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Bildung, Schutz und Spiel: Vortrag über Kinderrechte

Lübben. Vor fast vollem Saal im Lübbener Restaurant Spreeblick hat Professor Dr. Jörg Maywald am Montagabend einen spannenden Vortrag mit vielen Beispielen gehalten. Ingvil Schirling

Darf ein Kind in gesundheitlich kritischem Zustand selbst entscheiden, ob es eine Herzoperation möchte? Was genau versteht man unter Kinderrechten? Braucht es überhaupt eigene Kinderrechte?

Jörg Maywald sagt Ja. Auf Einladung des Lübbener Lions-Clubs referierte er vor Mitgliedern und einer ganzen Reihe von Erzieherinnen aus der Region, zerlegte detailreich reale, zum Teil hoch strittige Geschichten in ihre juristischen und ethischen Aspekte, ordnete die Entwicklung aus der Rechtlosigkeit von Kindern hin zur Ratifizierung ihrer UN-verbrieften Rechte durch alle Länder der Welt (außer den USA) in die Historie ein und stellte sich gern der Diskussion.

Eine der wichtigen Erkenntnisse: Zu den Rechten von Kindern gehört noch viel mehr als ihr Schutz, an den viele bei diesem Thema zuallererst denken. Das Recht auf Ruhe, Freizeit und Spiel zum Beispiel, unterstrich Maywald. In der UN-Kinderrechtskonvention steht dieser Punkt für sich, ist also kein Unterpunkt des Rechts auf Bildung, betonte der Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind, der seit 2002 auch Sprecher für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland ist. Grob lassen sich die Kinderrechte in drei Bereiche unterteilen: den Schutz (der auch den vor Unfällen, Medien, Diskriminierung und für Gesundheit umfasst), die Förderung und die Beteiligung. Ganz grundsätzlich hat das Kind das Recht, dass seine Meinung gehört und altersangemessen berücksichtigt wird - ein Punkt, der deutlich macht, warum es eigene Kinderrechte geben muss, so Maywald.

Wie strittig das aber werden kann, machte das Beispiel einer 13-jährigen, schwer kranken Engländerin deutlich. Nach mehreren Chemotherapien und Bestrahlungen erwies sich ihr Körper als so geschwächt, dass aus übereinstimmender Ärztesicht nur eine Herztransplantation - bei allen Risiken - Aussicht auf Erfolg gebracht hätte. Das Kind entschied sich dagegen, die Ärzte klagten, das Kind bekam vom obersten englischen Gericht Recht, erzählte Maywald den realen Fall. Sie lebt noch heute - nachdem sie sich ein halbes Jahr später doch für die Operation entschied.

Die nächste Veranstaltung des Lübbener Lions-Clubs ist die Einladung von Kindern zu einem unbeschwerten Ferientag in den Kletterwald am 23. Juli.