Stadtbrände, Kriege und DDR-Politiker setzten ihm zuvor immer wieder zu. Eine neu eröffnete Ausstellung zeigt die bewegte Geschichte des Bauwerks.

Gestaltet wurde die Ausstellung von Kurator Herbert Schirmer. Im Innern des Kirchturms sind auf drei Ebenen Text- und Bildtafeln angebracht, die verschiedene Aspekte der Geschichte des Kirchturms zeigen. Doch zunächst beginnt die Ausstellung mit einem steilen Aufstieg. Durch eine kleine Tür, rechts neben dem Haupteingang, zwängt sich der Besucher hindurch, dann folgt eine enge Wendeltreppe und ein Durchbruch in der Wand, den man nur stark gebeugt durchschreiten kann. Dann endlich ist man im geräumigeren Hauptteil des Turms angekommen und steht auch schon vor den ersten drei Tafeln.

"Hier wird der Kirchturm im Wandel der Zeit dargestellt", erzählt Schirmer. "Er hat im Laufe der Jahrhunderte vieles mitmachen müssen. Insgesamt 14 Stadtbrände gab es seit 1395, bei denen auch immer wieder der Turm oder die Kirche in Mitleidenschaft gezogen wurde." Zu sehen gibt es auch eine seltene Zeichnung der Kirche, die diese um 1830 mit einer Halle als Vorbau zeigt: "Viele Leute wissen von dieser Konstruktion gar nichts. Ich bin froh, dass wir dieses Bild zeigen können."

Dann geht es hinauf zum zweiten Teil. Mitten auf der Treppe, kurz über den hängenden Glocken, sind weitere Tafeln angebracht. Schirmer: "Hier geht es speziell um die drei Glocken des Kirchturms, die natürlich nicht mehr die Originale aus dem Mittelalter sind." Vielmehr wechselten sie oft, besonders während der Kriegsjahre. "Im Ersten Weltkrieg wurden die Glocken eingeschmolzen", erzählt Schirmer weiter. "Metall wurde damals stark in der Rüstungsindustrie benötigt.

" 1945 schmolzen die Glocken dann im Turm während eines Brandes. Die Stadt hatte eigentlich schon kapituliert, dennoch verschanzten sich einige deutsche Soldaten unter der Turmhaube und lieferten sich ein Gefecht mit den russischen Truppen. Der Turm wurde dabei in Brand gesetzt, Turmhaube und Zwischendecke komplett zerstört.

Dergestalt kopflos blieb der Kirchturm auch in den nächsten Jahrzehnten. Die Nachkriegs- und DDR-Jahre werden im letzten Teil der Ausstellung, auf der Aussichtsplattform, behandelt. "Hier sieht man auch mehrere Entwürfe des Architekten Peter Schuster für die neue Turmhaube", führt Schirmer aus, "die dann 1988 aufgesetzt wurde." Ein Foto zeigt die Haube am Kran und dahinter den prall gefüllten Marktplatz, mit den zuschauenden Lübbenern. Dass die Kirche zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch stand, war jedoch fast ein Wunder. Die DDR-Führung wollte den teils ruinösen Bau schon 1967 sprengen. Dieses Schicksal ereilte bereits anderen Kirchen im sozialistischen Staat.

Doch ein Bausachverständiger setzte schließlich durch, dass die Kirche erhalten blieb. Er überzeugte die Zuständigen, dass eine Instandhaltung finanziell günstiger wäre. Und so kann heute auch die Ausstellung mit den Bildern von Lübbens frisch renoviertem Kirchturm enden.

Die Ausstellung kann im Rahmen von Stadtführungen besichtigt werden.