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| 17:30 Uhr

Benefizspiel „Wir für Fenia“
„Die Handballerfamilie lebt über die Region hinaus“

 Mirko Wolschke, Dieter Zwieb und Bert Orbanz spielen für den HC Spreewald wichtige Rollen - ganz wörtlich und im übertragenen Sinne. Mit der LR sprachen sie über den anstehenden Benefiznachmittag „Wir für Fenia“, ihre Verantwortung als Trainer und die Vorbildwirkung des Sports.
Mirko Wolschke, Dieter Zwieb und Bert Orbanz spielen für den HC Spreewald wichtige Rollen - ganz wörtlich und im übertragenen Sinne. Mit der LR sprachen sie über den anstehenden Benefiznachmittag „Wir für Fenia“, ihre Verantwortung als Trainer und die Vorbildwirkung des Sports. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben/Luckau. Am Samstag treten die „Spreewaldlegenden“ im Benefizspiel „Wir für Fenia“ gegen die erste Männermannschaft des HC Spreewald an. Vor dem Ereignis mit umfangreichem Rahmenprogramm treffen sich die Trainer Dieter Zwieb, Bert Orbanz und Mirko Wolschke, um mit der LR über die Schnittstelle zwischen Sport, Vorbildwirkung und Verantwortung in der Gesellschaft zu reden. Von Ingvil Schirling

Wer hatte eigentlich die Idee mit dem Benefizspiel?

Mirko Wolschke: In Benefizspielen sind wir inzwischen eigentlich ziemlich erprobt.

Dieter Zwieb: Das erste haben wir für das Netzwerk Gesunde Kinder gemacht, das muss 2003 oder 2004 gewesen sein.

Wolschke: Danach gab es mehrere Aktionen, zum Beispiel für Philip. (Philip Stammer aus Lübben hat nach Komplikationen bei der Geburt und in der Folge motorisch-körperliche Einschränkungen. Beim Benefizspiel im Januar 2016 unter dem Titel „Punkten für Philip“ kamen 8000 Euro zusammen.)

Bert Orbanz: Diesmal war es Lennart Blumenberg, Fenias Cousin, der auch die Idee mit dem Spendenlauf hatte. Er trainiert aktuell in der E-Jugend und ist seit sechs Jahren beim HC Spreewald, hat bei den Bambinis angefangen. Da waren wir sofort dabei.

Wie kam es dann zum Match gegen die „Spreewaldlegenden“?

Orbanz: Naja, man braucht halt einen attraktiven Gegner...

Wolschke: ...der die Leute in die Halle zieht.

Zwieb: Ich wurde vom Verein angesprochen, die Mannschaft zusammenzustellen und zu betreuen. Ich habe mich auf Spieler konzentriert, die in Luckau, Lübben und beim gemeinsamen HC gespielt haben – sie haben die Vereine durch ihre spielerische Stärke und ihren Charakter, ihr Engagement mit geprägt. Das war eines unserer wichtigsten Auswahlkriterien.

Erwartet werden Spieler wie Laszlo Baruta, Marcel Linge, Ingolf Burisch, Jens Massierer, Dirk Anhalt oder Wolfgang Freimann. Trainiert man da nochmal vorab oder verlässt man sich gleich blind aufeinander?

Orbanz: Es wird noch eine gemeinsame Trainingseinheit geben, da können aber nicht alle teilnehmen...

Wolschke: Es machen auch nicht alle mit...

…um ihre Körper für das eigentliche Spiel zu schonen?

Die drei Handballer lachen herzlich.

Orbanz: Es gibt natürlich ein paar Basics, die einfach funktionieren.

Zwieb: Und viele der Spreewald-Legenden sind immer noch im Spielbetrieb, nur wenige spielen nicht mehr.

Am Samstag geht es ja auch nicht um Punkte, sondern mehr darum, Unterstützung für Fenia zu bekommen. Die Neunjährige hatte starke Blutungen nach einer Mandel-Operation und ist im Wachkoma. Geht es da auch darum, Gemeinschaft über den Sport hinaus zu zeigen?

Wolschke: Ich denke schon, dass der Verein gesellschaftliche Verantwortung hat. Als Trainer – allein Bert trainiert 40 Kinder – kann man durch so ein Spiel zeigen, in welche Richtung es gehen kann.

Zwieb: Ich bin vor 23 Jahren nach Lübben gezogen, stamme eigentlich aus Süddeutschland. Als Handballer ging ich hier in den Verein und hatte das große Glück, dass Mirko Wolschke und Bert Orbanz als Spieler dabei waren. Ich habe sie zwei, drei Jahre trainiert. Der Verein entwickelte sich von der Verbandsoberliga über die Brandenburgliga in die Oberliga Berlin-Brandenburg. Über die 23 Jahre konnten wir immer wieder gemeinsam etwas für den und mit dem Verein machen.

Wolschke: Die Frage nach der Vorbildwirkung wird schon im Kinder und Jugendbereich beantwortet. Bert trainiert 40 Kinder in der Halle, das ist eine riesengroße Aufgabe. Eigentlich bräuchten wir mehr Hallenzeiten. Schon da muss man auf das Verhalten, die Disziplin, den Respekt gegenüber den anderen Kindern achten. Da werden bestimmte Regeln aufgestellt. Wir setzen uns vor Beginn der Saison zusammen und machen einen Regelkatalog – auch im Männerbereich. Viel wichtiger ist das aber im Kinder- und Jugendbereich.

