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Blühende Heide und gefüllte Pilzkörbe

Vier Liter pro Sekunde liefert Pintschens Quell bei Byhlen.Noch immer weisen Schilder auf Munitionsgefahren hin. Die Förster raten, sie nicht zu ignorieren.Revierförster Romeo Buder (l.) berichtete von der reichhaltigen Tierwelt der Lieberoser Heide. Allein 20 Spring spinnen-, 60 Schmetterlings- und 22 Heuschreckenarten leben auf dem 27 000 Hektar großen Areal.
Vier Liter pro Sekunde liefert Pintschens Quell bei Byhlen.Noch immer weisen Schilder auf Munitionsgefahren hin. Die Förster raten, sie nicht zu ignorieren.Revierförster Romeo Buder (l.) berichtete von der reichhaltigen Tierwelt der Lieberoser Heide. Allein 20 Spring spinnen-, 60 Schmetterlings- und 22 Heuschreckenarten leben auf dem 27 000 Hektar großen Areal. FOTO: Fotos/3: Richter
Ein blühendes Heidemeer, ein Quellgebiet, ein verborgenes Hochmoor, hundert Meter hohe Berge und vor allem endlos viel Wald gab es auf der letzten Sommertour des Jahres 2007 der LAUSITZER RUNDSCHAU zu bestaunen. 45 Neugierige gingen mit dem Byhlener Revierförster Romeo Buder auf Exkursion durch die westliche Lieberoser Heide. Die Besucher erfuhren jede Menge über verschiedene Waldbilder, Naturschutz und über die militärische Vorgeschichte. Von Torsten Richter

„Waldmeer, Sandmeer, nichts mehr“ , heißt es augenzwinkernd in einem älteren Reiseführer über die Lieberoser Gegend. „Der frühere Turnower Förster hat mal zu mir gesagt, was willst du denn in der Lieberoser Heide, dort gibt es doch nichts außer Bäume“ , erzählte Sommertourist Christian Hähnlein, der zugleich als Vorsitzender des Fördervereins Nationalpark Lieberoser Heide amtiert. Schon oft hat er das riesige Waldgebiet erkundet, trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, an der gestrigen Exkursion teilzunehmen. „Denn es ist schon bemerkenswert, wie viele Leute sich für den Wald interessieren.“
Hähnlein sollte Recht behalten, 45 Menschen wollten mit Revierförster Romeo Buder auf Tour gehen. Bereits an Pintschens Quell, keine 200 Meter vom Byhlener Forsthaus entfernt, begannen die Sommertouristen, Buder auszufragen. „Woher kommt denn die Bezeichnung ,Pintschens Quell'?“ wollte einer wissen. „Es könnte sich um einen früheren Quellwärter gehandelt haben“ , vermutete Buder. Ein anderer interessierte sich für die Historie: „Die Anlage hat ab dem Jahr 1820 zur Wasserversorgung des rund sieben Kilometer entfernten Straupitzer Schlosses sowie der Brennerei des Ortes gedient“ , so Buder.

Früher und heute Grenze
Heute ist die Quelle ein beliebter Rastplatz direkt am Westrand der Lieberoser Heide, in welche die Exkursion anschließend führte. Zunächst ging es motorisiert zum Forstort „Drei Grenzen“ . „Hier stießen früher die Standesherrschaften Straupitz, Lieberose und der Königlich Preußische Forstbesitz zusammen. Heute treffen an der Stelle die Ämter Lieberose/Oberspreewald und Peitz zusammen“ , erklärte der 47-jährige Revierförster.
Per pedes liefen die Sommertouristen von „Drei Grenzen“ immer tiefer in die Heide hinein. Buder gab Ausführungen zu verschiedenen Waldbildern. Die Besucher erfuhren beispielsweise, dass die Birke längst nicht mehr als „forstliches Unkraut“ , wie noch vor 20 Jahren, gelte. „Ganz im Gegenteil, sie ist uns willkommen. Schließlich ist ihr Laub für die Humusbildung gut, und sie kann schon nach wenigen Jahrzehnten genutzt werden“ , sagte Romeo Buder. Hauptbaumart in der Lieberoser Heide sei die Kiefer. „Sie dominiert natürlich das Waldbild“ , so Buder. Nur ihre Ernte würde sich in der Lieberoser Gegend oft schwierig gestalten. „Die Stämme sind zwar schwer, aber vom Metall“ , erklärte der Forstmann. Schließlich sei die Heide von 1944 bis 1992 militärisch genutzt worden.
Davon würden auch großflächige ehemalige Waldbrandflächen künden. „In manchen Jahren gab es über 300 Brände“ , erinnert sich Buder. Vor allem die Angestellten des damaligen Militärforstbetriebes Lieberose hätten dazu beigetragen, dass sich die meisten Feuer auf eine relativ geringe Fläche beschränkten. „Aufgrund ihrer Erfahrung wussten die Leute, wo es zum Löschen zu gefährlich ist“ , erzählt Buder. Schließlich lagere in manchen Teilen der Heide noch heute die Munition bis in einer Tiefe von sechs Metern. Längst nicht alle Waldgebiete wären beräumt. „Es würde in die Millionen, vielleicht sogar in die Milliarden gehen, sämtliche gefährliche Stoffe aus dem Wald zu entfernen“ , so Forstmann Romeo Buder. Immerhin seien die Hauptwege abgesucht und beräumt worden.
Tief beeindruckt zeigten sich die Sommertouristen von einer rund 150 Hektar großen blühenden Heidefläche. „Es ist einfach wunderschön hier“ , resümierte Annerose Schwarz, die mit ihrem Mann Werner und Enkeltochter Lena aus Lübben gekommen war. Werner Schwarz war bereits fündig geworden: „Herrliche Pfifferlinge wachsen hier. Die sehen so appetitlich aus.“ Es dauerte nicht lange, und das Körbchen war gefüllt. Auch weitere Besucher gingen mit einem Festessen aus der Heide nach Hause.

Ohne Feuer keine Heide
„Wir brauchen uns nicht vor der Lüneburger Heide verstecken“ , sagte Romeo Buder forsch. Das Vorkommen des Heidekrautes deute stets auf einen früheren Brand hin. Nach jedem Feuer treibe es neu aus.
Darüber hinaus besichtigten die Besucher das Trockene Luch, ein für die Niederlausitz untypisches Hochmoor. Trockenes Fußes ging es anschließend zu Rampe sechs, einer neu erbauten Schutzhütte, wo das Sommertourjahr 2007 mit einem Imbiss sein Ende fand.