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| 17:28 Uhr

Debatte um Windräder
245 Meter hoch: Sorge vor den Riesenrädern

 Der Bau von Windrädern treibt die Bewohner des kleinen Dorfes Trebitz um. Das Dorfgemeinschaftshaus war mit 35 Besuchern gut gefüllt.
Der Bau von Windrädern treibt die Bewohner des kleinen Dorfes Trebitz um. Das Dorfgemeinschaftshaus war mit 35 Besuchern gut gefüllt. FOTO: Jörg Kühl
Trebitz. Die Debatte um den Bau von Windrädern reißt nicht ab. Aktuell lehnen die Einwohner von Trebitz, eines Ortsteils von Lieberose, eine Ausweitung des Windparks im sichtbaren Bereich ab. Von Jörg Kühl

Wann immer Windräder an Dörfer heranrücken, ist die Sorge groß. Die Bürger von Trebitz protestieren gegen den Regionalplan, der eine weitere Ansiedlung von Windrädern vor ihrer Haustüre vorsieht. Das Amt Lieberose versucht, mit einem eigenen Bebauungsplan das Schlimmste abzuwenden.

Die neuen Räder könnten die bisherigen wahrhaft in den Schatten stellen. Denn statt der Höhe der bestehenden Windräder von 150 Metern sind jetzt Anlagen mit bis zu 245 Metern Höhe im Gespräch. Was die Trebitzer besonders ärgert: Das Amt Lieberose/Oberspreewald hatte 2011 in einem lokal abgestimmten Teilflächennutzungsplan Flächen für eine künftige Erweiterung des Windparks festgelegt, die weniger Konflikte bargen: Nämlich an der dem Ort abgewandten Seite, also quasi „hinter“ den bestehenden Rädern.

Im neuen Regionalplan Lausitz-Spreewald sind dagegen Flächen eingezeichnet, die an den bestehenden Windpark seitlich angrenzen, und die Sicht dadurch in westliche Richtung zusätzlich einschränken würden. Das Amt hatte in seinem 2011er Flächennutzungsplan für alle vier im Amtsgebiet befindlichen Windparks Erweiterungsflächen festgelegt. Drei davon wurden von den Regionalplanern unverändert übernommen. Nur  im Trebitzer Fall hat die übergeordnete Planungsbehörde den lokal abgestimmten Plan ignoriert. Die Gründe dafür seien der Amtsverwaltung nie mitgeteilt worden, so die für Bausache zuständige Amtsleiterin Annett Joppich.

33 Trebitzer, das ist ein Drittel aller Einwohner sowie zwei auswärtige Besucher waren zur jüngsten Ortsbeiratssitzung erschienen, die dem Thema Windkraft gewidmet war. In den zahlreichen Wortmeldungen verschafften sich die Bürger ihrem Frust Luft. Das Gefühl der Ohnmacht und des „die machen ja eh was sie wollen“ kam ebenso zum Ausdruck, wie eine tiefe Sorge vor einer Einschränkung der Lebensqualität. Dennoch wollen die Trebitzer nichts unversucht lassen, um doch noch auf die Planungen Einfluss nehmen zu können. Die im Ort wohnenden Förster wollen jetzt gezielt die Raubvogelwelt beobachten, um Hinweise auf noch unentdeckte Flugschneisen oder Horste zu erlangen. Auch eigene Gutachten über Lärm und Infraschall schrieb Ortsvorsteher Lothar Kleinod  in sein Sitzungsprotokoll.

Noch scheint es ein Zeitfenster zu geben, um zumindest die Räder, die den Horizont zusätzlich zu den bestehenden Anlagen einschränken, abzuwenden. In der letzten Stadtverordnetenversammlung im Dezember hatten die Abgeordneten eine Verlängerung der Veränderungssperre  für die Dauer eines Jahres beschlossen.

Die Zeit soll genutzt werden, um den städtischen Bebauungsplan weiterzuentwickeln. Wie Annett Joppich  versichert, hat die Kommune damit die Möglichkeit, sowohl auf die Höhe der Windräder, als auch auf die Lage einzelner Anlagen Einfluss zu nehmen. „Der 2011 beschlossene Teilflächennutzungsplan Windkraft für das Amtsgebiet ist immer noch in Kraft“, sagt sie. Ziel des aktuell in Bearbeitung befindlichen Bebauungsplans sei es, die im Flächennutzungsplan einvernehmlich beschlossene Gebietskulisse der Windräder als Grundlage der Erweiterung des Windparks wirksam werden zu lassen.