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Blumenfelde feiert heute 150. Jahrestag

Blumenfelde im Jahr 1950.
Blumenfelde im Jahr 1950. FOTO: privat
Das ehemalige Erblehngut mit Rittergutsqualität Blumenfelde, südwestlich vor den Toren der Stadt Lübben, feiert heute Geburtstag. Am 15. Januar 1858 wurde der Name „Blumenfelde“ erstmals urkundlich erwähnt. Von Frank Selbitz

Für die 27 Bewohner des "Dörfchens" ist das der Grund zu feiern. So klein Blumenfelde ist, gehört es wegen der Wetterstation zu den weltweit bekannten Orten im Spreewald. Denn jährlich verlassen etwa 1,6 Millionen Wetterinformationen diesen Messplatz.
Wer von Luckau kommend den Weinberg erklommen hat, sieht rechter Hand, mitten im Feld, die kleine Ansiedlung. Dominierend ist der Wohnblock, der dem Ensemble scheinbar sein Gepräge gibt. Doch in seinem Schatten befindet sich das alte Blumenfelde mit dem unverwechselbaren Fachwerkbau und einem Teich.
Aus dem Jahr 1697 datieren die ältesten urkundlichen Belege, in denen von acht Erblehnäckern nebst Fleck bei der Vogelstange die Rede ist, womit der Geleitsamtmann Adam Friedrich Leupolt und seine Kinder belehnt wurden.

Horndrechsler war Eigentümer
41 Morgen (etwa zehn Hektar) groß war das Areal, das in der Gerichtsbarkeit zu Lübben gehörte. Unter dem Namen "Bluemnfelde" wurde es 1858 als Eigentum des Horndrechslers Lehmann geführt und als auf der Lübbener Staffelfeldmark gelegenes Vierhufsches Erblehngut mit Rittergutsqualität bezeichnet. Im Jahr 1859 wurden fünf Personen in einem Wohngebäude verzeichnet. 1900 waren es neun Menschen und 1910 sechs, wobei Eigentümer die Familie Gohmert war.
Die Tochter Pauline Gohmert, geboren am 2. August 1882 auf Blumenfelde, hatte 1907 den Buchbindergesellen Alfred Schwiesow geheiratet. Als Geschenk des Brautvaters, Rittergutsbesitzer Eduard Gohmert, wurden Buchbinderei und Papiergeschäft Alfred Schwiesow 1907 in Lübben, Breite Straße 36, gegründet (die RUNDSCHAU berichtete).

1921 nach Steinkirchen eingemeindet
Blumenfelde war zu Steinkirchen eingepfarrt, wenn es auch erst im Jahr 1921 nach Steinkirchen eingemeindet wurde. Zu dieser Zeit hatte der Abbau von Lehm für die nahe Ziegelei an der Feldstraße (später Sero) bereits begonnen und eine kleine Eisenbahn transportierte den Lehm aus der Grube. Als Teiche sind beide Gruben noch heute deutlich sichtbar erhalten. Im Geländeprofil sind die Abtragungen noch immer erkennbar.
Die Fabrik erwarb 1935 vom damaligen Besitzer Kuhn im Rahmen einer Zwangsversteigerung die Familie Hirschland, Besitzer der Ziegelei an der Ziegelstraße, wo sich heute das Einkaufszentrum befindet. Der Ziegeleibetrieb wurde eingestellt, das Gut Blumenfelde 1942 an die Stadt Lübben verkauft.
Zu DDR-Zeiten wurde in Blumenfelde ein Reiterhof betrieben. Doch zusehends zerfiel das ehemalige Gut. 1981 begannen die PGH Dachdecker "Spreewald" und die LPG Lübben, auf den Grundmauern der alten Scheune einen Wohnblock für ihre Mitarbeiter zu errichten. Von 1983 bis 1984 rekonstruierte die Lübbener Wohnungsbaugesellschaft das ehemalige Herrenhaus samt Gesindewohnungen. Seitdem ist Blumenfelde, abseits der Stadt und des großen Verkehrs gelegen, eine idyllische Wohnlage mitten im Grünen geworden.
Als 1987 der Aufbau der Wetterstation begann, ahnte noch niemand, dass der einstige Platz bei der Vogelstange heute etwa 1,6 Millionen Informationen jährlich über Lübben und den Spreewald in die ganze Welt liefert und somit mehr als nur ein "Dörfchen im Blumenfeld" ist, sondern ein Werbeträger für den Spreewald. Doch bei all der modernen Technik der Station ist der Gutscharakter erhalten geblieben. Denn noch immer bestimmen auch Schafe, Gänse, Enten und Hühner das Bild von Blumenfelde, das heute mit einem großen Lagerfeuer seinen 150. Jahrestag feiert.