Gerüste rauf und runter laufen, Holz hin und her tragen. Der Lübbener Zimmermann Ottmar Radlow war in seinem Beruf immer in Bewegung. Vor neun Jahren geschah etwas, das dem heute 69-Jährigen seine Unbeschwertheit an der Bewegung raubte. Etwas das ihn vorsichtig machte, das ihn daran hinderte, wie eh und je von der untersten Ebene der Rüstung einfach die letzten Zentimeter bis zum Boden zu springen.

Ein Bausturz verursachte Schmerzen im Schultergelenk. Kein Grund zur Beunruhigung für ihn und seinen Orthopäden. Es kamen Medikamente. Was blieb war der Schmerz. Nach einem halben Jahr machte der Orthopäde eine Knochendichtemessung. Das Resultat: Osteoporose.

"Ich war entsetzt", erinnert sich der Zimmermann. Niedrige Knochenmasse gleich gehäuftes Auftreten von Knochenbrüchen. Das ist die vereinfachte Rechnung der Osteoporose-Diagnose. Im Ergebnis bedeutete das für Ottmar Radlow, mit der Angst zu leben, dass bei einem kleinen Sturz seine Knochen brechen könnten.

Trotzdem kletterte der Zimmermann noch vier Jahre auf Rüstungen herum. Bis zu seiner Rente. "Ich bin schmerzfrei", sagt er heute. Die Medikamente wirken.

Wie jeden Dienstag sitzt der 69-Jährige auf einer Couchlandschaft im Reha-Zentrum und wartet, dass die Physiotherapie beginnt. Dass er eine Stunde vor dem Termin erscheint, ist Absicht: Vor der Bewegung halten die Mitglieder der Osteoporose-Selbsthilfegruppe gerne noch ein Schwätzchen miteinander und essen dabei Pralinen. So auch Adelheid Schröter. Seit zehn Jahren hat sie Osteoporose, doch ihre Schmerzen sind nie ganz weg. "Der Schmerz ist immer da. Manchmal stark, manchmal schwächer und manchmal vergesse ich ihn", sagt die 65-Jährige. Das Schlimmste war, erinnert sie sich, dass der Schmerz mal ein ganzes Jahr nicht vergehen wollte. Alle Gedanken würden dann immer um diesen Schmerz herumkreisen, sagt sie.

Wie der Zimmermann muss auch die 65-Jährige seit der Diagnose auf ihre Bewegung achten. So darf sie umarmt aber nicht gedrückt werden. Auch ihren Kopf darf sie nicht zu sehr nach rechts oder links dehnen. Dann bekäme sie einen Schmerz, wie wenn ein Wirbel eingeklemmt ist. Die Selbsthilfegruppe tut ihr gut, wie sie sagt. Neben den Schwätzchen und Pralinen unternehmen die Mitglieder der Gruppe viel gemeinsam. Ob Picknick mit Stullen und Sekt oder Nordic Walking. Die Gruppe bringt Bewegung in das Leben der Mitglieder.

Um 16.15 Uhr öffnet die Physiotherapeutin Wenke Schröder die Tür zur Turnhalle. Eine Minute später liegen die Mitglieder der Selbsthilfegruppe auf grünen Matten. Dann ist es mit den Schwätzchen vorbei. Hier hat die Physiotherapeutin das Sagen und sie sagt: "Spannung aufbauen! Ziehen sie noch! Schaffen sie noch! Immer weiter! Noch nicht aufgeben!"

Zum Thema:

Osteoporose, auch unter dem Namen Knochenschwund bekannt, ist eine Krankheit, die sich durch einen stark fortschreitenden Verlust an Knochensubstanz bemerkbar macht. Positiv wirken sich vor allem Ruhe, Wärme und moderate körperliche Aktivität sowie Gymnastik aus. Die Lübbener Selbsthilfegruppe will einerseits zum gemeinsamen Aktiv sein motivieren, aber auch im Gespräch, in Kursen und Vorträgen Tipps über den Umgang oder zur Überwindung der Krankheit geben. Zudem sollen Wanderungen und gemeinsame Ausflüge die gesellschaftlichen Kontakte fördern. Weitere Informationen zur Selbsthilfegruppe Lübben für Osteoporose gibt es unter Telefon 03546 2630 oder 03546 180977.