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| 03:00 Uhr

Baden verboten: Das Wasser kommt

Um acht Zentimeter ist das Wasser am Bootssteg der Lübbener Jugendherberge von Montag auf Dienstag gestiegen. Herbergs-Chef Siegfried Gunkel misst regelmäßig.
Um acht Zentimeter ist das Wasser am Bootssteg der Lübbener Jugendherberge von Montag auf Dienstag gestiegen. Herbergs-Chef Siegfried Gunkel misst regelmäßig. FOTO: Schirling
Lübben. Die Tage der Ungewissheit sind zu Ende – das Wasser kommt. An der Lübbener Jugendherberge stieg das Wasser um acht Zentimeter in 24 Stunden. Die Alarmstufe 2 ist erreicht – doch die befürchtete Katastrophe wird ausbleiben, sagen die Fachleute. Ingvil Schirling

Um fünf bis maximal zehn Zentimeter werde das Wasser in Lübben noch ansteigen. Das sagt Wolfgang Genehr, Abteilungsleiter Süd vom Landesumweltamt in Cottbus. Dieser Hochwasserscheitel werde sich dann lange hinziehen, ist er sich sicher. Von mehreren Wochen will er nicht sprechen, von vielen Tagen aber schon. Seit gestern Mittag gilt in Lübben die Alarmstufe 2 - der Pegel am Zusammenfluss hat die 400 Zentimeter überschritten.

Das aktuelle Szenario sieht so aus: Noch bis kommende Woche wird die Talsperre Spremberg, so schätzt zumindest das Landesumweltamt ein, 75 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgeben. Bis dieses Wasser dann durch Lübben durch ist und aus der Stauabsenkung Nord mit dem Hochwald abgeflossen ist, werden - eine gute Wetterlage vorausgesetzt - voraussichtlich in der Tat ziemlich viele Tage vergehen.

Regelmäßig hockt sich Siegfried Gunkel an den Rand der Bootsanlegestelle der Lübbener Jugendherberge und misst mit einem Zollstock das Wasser über dem Steg. Am 7. Juni schwappte dies genau einen Zentimeter über. Am Dienstag um 13 Uhr stand das Nass stolze 34 Zentimeter über dem Holz. Normalerweise dümpelt die Spree dort 20 Zentimeter unterhalb des Stegs vor sich hin, plätschert mit rund sechs Kilometern pro Stunde in Richtung Berlin. Nun strömt sie mit fast 20 km/h, schätzt Gunkel ein, eilig vorbei.

Die Häuser, die der Herbergsvater unter seinen Fittichen hat, sind mit Sandsäcken geschützt. Kies liegt aufgehäuft für den Fall der Fälle. Wenige Meter weiter hat die Steinkirchner Feuerwehr am gestrigen Dienstag zur Schippe gegriffen. In überregionaler Unterstützung - und im eigenen Interesse - verstärkten die Männer den kleinen Erdwall, der die Ragower Kahnfahrt zu den Poldern in Richtung Lübben begrenzt. Diese Wiesen sind stellenweise sehr nass, können keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen. Der Polder hat keinen weiteren Abfluss, und das Gefälle neigt sich sanft in Richtung Steinkirchen - träte die Ragower Kahnfahrt über die Ufer, könnte es ernst werden an dieser neuralgischen Stelle in Sachen Hochwasser.

Landrat Stephan Loge (SPD) ist sich nach seinen täglichen Fahrten durch den Spreewald inzwischen allerdings "recht sicher, dass es nicht dazu kommt". Er rechnet - wenn keine unvorhergesehenen Starkregenfälle niedergehen - ebenfalls mit der Erhöhung von fünf bis zehn Zentimetern und über die kommenden Wochen dann mit einem "geordneten Abfluss". In den Hochwald mit der Stauabsenkung Nord sind Schätzungen zufolge inzwischen 15 bis 20 Millionen Kubikmeter Wasser geflossen. "Es ist alles eine Wasserfläche", berichtet Loge. "Ein Flusslauf ist nicht mehr zu sehen, mehr eine Gesamtströmung." Auch am Kleinen Hain stehe das Wasser inzwischen auf ersten Grundstücken. "Das ganz Schlimme lässt sich mittlerweile aber ziemlich sicher ausschließen."

Dennoch bleibt es bei dem Fahrverbot auf den Gewässern. Und auch das Baden ist nicht mehr erlaubt - weder an der Steinkirchner Jägerbadeanstalt noch an der Spreelagune oder am Wasserspielplatz. Die Strömung ist zu stark, aber auch Treibgut sorgt für Gefahr.