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Begrüßung unter Freunden

Die Tschernobyl-Kinder sind da. Sie wurden gestern herzlich in Lübben begrüßt. Dreieinhalb Wochen lang bleiben die jungen Weißrussen im Spreewald.
Die Tschernobyl-Kinder sind da. Sie wurden gestern herzlich in Lübben begrüßt. Dreieinhalb Wochen lang bleiben die jungen Weißrussen im Spreewald. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Lübben. Kinder aus Weißrussland sind wieder da. Sie sind gestern in der Kreisstadt eingetroffen. 33 Mädchen und Jungen aus der Tschernobyl-Region verbringen die nächsten dreieinhalb Wochen bei Gasteltern im Spreewald. Andreas Staindl / asd1

Der Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl hat den Erholungsaufenthalt organisiert. Diesmal sind mehr Kinder dabei als bei früheren Aufenthalten. "Das ist durch die vielen Gasteltern möglich geworden", erklärt Ehrenvorsitzende Brigida Melzer.

Anita Kolberg aus Mittenwalde ist erstmals Gastmutter. "Ich möchte einem Kind aus Weißrussland helfen, ihm etwas Gutes tun", sagt sie. Arsenij Kriwetzkij wird während der nächsten dreieinhalb Wochen bei ihr wohnen: "Ich bin auf den Jungen sehr gespannt." Der junge Weißrusse ist acht Jahre alt und damit im gleichen Alter wie Nils-der Enkel von Anita Kolberg. Nils freut sich auf das Familienmitglied auf Zeit. Wenn es nach seiner Oma geht, lernt er während des Aufenthalts von Arsenij, "dass es Kindern in anderen Regionen der Welt nicht so gut geht". Der junge Weißrusse weiß von ihrem Enkel, weil dieser ihm einen Brief geschrieben hat. Ute Moritz aus Lübben hat Olesia Dutowa zum zweiten Mal zu Gast. Auf das neunjährige Mädchen wartet eine ganz besondere Überraschung: "Wir nehmen sie mit zu einer Hochzeit. Olesia ist dort eines der Blumenmädchen. Die festliche Kleidung haben wir ihr schon gekauft. Das wird bestimmt ein ganz tolles Erlebnis." Die Lehrerin im Ruhestand und das weißrussische Mädchen sind seit dem ersten Besuch im vergangenen Jahr im Kontakt geblieben. "Wir haben uns gegenseitig Briefe geschrieben", erzählt Ute Moritz. Auch Eveline Schüler kennt ihr Gastkind schon. Arsenij Dawidowitsch (11) hatte schon im vergangenen Jahr eine Woche bei ihr in Gröditsch (Märkische Heide) verbracht. "Wir haben ihn zudem in Weißrussland besucht. Er lebt dort bei seiner Oma." Eveline Schüler und ihr Partner Reinhard Urban haben ein zweites Gastkind aufgenommen. Ludmilla Sucharewa (9) war schon 2016 bei ihnen: "Wir freuen uns auf die beiden Kinder." Als sie und die anderen Mädchen und Jungen Donnerstag aus dem Bus steigen, wurden sie herzlich von ihren Gasteltern und den Mitgliedern des Kinderhilfsvereins umarmt.

Marion Harm aus Märkisch Buchholz nimmt kein Kind mit. "Ich möchte mich im Verein engagieren und helfen, wo es nötig ist", sagt sie. "Sehr gern würde ich mich um die kleine Sofiya kümmern." Das sechsjährige Mädchen ist schwer krank, wird während des Aufenthalts im Spreewald medizinisch versorgt, sagt Brigida Melzer. Die Ehrenvorsitzende ist froh, "dass uns Marion Harm unterstützt. Wir können jede Hilfe gebrauchen." Für die Märkisch Buchholzerin ist ein Engagement selbstverständlich: "Ich habe Zeit, und die will ich sinnvoll nutzen."

Carmen Eisenreich-Welkisch aus Reichwalde (Unterspreewald) ist zum zweiten Mal Gastmutter. Selbstverständlich ist das nicht, denn ihr Engagement im vergangenen Jahr ging gewaltig daneben. Der junge Weißrusse, den sie damals bei sich aufnahm, ist psychisch krank und hatte bei seinen Gasteltern viel Schaden angerichtet. "Wir waren total bedient und sehr traurig", erzählt Carmen Eisenreich-Welkisch. Doch aufgeben und sich als Gastmutter zurückziehen kam für sie nicht in Frage: "Bedingung war allerdings, dass es ein Kind ist, das schon hier zu Besuch war." So wie Anton Miroschnitschenko (13). Jetzt verbringt er die nächsten Wochen in Reichwalde. So wie er leben auch die anderen Kinder in Gastfamilien, werden von diesen betreut. Zudem stehen gemeinsame Ausflüge und Aktivitäten auf dem Programm. "Wir können wie schon in den vergangenen Jahren verschiedene Einrichtungen kostenlos nutzen", erzählt Brigida Melzer. "Ich bin sehr dankbar dafür."