Von Ingvil Schirling

Die Lieberoser Heide kommt nicht zur Ruhe. In diesem Dürresommer brennt es erneut – und die Feuerwehren können (fast) nichts machen.

200 Hektar stehen in der Lieberoser Heide in Flammen. Der Brand erstreckt sich nördlich der Schießbahn rund um das Birkenluch im unteren Zentrum. Die Orte Klein und Groß Liebitz liegen außer Gefahr nördlich davon. Das Feuer breitet sich in nordöstlicher und in westlicher Richtung aus.

Besonders prekär sind diesmal zwei Faktoren: Ein Moor hat Feuer gefangen, und das mitten im munitionsbelasteten Gebiet. Das bedeutet: „Das Feuer können wir zurzeit nicht bekämpfen“, sagt Kreisbrandmeister Ronald Judis, „weil es auf munitionsbelasteter Fläche im Totalreservat brennt. Das ist für uns ein absolutes No-Go.“ Die Wehren können die Flächen nicht betreten.

Aus der Luft bekämpfen jedoch Hubschrauber der Bundespolizei und der Bundeswehr die Säume der Brandlinie, indem sie große Tanks voll Wasser, geschöpft im Teerofensee, auskippen. „Den Effekt kann man gut sehen“, berichtet Ronald Judis, der am Vormittag mit einem dritten Hubschrauber der Polizei auf Erkundungsflug war. Die Stellen, an denen das Wasser abgelassen wurde, sind deutlich dunkler als die Umgebung.

Die weitere Strategie der Feuerwehr ist zu verhindern, dass der Brand die breiten Schneisen überspringt. Getrieben wird es vom Wind und den Luftzügen, die es selbst produziert. Deshalb ist die genaue Beobachtung ebenso wichtig.

Nach der Lagebesprechung am Mittag wurde weiter daran gearbeitet, die Wasserversorgung auf- und auszubauen. Wieder wird die Trockenheit zum Problem. Die Löschbrunnen sind größtenteils versiegt. Seit dem erneuten Brandausbruch am Montagabend musste das Wasser mit Tanklöschfahrzeugen im Pendelverkehr über weite Strecken angefahren werden. Das kostet Zeit.

Daher war das hinzugezogene Technische Hilfswerk (THW) ab dem späten Vormittag im Einsatz, um die Lage zu erkunden und eine stabile Wasserleitung aus Klein Liebitz aufzubauen. „So wollen wir die langen Umlaufzeiten verkürzen“, sagt Ronald Judis.

Parallel dazu ist der Munitionsbeseitigungsdienst im Einsatz. „Schneisen und Wege, bei denen wir uns unsicher sind, werden von diesem nochmals überprüft“, so Judis. Das Feuer hat sich also über Nacht nicht nur explosionsartig ausgebreitet, sondern wütet auch auf Grund, unter dessen dünner Sandschicht alte Munition jederzeit hochgehen kann. Ebenfalls angefordert wurde ein Räumpanzer.

Andreas Meißner sieht man die Sorge an. Er ist der Geschäftsführer der Stiftung Naturlandschaften als Eigentümerin der betroffenen Flächen. Bei den bisherigen Bränden sei der volkswirtschaftliche Schaden hoch gewesen, beschreibt er den Unterschied. Weil ein Moorkörper mit in Brand geraten ist, komme nun ein immenser ökologischer Schaden hinzu. „Das ist bitter. Wenn Moorkörper erst einmal brennen, sind sie verloren“, sagt er. „Sie sind nicht wieder herstellbar.“ Dieser Brand vernichtet nicht nur Boden und Büsche, sondern auch einen besonders wertvollen Lebensraum.

Die Lage ist komplex, und das Feuer wird nicht sofort gelöscht sein. „Wenn ich mir nur Regen wünschen würde, wäre das zu einfach“, sagt Ronald Judis. „Ich wünsche mir, dass wir das Feuer schnell unter Kontrolle und gelöscht bekommen.“

An die 200 Feuerwehrleute aus der gesamten Region und den Nachbarkreisen, dazu DRK und THW, waren tagsüber im Einsatz. Auch die Schichtwechsel werden organisiert. Doch die Feuerwehrleute sind erschöpft. Ronald Judis zufolge ist auch die Möglichkeit der Arbeitgeber nach diesem brandheißen Sommer an Grenzen gekommen, Mitarbeiter für den freiwilligen Feuerwehrdienst immer wieder freizustellen. Um die Ablösung für Mittwochabend zu sichern, wurde daher vorsichtshalber die Brandschutzeinheit des Landes-Innenministeriums angefordert, falls die Kräfte dann nicht mehr ausreichen sollten.