Orbanz: Der Respekt gegenüber den anderen Spielern, dem Trainer, dem Schiedsrichter ist im Handball etwas besser als im Fußball, finde ich. Schon in der E-Jugend gibt es den Verhaltenskodex, an dem sie auch gemessen werden – und Disziplinarmaßnahmen wie zum Beispiel Zusatzaufgaben.

Zwieb: Große Vorbildwirkung hat die 1. Männermannschaft, die sich in ihrem Verhalten, auch dem Schiedsrichter gegenüber, in den letzten vier, fünf Jahren positiv verändert hat. So etwas nehmen sich die jüngeren Spieler oft auch an.

Was passiert denn im Ernstfall?

Zwieb: Handball ist nun mal ein Kontaktsport und da geht es zur Sache. Wenn es Aggressionen gibt, nimmt man den Spieler zur Seite und zeigt ihm auf, welche Folgen das hat.

Wolschke: Wegdrehen, abklatschen – wir versuchen als Trainer Verhaltensvorschläge zu machen, um aus der Situation herauszugehen.

Da lernt man also auch Selbstberuhigung, wenn die Emotionen hochkochen, was fürs Heranwachsen und spätere Leben ganz wichtig ist.

Orbanz: Wir haben auch gemischte Mannschaften, Mädchen und Jungen gemeinsam, das ist manchmal nicht einfach mit der unterschiedlichen körperlichen Entwicklung. Da hilft oft nur Reden. Bei uns sind alle Kinder im Training willkommen...

Wolschke: ...wir hatten auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien oder Eltern mit Migrationshintergrund...

Orbanz: ...und beim Handball muss man aus meiner Sicht mehr miteinander reden als beim Fußball. Und darüber kann man viel bewegen.

Zwieb: Das betrifft auch die Eltern. Wenn sie von der Tribüne aus die Gegner, gegnerische Trainer oder Schiedsrichter beleidigen, gehört ein Gespräch dazu, das aussagt: Das möchten wir nicht. So fängt es bei kleinen Dingen an. Unser Job besteht mit darin, den Kindern zu zeigen, wie sie etwas mit anderen machen können, wie wichtig es ist, regelmäßig zum Training zu kommen oder sich abzumelden. Auf dem Weg dahin lernen sie, vieles andere auch anders zu reflektieren, kritischer zu werden gegenüber Parolen.

Orbanz: Handball beinhaltet eine sehr starke Gruppendynamik. Wenn man die positiv vorlebt, wird sie auch weitergetragen. Dazu gehört, den Kindern früh zu vermitteln, dass sie wichtiger Teil des Teams sind.

Wenn Sie jetzt bei diesem speziellen Benefizspiel an Fenia denken, was geht dann in Ihnen vor?

Zwieb: Wir drei haben alle Kinder, die vom Alter her nicht weit weg von Fenia sind. Da wird einem bewusst, wie schnell so etwas passieren kann. Bei einer Mandel-OP denkt man ja nichts Böses. Ich arbeite bei einer Krankenkasse und weiß, wie schlagartig sich das Leben dann für die Eltern ändert – mit Behördengängen, Therapien und der ganzen Betreuung. Mir schnürt sich allein bei der Vorstellung die Kehle zu. Ich denke auch an die anderen Familienangehörigen. Natürlich gibt es die soziale Absicherung, aber die finanziellen Eigenanteile sind in der Summe oft der Wahnsinn. Bei den Spendenaufrufen, mit denen man jeden Tag konfrontiert wird, ist es für mich wichtig, einen regionalen Bezug zu haben.

Orbanz: Ich finde die Nachhaltigkeit von so einer Spendenaktion wichtig. In Fenias Fall hatten wir das große Glück, die Situation über einen längeren Zeitraum in der Presse zu haben und damit in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Das ist für mich entscheidend. Wir haben beispielsweise weiterhin Kontakt zu Philip. Auch für ihn ist die Spendenbereitschaft immer noch da, lange nach unserem Benefizspiel.

Wolschke: Unser Kapitän Nils Werner ist inzwischen der Lehrer von Philip. So schließt sich der Kreis.

Zwieb: Ich sehe uns mit dem Benefizspiel auch als Türöffner.

Wolschke: Diese Handballerfamilie, die wir in Lübben eben auch sind, lebt über die Region weit hinaus. Die Füchse Berlin haben nach dem Testspiel in Lübbenau noch weitere Utensilien zur Verfügung gestellt, die wir zugunsten von Fenia versteigern können. Unser Nachbar Lübbenau hat uns sogar das erhaltene Füchse-Trikot für das Benefizspiel gespendet!

 Aus dem jetzt schon legendären Testspiel der Füchse Berlin in Lübbenau haben die Nachbar-Handballer der TSG dem HC ein unterschriebenes Trikot geschenkt, das am Samstag für Fenia und ihre Familie versteigert werden soll.
Aus dem jetzt schon legendären Testspiel der Füchse Berlin in Lübbenau haben die Nachbar-Handballer der TSG dem HC ein unterschriebenes Trikot geschenkt, das am Samstag für Fenia und ihre Familie versteigert werden soll. FOTO: Robert W. Naase / Photographer: Robert W. Naase