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| 02:49 Uhr

Bedarf nach Familienberatungen im Spreewald liegt auf hohem Niveau

Ohne Terminabsprachen geht bei der Calauer Familienberatung von Erika Kühnel nichts.
Ohne Terminabsprachen geht bei der Calauer Familienberatung von Erika Kühnel nichts. FOTO: J. Augustin
Calau/Lübben. Wer ein intimes Problem hat und den Weg zu einer Beratungsstelle scheut, kann sich auch per E-Mail oder online beraten lassen. Den Service gibt es bei mehreren Anbietern im Spreewald. Viel genutzt wird er nicht. Dafür liegt der Bedarf nach persönlichen Gesprächen auf einem hohen Niveau. Jan Augustin

Erika Kühnel arbeitet nach einem strengen Zeitmanagement. Wer Hilfe von der Leiterin der Familienberatung Calau bekommen möchte, hat nur zu bestimmten Zeiten und nach Terminabsprache die Möglichkeit dazu. Kein Wunder. Allein im vergangenen Jahr zählte sie 600 Fälle. Rechnet man hinzu, dass die ratsuchenden Familien das für sie kostenfreie Angebot bis zu zehn Mal nutzen, kommt man auf weit über 1000 Beratungsgespräche.

Die Anzahl der Fälle liege seit Jahren auf einem hohen Niveau - was aber nicht nur bedeutet, dass die Menschen mehr Probleme haben als früher. Kühnel macht einen Hauptgrunde im gestiegenen Bekanntheitsgrad der Einrichtung aus, die es seit 2001 gibt. Die Familien kämen aus einem weiten Umkreis: aus Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz, Elbe-Elster und Spree-Neiße. Außerdem sinke die Scheu, solche Angebote anzunehmen. "Es wird selbstverständlicher, bei mir Hilfe zu holen." Unterstützung bekommen können beispielsweise auch Eltern, die nicht so viel Geld übrig haben für die Einschulung ihres Kindes. Schulmappe, Materialien, ein Schreibtisch oder die Kleidung für die Feier - all das muss bezahlt werden. Kühnel bietet hier die Beantragung von Stiftungsmitteln an. Um Gelder zu erhalten, müssten die Familien allerdings rechtzeitig zu ihr kommen. Acht Wochen dauere die Bearbeitung der Anträge. "Doch Ratsuchende kommen oftmals eine Woche vor der Feier zu uns. Das ist zu spät", sagt Kühnel. Im Moment laufen die Anfragen zur finanziellen Unterstützung zu den Einschulungen am 23. August. Wer Interesse an einer Beratung hat, könne sich unter Telefon 03541 712680 melden.

Eine Beratung kann aber auch über das Internet erfolgen. Auf dem Portal www.evangelische-beratung.de kann man anonym Kontakt zu einer Beratungsstelle aufnehmen und seine Fragen vertraulich stellen. Das Angebot werde aber nicht besonders stark nachgefragt, da es bei ihrer Beratung oft um praktische Hilfe geht, wie das Ausstellen eines Beratungsscheins oder Hilfe beim Ausfüllen von Formularen.

Ähnlich selten wird das Online-Angebot von der evangelischen Familien- und Erziehungsberatungsstelle Lübben genutzt. Leiterin Stefanie Huschka schätzt, dass es etwa fünf E-Mail-Anfragen pro Monat gibt. Meistens gehe es um intimere Themen, wo Scham eine Rolle spiele. Genutzt werde die Online-Beratung hauptsächlich von Jugendlichen. Dominierendes Thema ist die Sexualität.

Ein anderes Thema, das nicht unbedingt online besprochen wird und bei dem Stefanie Huschka eine steigende Nachfrage verzeichne, ist die Trennungs- und Scheidungsberatung. Sie mache derzeit etwa 30 Prozent der gesamten Anfragen aus. Insgesamt zählte sie im vergangenen Jahr 740 Fälle - von der Schwangerenkonfliktberatung über Eheberatung bis hin Sexualberatung. Betreut werden die Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialpädagogen, unabhängig von Weltanschauung und Nationalität. Sechs Mitarbeiter gibt es in Lübben.

Auch im Teltow-Fläming-Kreis gibt es seit Ende April eine Onlineberatung für Jugendliche, Eltern und Kinder. Sie gehört zum präventiven Arbeitsbereich des Jugendamtes und wird von der Arbeiterwohlfahrt Zossen und vom Deutschen Roten Kreuz aus Luckenwalde durchgeführt. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich. Um sie zu nutzen, benötigt man ein geschütztes Login mit Kennwort.