald von "Glasfaser 2020" allerdings jedes noch so entlegene Gehöft erreicht werden kann, vermag der ILB-Projektleiter noch nicht zu sagen. "Es hängt davon ab, wie viele Leute dort wohnen und wie teuer es wird." Für "kompakte Orte ohne eigenen Kabelverzweiger wollen wir prüfen, ob wir Glasfaser dort näher heranbringen können".

Was "flächendeckend" heißt

Diese Frage beschäftigte auch die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses. Verstanden wird unter dem Schlagwort "flächendeckend schnelles Internet" ein Ausbaugrad mit 50 Mbit/s für 95 Prozent der Einwohner. Die Machbarkeitsstudie als Grundlage für die Bundesfördermittel sieht den Ausbau von 55 Kabelverzweigern (von 700 in LDS) und den Neubau von weiteren 25 vor. Hafner vom TÜV Rheinland schätzt durchaus ein, "dass wir damit auf 95 Prozent kommen". Das Problem sei, dass "die verbleibenden fünf Prozent im Tiefbau die längsten Leitungen brauchen, und damit steigen die Kosten exponentiell". Offen ist derzeit, was mit denjenigen wird, die davon betroffen sind, ob und welche Alternativlösungen gemeinsam mit den Gemeinden gefunden werden können.

Die Zeit drängt: Zum Stichtag 29. April will Dahme-Spreewald die Anträge auf die Bundesförderung eingereicht haben. Ziel ist es, im zweiten Aufruf mit dabei zu sein, um sicherzugehen, dass die bereitgestellten Mittel noch nicht ausgeschöpft sind. Bei 50 Prozent vom Bund und 40 Prozent vom Land muss der Landkreis Dahme-Spreewald zehn Prozent aus eigener Kasse beisteuern. Dezernent Wolfgang Starke (SPD) schätzt ein, dass sich das im niedrigen einstelligen Millionenbereich bewegen wird. Trotz der Eile bat sich der Wirtschaftsausschuss ein Treffen vor dem Kreistagsbeschluss aus, möglichst gemeinsam mit dem Finanzausschuss, um das Vorhaben noch einmal zu diskutieren.