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| 19:21 Uhr

Explosive Feuerwehrzufahrt
Brandschutzstreifen für Lieberoser Heide

Experten aus Frankfurt (Oder) suchen entlang eines ehemaligen Brandschutzstreifens nach Munition. Und werden fündig.
Experten aus Frankfurt (Oder) suchen entlang eines ehemaligen Brandschutzstreifens nach Munition. Und werden fündig. FOTO: LR / Daniel Schauff
Mit 200 000 Euro vom Land entstehen in der Lieberoser Heide Brandschutzstreifen, die der Feuerwehr das Leben künftig leichter machen sollen. Von Daniel Schauff

Ein wenig von dem verkohlten Geruch steigt noch in die Nase, als Claus Seliger, Leiter nachhaltige Nutzung bei der Landesoberförsterei Peitz, Hoheitsoberförster Axel Becker und Hubertus Müller, Revierleiter Tannenwald, eine kleine Gruppe von Journalisten und Offiziellen durch die Lieberoser Heide führen. Staatssekretärin Carolin Schilde sitzt in einem der Autos, die von der Bundesstraße 168 aus in Richtung verbrannter Waldgebiete fahren. Die Firma Röhll ist seit Donnerstagmorgen vor Ort, sechs Mann suchen nach Munition, die in der Erde steckt. Das Ziel: Ein ehemaliger Brandschutzstreifen soll wieder nutzbar werden. Ein Mitarbeiter der Expertenfirma öffnet den Panzerkoffer am Rande des künftigen Schutzstreifens. Einige Kampfmittel haben dort bereits ihren Platz gefunden – die Ausbeute eines einzigen Tages. „Ja, die eine ist sicher noch scharf“, sagt der Experte. Die neugierigen Journalisten weichen zurück. Nein, herausnehmen möge er den gefährlichen Bodenfund doch bitte nicht.

Rückblick – Sommer dieses Jahres. 17-mal brennt es in der Lieberoser Heide. 460 Hektar Wald sind dort den Feuern zum Opfer gefallen. Entlang des ehemaligen Brandschutzstreifens stehen schwarz gefärbte Baumreste, ein unwirtliches Bild. Allein bei dem Brand am 6. Juli standen 265 Hektar der Lieberoser Heide in Flammen. Den Einwohnern der umliegenden Ortschaften drohte die Evakuierung. Die Feuerwehr konnte die Brandherde kaum erreichen, zu groß die Gefahr durch den munitionsverseuchten Boden auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz. Am Ende waren es teure Löschhubschrauber, die den Brand unter Kontrolle brachten. Zu teuer für Lieberose, so dass der Landkreis Dahme-Spreewald eingreifen musste und zahlte.

Nun sollen rund um die Brandherde des letzten Sommers Feuerwehrschutzstreifen entstehen. Rund sieben bis acht Kilometer davon fehlen noch, sagt Axel Becker. Einen großen Schritt hin zur Brandsicherung in der Heide sind durch die 200 000 Euro möglich, die das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft nun zusätzlich für die Kampfmittelsuche in dem Gebiet zur Verfügung gestellt hat.

Die Ausbeute am ersten Tag der Munitionsberäumung kann sich schon sehen lassen. Die Kampfmittel werden nun fachgerecht entsorgt.
Die Ausbeute am ersten Tag der Munitionsberäumung kann sich schon sehen lassen. Die Kampfmittel werden nun fachgerecht entsorgt. FOTO: LR / Daniel Schauff

Die Wiederherstellung des ehemaligen rund 30 Meter breiten Brandschutzstreifen, auf dem die Munitionsexperten aus Frankfurt (Oder) gerade ihre Arbeit aufgenommen haben, sind nicht die einzigen Arbeiten, die rund um die Heide derzeit passieren. Im Revier Hollbrunn, gleich neben dem Revier Tannenwald, wird ein komplett neuer Brandschutzstreifen, ebenfalls in einer Breite von rund 30 Metern, geschaffen. Dafür wird natürlich gewachsener Wald mit besonders geschützten Baumaschinen gleichsam gerodet. Plexiglas und Splitterschutz sollen Maschinen und vor allem die Arbeiter vor Detonationen schützen. Erst, wenn der Streifen frei ist, kann die Munitionssuche und -räumung beginnen.

Die Lieberoser Heide hat im Sommer Feuerwehren in der gesamten Region in Atem gehalten – immer wieder waren neue Brände ausgebrochen, immer wieder waren sie aufgrund der Munitionsbelastung besonders schwierig unter Kontrolle zu bringen. In ganz Brandenburg gab es nach des zuständigen Ministeriums 489 Waldbrände in 2018. 1655 Hektar Schadensfläche haben die hinterlassen – Negativrekord seit Beginn entsprechender Aufzeichnungen.