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| 17:29 Uhr

Brände in der Lieberoser Heide
An der Grenze der Belastbarkeit

Groß Liebitz. Die Brände in der Lieberoser Heide und die horrenden Einsatzkosten fordern allmählich auch ihren finanziellen Tribut. Das Amt schlägt Alarm. Und der Landkreis sichert Hilfe zu. Von Steven Wiesner

Von Steven Wiesner

Die Lieberoser Heide kommt einfach nicht zur Ruhe. Erneut lodert es in den Wäldern. Nachdem der heiße Sommer und die unzähligen Brände überstanden schienen, flammten vergangene Woche neue Brände auf. Und auch aktuell brennt es wieder. „Die Situation ist mehr als belastend“, sagt Bernd Boschan, der Amtsdirektor von Lieberose/Oberspreewald. Zwischen fünf und zehn Hektar soll die Fläche zunächst groß gewesen sein, die derzeit bei Groß Liebitz in Schwielochsee brennt. Nach jüngsten Einschätzungen am Montagabend habe sich die Fläche sogar bis auf zwölf Hektar ausgeweitet. Am Sonntag um 15 Uhr kam die erste Alarmierung. Da hatte man gerade erst einen Brand gelöscht, der am Mittwoch zwischen Butzen und Lamsfeld ausgebrochen war.

Wann und wie der aktuelle Brandherd in der Lieberoser Heide in Schach gehalten werden kann, dazu konnte Amtsdirektor Boschan am Montagmittag noch keine genauen Auskünfte geben. „Es sind Luch, Moore, Berge und Täler betroffen, und momentan finden auch keine Löschtätigkeiten statt, weil wir uns wieder im munitionsbelasteten Gebiet befinden“, sagt Boschan. „Eine Löschung vom Boden ist nicht möglich. Im Moment wird nur beobachtet und kontrolliert.“

Auch die Spekulationen, dass es sich um Brandstiftung handeln solle, konnte Bernd Boschan nicht lückenlos bestätigen. Er sagte aber so viel: „Wir haben ein wiederkehrendes Brandschema, wie und wo die Brände ausbrechen. Und wir hatten im aktuellen Fall auch Personenbewegung im Gebiet.“ Das Amt forderte daraufhin einen Hubschrauber mit Infrarotlicht an, um etwaige Brandstifter zu verfolgen und ausfindig zu machen. „Leider stand dafür kein Hubschrauber zur Verfügung“, so Boschan. „Wir haben die Grenzen der Belastbarkeit erreicht.“

Eine Einschätzung, die wohl auch auf die monetäre Situation abzielt. Denn die zahlreichen Brände und damit verbundenen Einsatzkosten in diesem Jahr fordern nicht nur personellen und mentalen, sondern allmählich auch finanziellen Tribut. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, hat das Amt Lieberose/Oberspreewald am Montag nicht mal mehr einen Löschhubschrauber aus dem eigenen Haushalt bezahlen können. Laut der Leitstelle Lausitz können sich die Kosten für Hubschrauber, die von der Bundeswehr und -polizei angefordert werden, schon mal auf 5000 bis 10 000 Euro pro Flugstunde belaufen. Und nicht immer sind die Abflugplätze auch in der näheren Umgebung. „Das sind dann schon horrende Kosten, wenn du die so oft brauchst wie in diesem Jahr“, schätzt Andreas Neukirch vom Lagedienst der Leitstelle Lausitz ein.

Der Landkreis Dahme-Spreewald spricht eher von Tageseinsatzkosten, die sich aber auch auf 10 000 Euro belaufen können. Bernd Boschan bestätigte, dass man den Landkreis und das Land Brandenburg diesbezüglich um Fördermittel gebeten habe. Stephan Loge (SPD), der Landrat von Dahme-Spreewald, sicherte noch am Abend die Hilfe des Landkreises zu. „Wir werden alles Erdenkliche tun, um das Amt zu unterstützen“, sagte Loge. „Die Solidarität muss gewahrt bleiben.“

Das Problem in der Lieberoser Heide ist, dass Brände weitgehend nur aus der Luft bekämpft werden können, weil sich im Boden des ehemaligen Truppenübungsplatzes noch Munition befinden könnte. Deshalb kamen über den Sommer immer wieder Löschhubschrauber zum Einsatz. Bei Großbränden ist der Landkreis zuständig, bei kleineren Bränden das Amt. Im Juli hatte es einen Großbrand auf 400 Hektar Fläche gegeben.

Die Lieberoser Heide liegt nördlich von Cottbus. Sie erstreckt sich auf etwa 25 500 Hektar Fläche und besteht aus Sandgebieten, Heideflächen, aber auch zum Teil aus Wäldern. Das Heideland-Gebiet war viele Jahrzehnte ein Truppenübungsplatz, einer der größten zu DDR-Zeiten. Russische Soldaten machten dort Schießübungen.

Auch andernorts in Brandenburg stehen Flächen noch unter Kampfmittelverdacht. Nach Angaben des Innenministeriums handelt es sich insgesamt um rund 350 000 Hektar zivil genutzter Flächen. Hinzu kommen demnach etwa 200 000 Hektar Militär- oder Konversionsfläche. Konversion bedeutet die Umwandlung von Militärflächen in eine zivile Nutzung.

Ein Beispiel dafür sind Kasernenflächen, die zu Wohnraum werden. Nur die Waldgebiete betrachtet, stehen nach Angaben des Ministeriums rund 280 000 Hektar Fläche unter Kampfmittelverdacht in Brandenburg. Dabei sind besonders viele Flächenanteile in den Kreisen Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Spree-Neiße und Oder-Spree.