Für 27 Millionen Fluggäste ist die Planung derzeit ausgelegt. Rund 35 Millionen Abflüge werden derzeit in Schönefeld und Tegel zusammen gezählt. „Wir liegen also jetzt schon weit, weit drüber“, ordnete LDS-Baudezernent Chris Halecker (Die Linke) die Situation kürzlich vor Journalisten ein und beziffert den Überhang damit auf sieben bis acht Millionen Flugbewegungen. Das bislang völlig ungelöste Problem umfasst nicht nur den Straßenverkehr.

Landrat Stephan Loge (SPD) sprach an, dass sich in Schönefeld vermehrt Airlines angesiedelt haben, die sehr günstige Flüge anbieten, kurz Billigflieger genannt. Deren Kunden steigen anschließend oft nicht ins Auto, sondern in Busse, Züge, S-Bahnen, also in den öffentlichen Nahverkehr. Dabei sind die Pendlerzüge aus Cottbus und Berlin jetzt schon oft überfüllt.

Ob bei Chris Halecker, Landrat Stephan Loge oder Wirtschaftsförderer Gerhard Janßen: Die Unzufriedenheit mit der Situation ist deutlich spürbar. "Flughäfen sind globale Hotspots", sagt Janßen. "Mit dem Eröffnungstermin werden sich die Unternehmensansiedlungen noch deutlich verstärken", nennt er Branchen wie Bio- und Informationstechnologie, Luftfahrt oder Logistik. "Wir werden es ohne staatliche Unterstützung nicht schaffen, so schnell die Bedarfe zu decken", macht Janßen deutlich.

Jetzt schon gibt es ein großes Wirtschaftswachstum, allein aus dem Bestand an Unternehmen. Janßen rechnet mit rund 1000 Arbeitsplätzen mehr pro Jahr. Dazu kommen zumindest zum Teil die Angestellten des Flughafens Tegel, die möglicherweise in Schönefeld arbeiten werden.

Das zieht den Ausbau sozialer Infrastruktur nach sich, betont die Kreisspitze übereinstimmend: Kitaplätze müssen geschaffen werden, Wohnungen sind bereits kaum noch am Markt. Für den Ausbau der Schulkapazitäten ist ein erster Meilenstein gesetzt (in Schönefeld wird ein weiteres Gymnasium geplant und gebaut), weitere Pläne sind wahrscheinlich.

Zu den Baugenehmigungen für den neuen Flughafen bilanzierte Chris Halecker: "Seit 2005 wurden mit Stand 25. November 2016 genau 255 Baugenehmigungen für den BER vom Bauordnungsamt LDS erteilt. Das sind 250 Meter Akten." Inbegriffen seien 85 Gebäude, 96 Aufbauten für Mieter, der Rest Straßen, Parkplätze, Wege. 96 Prozent der Gebäude seien fertiggestellt. Noch nicht fertiggestellt seien der Pier Süd, das Empfangsgebäude und das Flughafenterminal. Die Entrauchung, bisher der Knackpunkt, sei am 6. Oktober abschließend genehmigt worden.

Nun sei der sechste Nachtrag an der Reihe. Er beinhalte die Unterlagen für die Grundsanierung an einem Gebäude, "das noch nie in Betrieb war", so Halecker. "So muss man sich das vorstellen, und das macht es so schwierig", erklärte er. Dieser sechste Nachtrag der notwendigen Baugenehmigungen solle auch der letzte sein. "Wir bezeichnen ihn scherzhaft als den ,Lumpensammler‘, dort wollen wir alles implementieren, was jetzt noch notwendig und wichtig ist", machte Halecker deutlich, dass er einem siebten Nachtrag mindestens reserviert gegenübersteht.