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| 02:59 Uhr

Bei Demenz ändert sich alles

Lübben. Es gibt immer mehr Demenzkranke. Während medizinische Einrichtungen darauf vorbereitet sind, gibt es bei Familien noch Nachholbedarf. Diese Wissenslücke haben am Dienstag Lübbener im Rathaus schließen können. Linda Haazipolo

. "Demenz kann auch mal in der eigenen Familie auftreten, daher muss man informiert sein", sagt Edith Redlich. Sie ist eine von vielen, die am Dienstag der Einladung der Volkssolidarität Bürgerhilfe gefolgt ist.

Über dieses Interesse freut sich Wienke Schuschies von der Volkssolidarität, schließlich geht sie davon aus, dass die Anzahl der Demenzkranken weiter zunehmen wird. Also ist auch Lübben betroffen. "Daher ist es ganz wichtig, den Umgang mit diesen Menschen zu lernen", sagt sie. Da gebe es noch Nachholbedarf. Anders ist das in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, erklärt Melanie Androw. Sie ist Fachkrankenschwester für Psychiatrie und als ambulante Pflegekraft in der Region unterwegs.

Ihre Einschätzung untermauert die Tatsache, dass es demnächst in Lübben ein neues Angebot für Demenzkranke geben wird. In der Heinrich-von-Kleiststraße baut die Volkssolidarität eigenen Angaben zufolge derzeit ein Haus, das besondere Wohngemeinschaften beziehen sollen. Dort werden laut Wienke Schuschies Erkrankte trotz ihrer Einschränkungen weiterhin selbstbestimmt leben können. Im November soll das Haus bezugsfertig sein. Das entlastet natürlich auch die Angehörigen.

Wie sehr eine Demenzerkrankung das Familienleben aus der Bahn werfen kann, weiß Annette Richter vom Arbeiter- und Samariterbund (ASB) Lübben aus eigener Erfahrung: "Das Schlimmste ist, dass nichts mehr ist, wie es mal war. Alles ändert sich." Sie rät deshalb, dass sich Betroffene Hilfe holen.

Eine Tagespflege könne solch eine Entlastung sein. Erkrankte werden bei diesem Modell tagsüber betreut, damit Angehörige nicht dauerhaft unter Stress stehen. Denn sie tendierten oft dazu, sich selbst zu vernachlässigen. "Darum ist es wichtig, sich Hilfe zu suchen und einen Ausgleich zu schaffen", betont Annette Richter.

Medizinische Fakten zur Krankheit liefert Krankenschwester Melanie Androw. "Demenz ist ein Überbegriff", erklärt sie. "Alzheimer Demenz, vaskuläre Demenz, Demenz bei anderen Krankheiten - das alles gibt es." Gemeinsam hätten alle Formen den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen. Ein erstes Anzeichen für Demenz sei, wenn eine Person innerhalb kurzer Zeit mehrmals dieselbe Frage stellt. Aber auch sozialer Rückzug gehöre dazu.

Genau das verlange einen besonderen Umgang mit den Erkrankten. "Man sollte nicht versuchen, sie mit Argumenten zu überzeugen. Demenzkranke haben eine andere, ganz eigene Logik. Man sollte sie lieber ablenken oder das Thema wechseln."

Zum Thema:
Mit der immer älter werdenden Bevölkerung nimmt auch die Zahl der Demenzerkrankten zu. Das belegt die Statistik. Demnach sind bei den unter 65-Jährigen nur zwei Prozent betroffen, bei den 85-Jährigen sind es bereits 20 Prozent.