Eine der schönsten und im Land Brandenburg sehr selten gewordenen spätromantischen Orgeln ist die aus der Schuke-Werkstatt in der Lübbener Hauptkirche, die seit 1930 den Namen Paul Gerhardts trägt. Das Organisten-Duo spielte hörbar gern auf diesem Instrument. Aber nicht nur auf diesem. Denn zu den Überraschungen zählte, dass Volker Jaekel ein Portativ mitgebracht hatte - eine transportable kleine Orgel, in der Größe und der Spielweise einem Akkordeon ähnlich. Elke Schneider stellte sich als annehmbar zu hörende Sopranistin vor. Beide musizierten eine Weise von Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert.

Durch Musik-Epochen gereist
Das Duo machte mit seinen Hörern eine fast rasante Zeitreise durch Musik-Epochen. Es gab zwar in Zwischentexten Hinweise auf Komponisten und Werk, aber dem Hörer blieb oft wenig Zeit, um sich auf Kommendes einzustellen. Vier Tänze aus der Renaissance des polnischen Großmeisters seiner Zeit Jan de Lublin erklangen sauber und facettenreich, gleich danach ein feierlich-prächtiges Präludium und eine heitere Fuge des österreichischen Barock-Komponisten Johann Georg Albrechtsberger.

Unterschiedliche Resonanz
Barock ohne Bach - was wäre das für ein Konzert? Die Organisten versicherten, von einem Kantor der Bach-Taufkirche im thüringischen Eisenach um ein Orgelwerk für zwei Organisten gebeten worden zu sein. Dergleichen schrieb Bach nie. Schneider und Jaekel versuchten sich an dem weltberühmten „Air“ . Aber an diesem Versuch schieden sich die Geister, denn „Bach-Verschnitt“ mit musikalischen Einsprengseln von Komponisten anderer Epochen - das war etlichen des Guten zuviel.
Die Bearbeitung eines Adagio, geschrieben für die Flötenuhr eines Grafen Daim von Ludwig van Beethoven, hingegen wurde anrührend interpretiert. Nach einem raschen Allegro für vierhändiges und vierfüßiges Orgelspiel von Jean Langleis gab das Duo die Orgel-Sonate in d-Moll des romantischen Meisters Gustav Merkel. Elke Schneider und Volker Jaekel loteten auch mit diesem Werk die Möglichkeiten der kostbaren Lübbener Orgel aus. Dafür gab es freundlichen Beifall. (-ds)