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| 17:06 Uhr

Holpriger Schulweg
Die Sandpiste soll weg

Der Geh- und Radweg entlang der B115/Berliner Straße beziehungweise Chaussee ist stellenweise seit vielen Jahren unbefestigt. Zuständig ist die Stadt Lübben nicht, weil es eine Bundesstraße ist. Dennoch sollen Lösungen, auch kurzfristige, gefunden werden.
Der Geh- und Radweg entlang der B115/Berliner Straße beziehungweise Chaussee ist stellenweise seit vielen Jahren unbefestigt. Zuständig ist die Stadt Lübben nicht, weil es eine Bundesstraße ist. Dennoch sollen Lösungen, auch kurzfristige, gefunden werden. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Geh- und Radweg an der B115 sollen endlich gebaut werden. Zur Not mit einem Provisorium. Von Ingvil Schirling und Andreas Staindl

Der Geh- und Radweg entlang der Bundesstraße 115, genauer gesagt an der Berliner Chaussee und Berliner Straße, ist in einem katastrophalen Zustand. „Wir haben jetzt 28 Jahre nach der Wende“, sagte Sabine Minetzke von Pro Lübben im Bauausschuss am Mittwoch. „Der Gehweg muss gesichert werden, egal wie.“

Die Fraktion Pro Lübben will nicht länger warten, schon gar nicht bis zur Sanierung der Bundesstraße, die voraussichtlich erst ab dem Jahr 2023 beginnen wird. Dann würden Geh- und Radweg normalerweise mit gebaut. Sie beantragt, die Maßnahme vorzuziehen.

Frank Selbitz begründete zu Wochenanfang im Bildungsausschuss: „Wir sollten für die Sicherheit in diesem Bereich endlich etwas tun.“ Der Abschnitt zwischen dem Brückenplatz und dem Kreisverkehr an der Wettiner Straße ist ihm zufolge „der am stärksten frequentierte Schulweg in Lübben und deshalb von hoher Bedeutung. Schulen, Kindertagesstätten sowie Kinder- und Jugendwohnanlagen liegen direkt am Weg.“

„Seit 1990 denken wir über den Geh- und Radweg in Lübben-Nord nach, haben verschiedene Vorschläge gemacht“, erinnerte der Fraktionschef. „Bisher wurde immer argumentiert, dass das Projekt mit der Sanierung der Bundesstraße erfolgt. Doch bis 2025, wie es das Landesamt für Straßenwesen jetzt bekanntgegeben hat, wollen wir nicht mehr warten.“

Der großteils katastrophale Zustand ist auch aus Verwaltungssicht unstrittig, stellte sich im Bauausschuss heraus. Der Seitenbereich ist streckenweise komplett unbefestigt, die Qualität der Oberflächen schlecht. Zudem fehlen die eindeutige Führung des Radverkehrs und Querungsmöglichkeiten. Pro Lübben beantragt deshalb die Planung und Ausschreibung der Baumaßnahme im nächsten Jahr sowie den Bau im Jahr 2020.

Dass sich die Verwaltung zu dem Missstand schon einiges an Gedanken gemacht hat, zeigte Petra Gutsche aus dem Bauamt auf. Demnach müsste entlang eines Abschnittes auf Höhe der Völkerfreundschaft, etwa von der Einmündung Hartmannsdorfer bis zur Einmündung Wettiner Straße, ohnehin der Regenentwässerungskanal erneuert werden. In diesem Zuge könnte der Geh- und Radweg erneuert werden, wofür auch Geld eingeplant sei.

Im weiteren Abschnitt bis zum Lehnigksberger Weg könnte – vorausgesetzt, es gibt einen Beschluss dafür – ein provisorischer Geh- und Radweg errichtet werden „mit einer Oberfläche, die später wieder abgerissen wird“, so Petra Gutsche, wenn die B115 ausgebaut wird.

Das ganz besondere „Sorgenkind“ sei der Abschnitt von der Berstebrücke um die Kurve bis etwa zur Höhe hinter der Schlosserei. Diesen unbefestigten Weg habe die Verwaltung bereits befestigen lassen wollen und daher von zwei Firmen Angebote abgefordert. Das erste sei überteuert gewesen, das zweite Unternehmen habe kein Angebot abgegeben, konstatierte sie. „Da sind wir nicht weitergekommen.“

Ein weiteres Problem aber sei, dass dort nur unter halbseitiger Sperrung mit Ampelregelung gebaut werden könne – in einem Zeitraum, in dem auch die B87 am Houwald-Damm grundhaft erneuert wird. Das führte im Bauausschuss zu großen Bedenken. „Da erzeugen wir ein Chaos in der Stadt, das man niemandem mehr erklären kann. Überlegt euch das“, sagte Reinhard Krüger (Die Linke).

Im Bildungsausschuss wurde dieser Punkt ebenfalls diskutiert. „Eine Großbaustelle in unserer Stadt sollte reichen“, sagte Jens Richter (CDU/Grüne). Dieser plädierte darüber hinaus dafür zu schauen, ob es noch dringendere Projekte in Lübben gibt.“

Frank Selbitz versteht die Bedenken, teilt jedoch die Befürchtungen in Bezug auf zwei Baustellen nicht: „Die Berliner Straße und die Berliner Chaussee sind vom Straßenbau im Houwald-Damm nicht betroffen. Sie müssen keinen zusätzlichen Verkehr aufnehmen.“

Die Stadtverordnetenversammlung entscheidet Ende September über den Pro-Lübben-Antrag, den Geh- und Radweg vorzuziehen. Im November will der Landesbetrieb Straßenwesen die Pläne für den Ausbau der B115 vorstellen, mit Geh- und Radweg vom Brückenplatz bis zur Hochbahn.