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Bewegender Abschied von Bürgermeister Winfried Rekitt

Straupitz. In einer bewegenden und würdevollen Trauerfeier haben Familie und Freunde, Weggefährten und Straupitzer Einwohner am Samstag Abschied von Bürgermeister Winfried Rekitt genommen. Er war vor drei Wochen unerwartet gestorben. I. Schirling

Dass der 72-Jährige so unvermittelt gehen musste, war ebenso Thema wie sein Lebensweg vom Geburtsort in Königsberg/Kaliningrad nach Straupitz und schließlich seine unbestrittenen und unvergleichlichen Verdienste um den Oberspreewald-Ort. Pfarrer Christoph Hanke bezog sich in seiner Predigt auf Psalm 90, 10 bis 17. "Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre" heißt es darin; "und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon." Später folgt der Satz: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."

Bei aller Wertschätzung ließ Hanke Konflikte zwischen Winfried Rekitt und Kirche nicht aus, die darauf fußten, dass der damalige Schuldirektor "gläubiger Kommunist", so nannte es der Pfarrer, zu DDR-Zeiten war. Er rechnete es ihm hoch an, dass ihm seine Zugehörigkeit zum damaligen System "später nie Ausflucht gewesen ist". Auch um die Frage, ob ein Trauergottesdienst in der Kirche gehalten werden solle, habe es Diskussionen gegeben, sagte der Pfarrer. Bei aller Ehrlichkeit gegenüber der Vergangenheit unterstrich er aber: "Wo wir uns nicht ernsthaft um Vergebung bemühen - in der Familie, im Ort, in unserer Umgebung - wird das Klima der Vergiftung weiter bestehen. Es muss die Möglichkeit des Neuanfangs geben."

Nach der politischen Wende wurde Winfried Rekitt zum Straupitzer Bürgermeister gewählt und blieb es 22 Jahre lang. Er machte den Ort zu dem Schmuckstück, das er heute ist. Angefangen vom ersten Großereignis, der 700-Jahrfeier im Jahr 1994, wie Chronist und stellvertretender Bürgermeister André Urspruch erinnerte, über umfänglichen Straßenbau, die Großprojekte Holländerwindmühle und Kornspeicher bis hin zum scheinbar Unmöglichen, dem Bau der Kirchstraße, dessen Vollendung er nicht mehr erleben durfte.

Amtsdirektor Bernd Boschan stellte die Erfahrung, das Wissen und das Einfühlungsvermögen in den Vordergrund, das Winfried Rekitt beim Aufbau der beiden Ämter und ihrer Zusammenführung zu Lieberose/Oberspreewald eingebracht hatte. Er verliere einen väterlichen Freund, mit dem ihn die Liebe zum gesprochenen Wort geeint habe. Rekitts rhethorische Begabung erwähnten alle Redner. Für Kreistagsvorsitzenden und Landrat a.D. Martin Wille (SPD) war es ein "persönliches Bedürfnis, ein Gruß- oder vielmehr: Dankeswort zu sprechen", sagte er. Winfried Rekitt sei ein außerordentlich engagierter Bürgermeister und großartiger Mensch gewesen, den er sehr geschätzt habe als fairen und verlässlichen Partner in der Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Amt und Landkreis. Ausnahmslos gingen alle Redner auf Rekitts Humor ein, seine Bereitschaft, sich auf jeden Spaß einzulassen - besonders in wechselnden Kostümierungen vom Neptun bis zu Ludwig Leichhardt. Mit großer Hochachtung sprach Daniel Schulz als Vertreter der Straupitzer Vereine von dem, "was er für die Jugend getan hat" - ihnen beispielsweise einen Treffpunkt am gleichen Ort wie den Eisenbahnfreunden der Spreewaldbahn zu geben. Er war "als Bürgermeister der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort", sagte Pfarrer Hanke. "Bei allem Schmerz sind wir dankbar für das, was Winfried Rekitt geleistet hat", schloss Martin Wille.