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| 15:00 Uhr

Lieberose
Blumen für die Opferder Barbarei

Amtsdirektor Bernd Boschan, Staatssekretärin Daniela Trochowski und der Stadtverordnete Horst Dommaschk legen einen Kranz im Ringgrab nieder.
Amtsdirektor Bernd Boschan, Staatssekretärin Daniela Trochowski und der Stadtverordnete Horst Dommaschk legen einen Kranz im Ringgrab nieder. FOTO: Jörn Tornow / MOZ/Jörn Tornow
Lieberose. Gedenken am Mahnmal Lieberose aus Anlass des 73. Jahrestags der Befreiung des KZ Sachsenhausen.

An der KZ-Gedenkstätte in Lieberose haben Angehörige von im Lager ermordeten italienischen Häftlingen und andere Gäste der Gedenkveranstaltung Kränze niedergelegt. Der Gedenkstättenverein hatte aus Anlass des 73. Jahrestags der Befreiung des KZ Sachsenhausen eingeladen.

Es ist ein würdiges Ritual: Gemessenen Schrittes erklimmen die Teilnehmer der Gedenkfeier den Hügel, der auch als Galgenberg bekannt ist. Auf dessen Kuppe befindet eine ringförmige Anlage mit einer großen runden Bronzeplatte im Zentrum. Unter der Platte befindet sich eine Urne mit den sterblichen Überresten von Menschen, die im Februar 1945 von SS-Wachmannschaften erschossen worden waren. Die Gäste der Gedenkfeier, darunter Angehörige von im Lager ermordeten italienischen Häftlingen, legen Blumen und Kränze nieder. Eine ältere Dame wird von ihrem mitgereisten Sohn gestützt, Tränen fließen. Steine werden nach jüdischem Ritual auf der Grabplatte angelegt.

Die sterblichen Überreste von 577 Opfern wurden 1971 in einer Kiesgrube bei Staakow entdeckt, ausgegraben, und eingeäschert. Am 6. Mai 1973 wurde das Ringgrab, wie es seither heißt, eingeweiht. Die Anlage wurde von dem Gartenarchitekten Hugo Namslauer gestaltet, die Bronzeplatte über der Urne schuf Walter Kreisel.

Die Einweihung des Mahnmals vor 45 Jahren war ein weiterer Anlass für die Gedenkveranstaltung am Montag. Inzwischen sind mehrere Tafeln mit Namen von im Lager umgekommenen oder ermordeten Insassen an der Innenwand der Anlage angebracht. Wie der Leiter des Gedenkstättenvereins, Peter Kotzan, erinnert, wurde die erste Tafel im Jahr 1995 von der Familie Wollner aus Israel installiert. Mauritio Angelo, Sohn des im Lager umgekommenen Angelo Asculi, dankte den Ehrenamtlichen, die sich um das Andenken an die Opfer bemühen, allen voran dem Leiter des Museums an der Gedenkstätte, Peter Kotzan.

Daniela Trochowski, die als Staatssekretärin der Finanzen die Landesregierung repräsentierte, würdigte, dass das Museum am Fuße des Ringgrabs nicht nur Erinnerungsort, sondern auch Ort der Bildungsarbeit, vor allem mit Jugendlichen, ist. Außerdem hob sie das Museumskonzept, das bewusst mit fotografischen Porträts der Opfer arbeitet, hervor. „Gut, dass es eine Stätte gibt, die den Opfern ein Gesicht gibt.“

Die Schülerinnen Maylis und Inessa Koick sowie Hanna Zachau von der Ludwig-Leichhardt-Oberschule in Goyatz fotografierten einige Szenen der Gedenkveranstaltung und machten sich Notizen. „Wir schreiben über diesen Tag einen Artikel für das Jahrbuch unserer Schule.“

Am Ringgrab gab es in der Vergangenheit immer wieder auch Kritik. Hintergrund ist, dass die durch die staatlichen Behörden im Jahr 1971 angeordnete Einäscherung der sterblichen Überreste nicht jüdischem Brauch entspricht. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sich das Mahnmal nicht am tatsächlichen Tatort befindet. Der liegt einige Kilometer weiter auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Nebenlagers Lieberose in Jamlitz. Dort ist erst am Montag im Beisein von jüdischen Überlebenden ein Gedenkort eingeweiht worden, der die Erinnerung an das Massaker an 1342 Häftlingen im Zuge der Liquidierung des Lagers wach halten soll.