(asd) Die zweite Spinte im wendischen Bauernhof in Steinkirchen ist Geschichte. Frauen aus verschiedenen Orten der Region trafen sich dort am Samstagnachmittag. Gisela Christl hatte sie auf den wendischen Bauernhof in Lübbens Stadtteil eingeladen.

„Das ist aber schön hier“, sagt Marianne Balzer, „richtig gemütlich. Hier fühlt man sich gleich wohl.“ Die frühere Chefin des Höllberghofs bei Langengrassau (Heideblick) ist das erste Mal bei Gisela Christl zu Gast und begeistert: „Der wendische Bauernhof ist eine gelungene Einrichtung mit Platz auch für größere Gruppen.“ Die Sitzplätze am Samstag hätten noch für weitere Gäste gereicht. Doch auch so ist es eine gemütliche, vor allem lustige Runde. Es wird viel erzählt, gesungen, auch gesponnen und gestrickt. „Ich mag diese Treffen“, sagt Irmgard Loos aus Zieckau (Stadt Luckau). „Man trifft mal andere Leute, kann sich wunderbar mit ihnen unterhalten, das bringt Abwechslung.“

Spinte sind eine lange Tradition. Junge, unverheiratete Mädchen trafen sich früher zu Handarbeiten, plauderten und sangen während der Wintermonate. Am Samstag anno 2019 im wendischen Bauernhof sind es gestandene Frauen, die einen gemütlichen Handarbeitsnachmittag erleben. Sieglinde Köckritz ist aus Wierigsdorf (Stadt Luckau) nach Steinkirchen gekommen. „Bei uns im Ort gab es früher auch Spinte“, erzählt sie. „Jetzt nutze ich die Angebote auf dem Höllberghof, und heute hier bei Gisela Christl. Ich fühle mich sehr wohl in solchen Runden. Sie bringen Abwechslung, und man kann mit anderen Frauen gemütlich plaudern. Das ist viel besser, als allein zu Hause zu sitzen.“

Die Teilnehmer erfahren auch Interessantes über die traditionellen Bräuche im Spreewald, als Gisela Christl davon erzählt. Von der Fastnacht, vom Zampern, von Sagen und Bräuchen der Lagunenlandschaft. Hin und wieder liest sie ein Gedicht in Mundart vor oder schnappt sich ihr Akkordeon. Die Teilnehmerinnen stimmen ein, singen bekannte Texte zur Melodie. „Spinte machen einfach Spaߓ, sagt Sieglinde Köckritz. Und Irmgard Loos ergänzt: „Die Handarbeit ist für mich nicht das Wichtigste. Ich genieße viel mehr die gemeinsame Zeit mit den anderen Frauen.“

Edelgard Haschke aus Beesdau (Heideblick) hat ihr Spinnrad mit nach Steinkirchen gebracht. „Der Erhalt von altem Handwerk liegt mir am Herzen“, sagt sie. „Ich möchte das Spinnen Interessierten näher bringen, engagiere mich deshalb auch in der Handspinngilde, einem deutschlandweiten Verein. Wer Lust hat, Spinnen zu lernen, der kann sich gern bei mir melden.“

Das Arbeiten mit dem Spinnrad erfordert eine gute Hand-Fußkoordination, ein Hexenwerk allerdings ist es nicht. „Man muss nur fleißig üben“, sagt Edelgard Haschke. „Und man braucht ein Spinnrad, das auch wirklich geeignet ist.“ Am Samstag sehen ihr die Gäste auf die Finger und verfolgen aufmerksam, wie sie einen gleichmäßigen Faden aus der Wolle spinnt. Auch Gisela Christl lässt ihr Spinnrad surren, zeigt historische Fotos, Handarbeiten und Kleidung und lässt die anderen Frauen in die Welt der Spinnstuben eintauchen. Sie ist damit in guter Tradition ihrer Vorfahren. Schon früher übte die Stubenälteste, die „Kantorka“, mit den Frauen sorbische Lieder für die Fastnacht oder die Osterzeit im Spreewald.