Es gibt viele Hinweise darauf, dass tief unter dem Märkischen Sand das "schwarze Gold" verborgen liegt, in großen Mengen. Die Lagerstätte an sich gilt als gesichert. Doch wie gut es gefördert werden kann, weiß bisher keiner. Von der Fließfähigkeit des Rohstoffes aber hängt ab, ob am Ende auch Geld "fließt". Seit Anfang Dezember mahlt sich deshalb ein Bohrmeißel zwischen Biebersdorf und Krugau tiefer und tiefer ins Erdinnere hinein. Er soll den Weg bahnen, damit aus einer positiven Annahme eine Gewissheit werden kann.

Ein Stück Acker am Waldrand zwischen den beiden Märkische-Heide-Dörfern hat sich seit dem Sommer in eine Baustelle verwandelt. Sickerdichter Beton ersetzt nun die lockere Krume, zwei Becken fangen Regen- und Waschwasser auf zur späteren Entsorgung, Büro- und Sanitärcontainer stehen in Reih und Glied, ein Wachschutz sichert das Gelände. Seit kurzem erhebt sich nun auch ein Bohrturm aus Stahlträgern über die Märkische Ebene. Und seit rund 14 Tagen fährt in ihrem Inneren der Topdrive unablässig auf und ab. Topdrive, so wird der Motor genannt, der die Rohre ins Erdinnere vorantreibt. Beton versiegelt sie, Rohr für Rohr, nach außen, damit kein Grundwasser gefährdet werden kann, bis eine gewisse Tiefe erreicht ist. Die neun Meter langen Rohre werden dabei zu einem Bohrstrang verschraubt, an dessen Ende der Meißel sitzt.

"Was wir unten zerbohren, muss raus", so erklärt es André Beck. "Da kommt die Bohrspülung ins Spiel. Sie ist für uns ganz wichtig, weil sie das Bohrklein durchs hohle Bohrgestänge nach oben holt und alles kühlt und schmiert." Der leitende Bohringenieur der Firma CEPetroleum liebt es, diesen Prozess zu erklären. Mit einem Lächeln entschuldigt er, dass das manchmal etwas länger dauert - er ist einfach so begeistert. Um die Vorgänge verständlich zu erklären, greift er ohne Umschweife auch schon mal zu Stift und Papier und malt das Ganze einfach auf.

Sein Anliegen - und das von CEP-Sprecher Jens Müller - ist es auch, Besuchern Ängste zu nehmen. Nein, es werde kein Fracking eingesetzt, werden beide nicht müde zu betonen. Beim Fracking wird Gestein in der Tiefe horizontal mit chemischen Lösungen aufgesprengt. Nein, es wird im Falle der Förderung nicht die ganze Märkische Heide voller Nickpumpen stehen. Und ja, die Lösung, die das Bohrklein nach oben trägt, besteht aus Wasser, Ton, um sie zu beschweren, und Salz. Große Säcke mit der Aufschrift NaCl stehen neben dem Bohrturm, nicht weit entfernt von den Sieben, die die Flüssigkeit vom Gestein trennen.

Die Bohrspülung richtig auszubalancieren, scheint dabei eine Wissenschaft für sich zu sein. Der Ton sei dazu dazu, erklären Beck und Müller, die Viskosität zu erhöhen, die Flüssigkeit also etwas zäher zu machen. Dringt der Meißel weiter in die Tiefe vor, wird Barit, fein gemahlenes Gesteinsmehl, beigemischt, um das Gewicht zu erhöhen und dem ansteigenden Druck damit begegnen zu können. Das Salz soll verhindern, dass sich aus den Salzschichten weiteres ungewollt in der Spülung auflöst.

An der Oberfläche wird das Bohrklein von der Flüssigkeit durch große Siebe wieder getrennt, das angereicherte Wasser wieder und wieder in die Tiefe gepumpt. Ein klitzekleiner Teil des Gesteins wandert direkt unter das Mikroskop von Geologen Manfred Hauptmann. Der Rest wird von einer Fachfirma entsorgt.

Anhand der Gesteinsbeschaffenheit sammelt Geologe Hauptmann beständig Erkenntnisse darüber, was unter der Krugauer Ackerkrume wirklich liegt. Während sich der Bohrmeißel mit einer Geschwindigkeit von etwa zehn Metern pro Stunde in die Tiefe vorarbeitet, werden die Fachleute immer neugieriger, wie es um das angenommene Ölvorkommen wirklich bestellt sein mag. Der Meißel wird während des Vorgangs regelmäßig ersetzt durch immer kleinere. Begonnen wird an der Oberfläche mit einem Rohrdurchmesser von 66 Zentimeter. Ganz unten sind es dann nur noch 15 Zentimeter. Entsprechend variieren die eingesetzten Bohrköpfe von Findlings- bis gut Handtellergröße.

Am gestrigen Dienstagabend befand sich der Bohrmeißel in einer Tiefe von 690 Metern. Bis zum Ziel ist es noch weit. Ein paar Wochen müssen sich die Fachleute noch in Geduld üben bis zur erdölführenden Schicht. Die Spannung steigt.

Zum Thema:
"Bohrung Märkische Heide 1" ist die offizielle Bezeichnung der Baustelle von CEPetroleum bei Krugau. Bei der Suche stützt sich das Unternehmen auf eine großflächige, dreidimensionale Untersuchung der oberen Erdkruste (Seismikmessung). Unternehmensangaben zufolge wird der Bohrturm im Februar 2016 wieder abgebaut. "Zusätzliche Erkenntnisse über die Lagerstätte kann ein mehrwöchiger Testbetrieb im Frühjahr erbringen", heißt es weiter. CEPetroleum hat bereits eine Probebohrung nahe Guhlen durchgeführt und plant perspektivisch mit einer weiteren.