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Befürworter wollen um die INA kämpfen

Neben dem Naturschutz - hier ein intaktes Moor in der Lieberoser Heide mit Wollgras - bietet die INA Raum für Wissenschaft und Forschung, Erlebnis und Lernen, erneuerbare Energien und Forstwirtschaft.
Neben dem Naturschutz - hier ein intaktes Moor in der Lieberoser Heide mit Wollgras - bietet die INA Raum für Wissenschaft und Forschung, Erlebnis und Lernen, erneuerbare Energien und Forstwirtschaft. FOTO: Niebrügge
Lübben/Lieberose. Die INA Lieberoser Heide steht möglicherweise auf der Kippe. Im zuständigen Landesministerium hält sich die Begeisterung für das Großprojekt – noch – in Grenzen. Die Befürworter in der Region setzen nun alles dran, Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) in einem Gespräch am 29. April zu überzeugen. Ingvil Schirling

Im März hatte Vogelsänger den ursprünglich anberaumten Termin kurzfristig abgesagt - er müsse sich noch vorbereiten, hieß es zur Begründung. Die Antworten des Ministers auf eine parlamentarische Anfrage des Landtagsabgeordneten Benjamin Raschke (Bündnis 90/Die Grünen) ließen "wenig Optimismus für eine Umsetzung" entstehen, schätzte Bernd Boschan vor dem Kreistag Dahme-Spreewald ein. Der Amtsdirektor und Sprecher der kommunalen Arbeitsgemeinschaft, die hinter der Internationalen Naturausstellung (INA) steht, hatte dort nachgefragt, ob der neue Termin mit Minister Vogelsänger am 29. April überhaupt noch stehe.

In Ruhe Gespräche führen

Das tut er, versichert Pressesprecher Jens-Uwe Schade aus dem Umweltministerium auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Und die derzeitige Zurückhaltung solle auf keinen Fall bedeuten, dass eine Tür zugeschlagen werde. "Wir müssen uns das in Ruhe anschauen. Und die Gespräche müssen weiter geführt werden", sagt er.

Von Seiten der Landesregierung sind offenbar noch einige Fragen offen. Zumal sich die Planungen für die INA in den vergangenen Monaten enorm weiterentwickelt haben. Der Informationsaustausch wird daher voraussichtlich im Vordergrund des Gesprächs am 29. April stehen.

Ein positives Bekenntnis zur INA von der Landesregierung ist deshalb so wichtig, weil daran Fördermittel aus Bundestöpfen in Höhe von 4,7 Millionen Euro gebunden sind. Mit einstimmigem Beschluss hat der Kreistag Dahme-Spreewald daher einen Brief auf den Weg gebracht, der Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auffordert, an den ursprünglich von der Landesregierung unterstützten Plänen festzuhalten. Er geht über die Landtagspräsidentin in dieser Woche auch an alle Mitglieder des Landtages.

Den Kreistagsmitgliedern hatte die AG INA auch die neueste Broschüre auf den Tisch gelegt. Aus ihr geht sehr deutlich hervor, dass die INA weit mehr ist als ein Naturschutz-Großprojekt. Es beinhaltet voneinander unabhängige Bausteine zu Themen wie erneuerbare Energien, nachhaltige Forstwirtschaft, Militärgeschichte und Umweltbildung. Im Kern geht es im Projekt auch darum, die Lieberoser Heide, als Militärgebiet seit Jahrzehnten für die Bevölkerung unzugänglich, wieder mehr mit dieser zu verbinden.

Gleichzeitig besteht internationales Interesse am Umgang mit ehemaligen Militärgebieten am Beispiel des Truppenübungsplatzes Lieberoser Heide. Ein erster Workshop hat bereits stattgefunden.

Nicht zu übersehen ist, dass die INA seit der Ursprungsidee über die vergangenen sechs Projektentwicklungsjahre die Kraft entwickelt hat, eine in sich durchaus heterogene Region aus drei Landkreisen zu einen. Alle drei Kreistage haben Unterstützungsbeschlüsse gefasst, erste Radwege sind bereits entstanden, sehr viel Munition ist beräumt.

Alternative Wildnisflächen

Hauptunklarheit scheint noch immer die Frage zu sein, ob die Forstwirtschaft im Falle des Falles Flächen abgeben muss für eine eventuell geforderte Wildniserweiterung. Das war auch bei einer Versammlung in Mochow diskutiert worden und wird von der Forst strikt abgelehnt. Auch Pressesprecher Jens-Uwe Schade machte auf LR-Nachfrage deutlich, dass das Umweltministerium da nicht mitgehen würde.

Die regionale Arbeitsgemeinschaft ist daher bereits auf der Suche nach Alternativen - Flächen von Privatbesitzern beispielsweise, die ohnehin nicht mehr nutzbar wären. Es geht um 2600 Hektar über mehrere Jahre. Bernd Boschan ist als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft optimistisch, das zu schaffen, ohne Landesforstflächen in Anspruch zu nehmen. Damit wäre der vorletzte Konfliktpunkt vom Tisch.

Für den letzten deutete Landrat Stephan Loge (SPD) eine Alternative an: Will das Land keine Eigenmittel zum Fördergeld des Bundes geben, könnte der Betrag in Höhe von gut 800 000 Euro aus anderen Töpfen finanziert werden. Loge steht unmissverständlich hinter dem Projekt. Ob es ihm, Bernd Boschan und Landtagsabgeordneter Sylvia Lehmann (SPD) gelingt, Minister Vogelsänger zu überzeugen, wird sich am 29. April zeigen.