Er zielt speziell auf jugendliche Flüchtlinge und will sie über Deutsch-, Mathe-, Wirtschafts- und Sozialkundeunterricht sowie über einen Schwerpunkt in beruflicher Orientierung fit machen für eine Ausbildung.

Gute Deutschkenntnisse

Voraussetzung sind, das unterstrich Klaus-Ulrich Tölpe mehrfach, gute Deutschkenntnisse. Der Leiter des Oberstufenzentrums Dahme-Spreewald stellte Kreistagsabgeordneten im Bildungsausschuss am Dienstag das neue Projekt vor, das kommendes Schuljahr starten soll.

Im Kern gliedert sich der zweijährige Bildungsgang in zwei Schwerpunkte auf. Einerseits soll in jeweils 160 Stunden Deutsch, Mathe, Wirtschafts- und Sozialkunde, 80 Stunden Sport sowie einem Wahlpflichtfach - voraussichtlich mit Schwerpunkt auf deutscher Sprache - Schulwissen vermittelt werden. Andererseits stehen 380 Stunden für die berufliche Orientierung zur Verfügung. Dabei verfügt das Oberstufenzentrum ohnehin über einen ganzen Strauß von Möglichkeiten. Ulrich Tölpe zählte neben Flugtechnik, einem breiten Spektrum an Hauswirtschaft bis hin zur Hotellerie auch Büro- und Metallberufe als Beispiele auf. Wie in der Berufsfachschule grundsätzlich, wolle die Schule auch die jugendlichen Flüchtlinge "so orientieren, dass sie das machen können, was zu ihnen passt", sagte er.

Der neue Bildungsgang soll am Standort Königs Wusterhausen angeboten werden. Beantragt sei bereits eine Lehrkraft, die die Aufgabe übernehmen kann. "Ich bin gespannt, ob es sie auf dem Markt gibt", wies Tölpe auf einen bisher offenen Punkt an dem Konzept hin.

Rund 100 Flüchtlinge betroffen

Einer aktuellen Schätzung zufolge leben rund 100 junge Flüchtlinge zwischen 16 und 18 Jahren im Landkreis, die von diesem Angebot profitieren könnten und für die die Schulpflicht gilt. "Wir können aber nicht auf diejenigen rekurrieren, die gerade angekommen sind und kein Wort Deutsch sprechen", machte Bildungsdezernent Carsten Saß (CDU) auch von seiner Seite die Grundvoraussetzung deutlich. "Mit dem Bildungsgang setzen wir darauf, eine Chronologie des Aufstiegs hinzubekommen." Dieses Konzept ist in den vergangenen Jahren in Dahme-Spreewald ohnehin beispielsweise mit dem Beruflichen Gymnasium ausgebaut worden. Spätzünder, die sich nicht schon in der Grundschule für das Gymnasium entschieden haben, können auch später noch ohne Zeitverluste das Abitur ablegen.

Bei den Flüchtlingskindern, konkretisierte Saß, richte sich das Angebot auch an diejenigen, "die mit 14 bis 16 Jahren hier ankommen, vielleicht zweimal die neunte Klasse machen und normalerweise extreme Schwierigkeiten hätten, einen Abschluss zu erzielen". Sie sollen mit dem Bildungsgang direkt weiter Richtung Ausbildung geleitet werden.

Die Schulpflicht, ergänzte Tölpe, "gilt in Deutschland bis zu dem Schuljahr, in dem man 18 Jahre alt wird". Wer vor Vollendung des 21. Lebensjahres eine Ausbildung beginnt, muss zudem die Berufsschule besuchen.