Die fünf Tage alte Marie-Theres räkelt sich wohlig auf einer Matratze, die neugierige Kinderschar um sie herum scheint ihr nichts auszumachen. Was ist denn das, was die Birgit da auspackt? , fragt Martina Herrmann in die Runde, als die Krankenschwester Birgit Kloas die Windel öffnet. Genau, das ist Kacka, aber das stinkt bei so kleinen Babys überhaupt nicht, beantwortet die Leitende Hebamme ihre Frage selbst.
Gebannt verfolgen die Lübbener Kita-Kinder, wie Birgit Koals das 3,83 Kilo leichte Mädchen, das nun zaghaft zu schreien beginnt, ins warme Badewasser legt. Während Marie-Theres keinen Mucks mehr von sich gibt, fangen die Sonnenkinder an zu tuscheln, während sie mit großen Augen das Baden des Babys beobachten. Es scheint, als würden sie selbst gerne den Waschlappen in die Hand nehmen. Bei mir macht Mama auch immer Schaum rein , sagt eine kleine Spreewälderin, während sich Marie-Theres geduldig abseifen lässt.
Die Mutter der Neugeborenen sieht dem Geschehen gelassen von einem Sessel aus zu. Ich finde es okay, wenn Kinder früh Bescheid wissen, wie ein Baby versorgt wird. Die werden ja immer früher reif , sagt Theresia Zeidler. Es ist gut, wenn Dreijährige verstehen, dass ein Kind aus dem Bauch der Mutter kommt, auch wenn sie noch nicht wissen, wie es dort hineingekommen ist , so die 22-jährige Lübbenauerin. Wenn meine Tochter irgendwann so weit ist, werde ich wohl erst einmal mit dem Klapperstorch anfangen , erklärt sie ihre Strategie zur Sexualaufklärung.
Kinder sollten möglichst früh erfahren, was natürliches Gebären heißt , erklärt Martina Herrmann. Hier sehen die Mädchen und Jungen, dass die natürliche Ernährung über das Stillen wichtig für die Entwicklung eines Kindes ist - dass es, anders als bei Babypuppen, mit der Flasche nicht getan ist , so die Hebamme.
Eine Art Schnell-TÜV für gesunde Babys erleben die Lübbener Kinder nach dem Bad in der Plastikwanne. Birgit Kloas rubbelt Marie-Theres vorsichtig im Bademantel trocken, pudert sie, misst Fieber und kontrolliert mit einem Blitzgerät die Entwicklung der Säuglingshaut.
Hände weg , sagt Erzieherin Gu drun Schorten, als immer mehr Kinderhände nach dem Rand der Babymatratze greifen, als wollten die Kinder beim Pudern oder Anziehen der Kleinen helfen. Als Marie-Theres mit lauthals deutlich macht, dass ihr die Prozedur langam zu viel wird, nimmt Birgit Kloas eine Haarbürste und sagt: Jetzt machen wir den Friseur. Frisch gebürstet liegt der Winzling im rosa Strampelanzug schon wieder ganz gelassen in den Armen der Krankenschwester. Mit schläfrigem Blick schaut er in die Augen der jungen Besucher, die sich wenige Jahre zuvor am gliechen Ort in ähnlicher Lage befunden hatten. Dann heißt es: Ende der Vorstellung.
Die jungen Besucher zeigen sich begeistert darüber, erlebt zu haben, wie ein Kind, das noch jünger ist als sie selbst, versorgt wird. Ich habe gesehen, wie ein Baby an der Brust trinkt und wie es spielt , erklärt die dreijährige Charlotte die Etappe beim Gang durch die Geburtsklinik, die sie am meisten fasziniert habe. Die Kinder hatten schon tagelang zuvor von diesem Ausflug gesprochen , berichtet Gudrun Schorten. Jetzt wirken viele so, als hätten sie gerne noch mehr Geschwister , ergänzt sie.

Info zum Thema Prävention vor Ort
 Während des Wochen der Gesundheitserziehung genannten Projekts haben sich die Sonnenkinder mit einer gesunden Lebensweise befasst, informiert Erzieherin Gudrun Schorten. Seit Anfang März hätten die Kinder gelernt, wie ein gesundes Frühstück zubereitet wird, hätten eine Praxs für Physiotherapie besucht und im Fitnesscenter trainiert. Demnächst würden im gleichen Kontext ein Saunaaufenthalt und ein chinesischer Kochkursus anstehen.